Jobprofil: Versicherungskaufleute

Versicherungskaufleute beraten Kunden und analysieren ihren individuellen Bedarf an Versicherungen. Sie erstellen Angebote und arbeiten Verträge aus, zum Beispiel zu Lebens-, Unfall- oder Privathaftpflichtversicherungen. Die offizielle Berufsbezeichnung lautet Kaufmann oder Kauffrau für Versicherungen und Finanzen. Azubis können sich auf die Fachrichtung Finanzen oder Versicherungen festlegen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Fast drei Viertel aller Versicherungskaufleute verfügen über die Hochschulreife.

Versicherungskaufleute Versicherungskaufmann Versicherungskauffrau

Versicherungskaufmann Aufgaben

Der Versicherungskaufmann oder Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, wie das Jobprofil seit 2006 heißt, ist in vielen Fällen ein Helfer in der Not. Ärgerlich genug, wenn beispielsweise beim Umzug von der alten in die neue Wohnung der teure Flachbildfernseher zu Bruch gegangen ist. Oder wenn auf dem Weg zur Arbeit ein Unfall zu einer Delle im Kotflügel des neuen Autos führte. Oder wenn das Fahrrad gestohlen wurde. Fälle, in denen Versicherungskaufleute Kunden mit Rat und Tat beiseite stehen, gibt es viele.

Schaden aufnehmen:

Sie beraten, nehmen Schadenfälle auf und lassen sie von Sachverständigen auf Richtigkeit prüfen. Im Falle von Ungereimtheiten recherchieren sie den genauen Tat- oder Unfallhergang – in engem Austausch mit zuständigen Anwälten, Behörden und der Polizei. Sind alle Rahmenbedingungen geklärt, veranlassen sie die Auszahlung der zustehenden Versicherungssumme oder übernehmen die Kosten für Reparaturen.

Kunden anrufen:

In der Regel beraten Versicherungskaufleute ihre Kunden direkt vor Ort – in deren Unternehmen oder bei ihnen zuhause. Es gibt aber auch Versicherungskaufleute, die rein am Telefon agieren. Das ist von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden.

Versicherungspaket zusammenstellen:

Versicherungskaufleute sind aber nicht erst zur Stelle, wenn es zum Unfall oder Schaden gekommen ist. Sie beraten ihre Kunden schon früher und stellen ihnen das Versicherungspaket zusammen, das zu ihren individuellen Bedürfnissen und Lebensverhältnissen passt.

Verträge aufsetzen:

Hierbei sind nicht nur Argumentationsstärke und Feingefühl gefragt, sondern auch das nötige Hintergrundwissen über die einzelnen Versicherungsleistungen, Alters- und Unfallvorsorgen. Auch Bürotätigkeiten gehören zu den täglichen Aufgaben: Kundendaten müssen aktuell gehalten, Verträge aufgesetzt und zum Abschluss gebracht, der Kontakt zu potenziellen Neukunden aufgenommen werden.

Kapitalanlagen verkaufen:

Je nach Schwerpunkt ihrer Ausbildung können Kaufleute für Versicherungen und Finanzen auch in der Finanzberatung arbeiten und zum Beispiel Kunden einer Bank bei der Wahl von Kapitalanlagen beraten.

Unterwegs sein:

In punkto Work-Life-Balance stehen Versicherungskaufleute im Regelfall gut da, auch wenn die viele von ihnen als Vertriebsmitarbeiter häufig auf Achse sein müssen. In der Regel betreuen sie eine Region in näherem Umkreis, so dass sich die Fahrtätigkeit im Rahmen hält. Die meisten Versicherungskaufleute arbeiten außerdem im Innendienst, nicht im Außendienst.

Flexibel arbeiten:

Oft bieten Arbeitgeber Gleitzeitmodelle an, die zum Beispiel eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut ermöglichen. Auch Teilzeitmodelle sind oft kein Problem. Und: Meist gehören Versicherungskaufleute als Azubis zu den Besserverdienern im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen.

Versicherungskaufleute Fähigkeiten

Womit punkten Versicherungskaufleute? Bei der Arbeit als Versicherungskaufmann oder Versicherungskauffrau kommt es auf einen guten Mix aus Hard- und Soft Skills an. Die wichtigsten sind:

Welche Stärken soll ich im Vorstellungsgespräch nennen?
vgwort

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Versicherungskaufmann Gehalt

Versicherungskaufleute verdienen im Durchschnitt rund 3.500 Euro brutto im Monat. Die Gehaltsspanne reicht von 2.000 bis 6.500 Euro. Das Einkommen hängt stark von Arbeitgeber, Region und variablen Gehaltsbestandteilen ab. Azubis kommen auf monatlich 1.040 bis 1.200 Euro brutto.

Versicherungskaufmann Gehalt Ergo

Versicherungsfachleute bei der Ergo Group kommen nach Kununu-Angaben auf Gehälter zwischen 27.600 und 80.000 Euro brutto im Jahr. Das Durchschnittseinkommen beträgt 46.900 Euro.

Versicherungskaufmann Gehalt Allianz

Versicherungskaufleute bei der Allianz verdienen nach Glassdoor-Angaben im Schnitt rund 2.970 Euro brutto im Monat. Die Gehaltsspanne reicht bis 5.860 Euro.

Versicherungskaufmann Gehalt Debeka

Versicherungsfachleute bei der Debeka werden laut Kununu mit Gehältern zwischen 27.300 und 80.400 Euro brutto jährlich entlohnt. Das Durchschnittseinkommen liegt bei 49.400 Euro.

Versicherungskaufmann Gehalt DEVK

Versicherungsfachleute bei der DEVK verdienen zwischen 27.300 und 80.000 Euro brutto jährlich. Der Durchschnittsverdienst beträgt 46.200 Euro.

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Versicherungskaufmann werden

Die Ausbildung zum Kaufmann für Finanzen und Versicherungen dauert drei Jahre. In der Ausbildung können Sie sich auf einen der beiden Schwerpunkte Versicherungswesen oder Finanzwesen spezialisieren. Angehende Versicherungskaufleute wählen die Fachrichtung Versicherungen. Die Lehre findet parallel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Die Ausbildung umfasst eine Zwischenprüfung in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres und schließt mit einer Abschlussprüfung ab. Die Bestehensquote von Versicherungskaufleuten liegt laut Prüfungsstatistik der IHK bei 96,8 Prozent.

Versicherungskaufleute Ausbildung Voraussetzungen

Formale Voraussetzungen für die Ausbildung zur Versicherungskauffrau gibt es keine. Allerdings stellen die meisten Betriebe bevorzugt Berufsanwärter mit mittlerer Reife oder Abitur ein. Außerdem legen viele Arbeitgeber Wert auf gute Noten in Mathe, Deutsch und Englisch.

Von den Ausbildungsanfängern im Jahr 2019 hatten

  • 71 Prozent die Hochschulreife
  • 25 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss
  • 3 Prozent einen Hauptschulabschluss
  • 1 Prozent keinen Hauptschulabschluss
[Quelle: Bundesagentur für Arbeit]

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Versicherungskaufleute Ausbildung Inhalte

In der Ausbildung kann man sich auf einen von zwei Schwerpunkten spezialisieren: Versicherungswesen oder Finanzwesen. Übergreifende Ausbildungsinhalte sind:

  • Personalwirtschaft, arbeits-, sozial- und tarifrechtliche Vorschriften
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Arbeitsgestaltung
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle
  • Arbeits- und Selbstorganisation
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Fremdsprache bei Fachaufgaben anwenden
  • Betriebliches Rechnungswesen
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Controlling
  • Kundenberatung und Verkauf
  • Beratungs- und Verkaufsprozesse vorbereiten
  • Beratungs- und Verkaufsgespräche durchführen
  • Beratungs- und Verkaufsgespräche nachbereiten
  • Bestandskundenmanagement
  • Vertragsservice
  • Kundenbetreuung

Fachrichtung Versicherungen Inhalte

Die Spezialisierung in der Fachrichtung Versicherung umfasst das Thema Schaden- und Leistungsbearbeitung und zwei Wahlqualifikationseinheiten zur Vertiefung aus den Bereichen:

  • Kundengewinnung und Bestandsausbau
  • Marketing
  • Steuerung und Verkaufsförderung
  • Risikomanagement
  • Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge
  • Vertrieb von Versicherungsprodukten für Gewerbekunden
  • Kundenberatung
  • Kundenbeziehungen und Versicherungsbestände
  • Schadenservice und Leistungsmanagement

Fachrichtung Finanzen Inhalte

Die Spezialisierung in der Fachrichtung Finanzberatung umfasst das Thema Anlage in Finanzprodukte und zwei Wahlqualifikationseinheiten zur Vertiefung aus den Bereichen:

  • Finanzierungsberatung von gewerblichen Kunden
  • Finanzproduktbestände der Kunden optimieren
  • Private Immobilienfinanzierung und Versicherungen
  • Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge

Versicherungskaufleute Ausbildung Prüfung

Neben einer Zwischenprüfung sieht der Ausbildungsrahmenplan eine Abschlussprüfung in beiden Bereichen vor. Die Prüfung in der Fachrichtung Versicherungswirtschaft besteht aus den diesen Prüfungsbereichen:

  • Versicherungswirtschaft sowie Schaden- und Leistungsbearbeitung
  • Wirtschafts- und Sozialkunde
  • Kundenberatungsgespräch
  • Fallbezogenes Fachgespräch

Die Prüfung in der Fachrichtung Finanzberatung besteht aus diesen Prüfungsbereichen:

  • Finanzberatung und Anlage in Finanzprodukte
  • Wirtschafts- und Sozialkunde
  • Kundenberatungsgespräch
  • Fallbezogenes Fachgespräch

Versicherungskaufleute Ausbildung Gehalt

Das monatliche Bruttoeinkommen von Versicherungskaufleuten staffelt sich während der Ausbildung wie folgt:

  • 1. Ausbildungsjahr: 1.040 Euro
  • 2. Ausbildungsjahr: 1.115 Euro
  • 3. Ausbildungsjahr: 1.200 Euro

Versicherungskaufleute Jobs

Kaufleute für Versicherungen und Finanzen können für unterschiedliche Arbeitgeber tätig sein:

  • Banken
  • Sparkassen
  • Kreditinstitute
  • Versicherungen

Die meisten Stellen für Versicherungskaufleute gibt es in Nordrhein-Westfalen. Hier arbeitet mehr als ein Viertel aller Beschäftigten in der deutschen Versicherungswirtschaft.

Versicherungskauffrau Karriere

In der Versicherungsbranche arbeiten Versicherungskaufleute in der Regel zunächst als Spezialisten in einer Fachabteilung. Später haben sie die Möglichkeit, als Firmen- oder Großkundenbetreuer tätig werden. 

Underwriter werden:

Auch haben sie de Möglichkeit, als Underwriter zu arbeiten, der Großschadensrisiken – zum Beispiel von Fluggesellschaften – abschätzt. Dies ist aber nur ein Beispiel von vielen möglichen Karriereverläufen.

Weiterbildung absolvieren:

Auch für Versicherungskaufleute gilt: Je höher die Qualifikation, desto höher die Chance auf verantwortungsvolle Positionen. Hierfür bieten sich folgende Weiterbildungsoptionen an:

  • Versicherungsfachwirt
  • Fachwirt für Finanzberatung
  • Versicherungsbetriebswirt
  • Betriebswirt für Finanzen und Investment

Versicherungskaufmann Zukunftsaussichten

Die Zukunftschancen für Versicherungskaufleute sind durchschnittlich. Auf der einen Seite gelten die Deutschen als Sicherheitsfanatiker und Versicherungsweltmeister. Die Nachfrage nach Produkten wie Haftpflicht-, Kfz-, Renten-, Berufsunfähigkeits- oder Auslandsreisekrankenversicherungen wird weiterhin hoch bleiben und auf absehbare Zeit nicht ins Bodenlos fallen. Auf der anderen Seite befindet sich die Branche in einer Phase der Digitalisierung und der Konsolidierung. Damit verbunden ist auch der Abbau von Arbeitsplätzen. Diese Tendenz dürfte sich fortsetzen.

Zahl der Versicherungsunternehmen:

Gab es im Jahr 1990 nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV noch 729 Versicherungsunternehmen in Deutschland, waren es 2019 nur noch 530 – ein Rückgang um 27 Prozent.

Zahl der Arbeitsplätze:

Die Zahl der Beschäftigten ging von insgesamt 295.800 im Jahr 2016 auf rund 290.000 im Jahr 2020 zurück. Während die Zahl der Auszubildenden und der Mitarbeiter im Außendienst kontinuierlich sinkt, stieg sie im Innendienst dagegen leicht an.

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