Jobprofil: Dolmetscher

Dolmetscher übersetzen Wörter, Reden und Vorträge aus einer Ausgangssprache in eine Zielsprache. Sie beherrschen mehrere Sprachen fließend und kommen auf Konferenzen und Tagungen, bei Verhandlungen vor Gericht, in Behörden oder politischen Institutionen zum Einsatz. In der Regel haben sie ein Hochschulstudium oder eine professionelle Ausbildung an einer Fachakademie absolviert. Als Dolmetschen bezeichnet man die mündliche Übertragung eines gesprochenen oder schriftlich fixierten Textes.

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Dolmetscher Beruf

Dolmetscher übersetzen das gesprochene Wort mündlich aus der einen in die andere Sprache. Übersetzer dagegen übertragen Texte schriftlich von einer Sprache in eine andere. Gebärdensprachdolmetscher wiederum transferieren gesprochenen oder schriftlich festgehaltenen Text aus der Lautsprache in die Gebärdensprache und umgekehrt.

Abschluss machen:

Zwar ist der Beruf nicht geschützt und prinzipiell können sich auch nicht spezifisch ausgebildete Personen als Dolmetscher bezeichnen. Doch um in diesem Bereich an die wirklich guten Jobs zu kommen, empfehlen sich einschlägige Zertifikate und Abschlüsse.

Sprachen übersetzen:

Für Dolmetscher kommen völlig unterschiedliche Tätigkeitsgebiete infrage. Zum Beispiel als Konferenzdolmetscher oder als Dolmetscher vor Gericht – hier werden sie sogar vereidigt. Auch bei wichtigen internationalen politischen Veranstaltungen sind sie oft zu beobachten, ebenso bei TV-Shows oder sie sind im Radio zu hören.

Stimmung aufnehmen:

Dabei ist es nicht nur wichtig, das gesprochene Wort in eine andere Sprache zu übersetzen, sondern auch die Stimmung des Redners mit einfließen zu lassen. Das beeinflusst erheblich, wie eine Rede oder ein Kommentar bei den Zuhörern aufgenommen wird. Ein gewisses schauspielerisches Talent und Empathie sind also die Grundvoraussetzungen für den Job als Dolmetscher.

Konzentriert bleiben:

Dolmetschen kann aufgrund der hohen Arbeitsverdichtung und Konzentration, die es dem Übersetzenden abverlangt, sehr kräftezehrend sein. Zwar sind die Arbeitszeiten oft überschaubar, allerdings ist der Job mitunter sehr herausfordernd. Auf dem Arbeitsmarkt bestehen mittelmäßige Aussichten. Der Beruf wird eher in Nischenbereichen nachgefragt.

Tätigkeitsfelder

Dolmetscher wenden in ihrem Beruf verschiedenste Dolmetschtechniken an und werden dementsprechend in verschiedenen Tätigkeitsfeldern eingesetzt. Dazu gehören:

  • Simultandolmetschen
    Hier werden Redebeiträge in Echtzeit übersetzt. Eine Aufgabe, die vom Dolmetscher absolute Perfektion in der Zielsprache abverlangt und höchste Aufmerksamkeit. Da diese Aufgabe sehr anstrengend ist, arbeiten oft zwei Simultandolmetscher zusammen in einer schallisolierten Dolmetschkabine und wechseln sich ab. Schauplätze sind Konferenzen, Tagungen, Verhandlungen, Shows oder Galas.
  • Konsekutivdolmetschen
    Hier übersetzen Dolmetscher Passagen einer Rede zeitversetzt. Dies geschieht nach dem Vortrag des Originaltextes anhand von Notizen mit einer speziellen Notationstechnik. Konsekutivdolmetschen kommt bei Tisch- und Begrüßungsreden, bilateralen Verhandlungen, Festreden, Vorträge oder Führungen zum Einsatz. Sie kostet den Dolmetscher mehr Zeit.
  • Gesprächsdolmetschen
    Hierbei werden Rede und Antwort in Gesprächen zeitversetzt und abschnittsweise übersetzt. Die Technik wird zum Beispiel bei Verhandlungen am „runden Tisch“ oder Tischgesprächen angewandt.
  • Flüsterdolmetschen
    Flüsterdolmetschen ist eine spezielle Form des Simultandolmetschens, bei der der Flüsterdolmetscher die Übersetzung von Redebeiträgen einer Person zuflüstert. Der Fachbegriff lautet Chuchotage. Aus akustischen Gründen eignet sich die Technik nur für einen oder maximal zwei Zuhörer.

Fähigkeiten

Dolmetscher sprechen mehrere Sprachen auf muttersprachlichem Niveau. Sie punkten in ihren Bewerbungsunterlagen in Anschreiben, Motivationsschreiben und Lebenslauf mit diesen Stärken, Fähigkeiten und Soft Skills:

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Dolmetscher Gehalt

Dolmetscher verdienen im Durchschnitt rund 3.200 Euro brutto monatlich. Ihr Einstiegsgehalt liegt meist bei rund 2.500 Euro brutto. Die Höhe des Einkommens hängt neben der praktischen Erfahrung vor allem von Bildungsabschluss und Arbeitgeber ab. Im Öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft sind Monatsgehälter zwischen 4.000 und 5.000 Euro brutto realistisch. Übersetzungsunternehmen und Sprachdienstleister zahlen deutlich weniger. Auch können Dolmetscher ihr Gehalt mit einem Doktortitel erheblich steigern. Für promovierte Dolmetscher liegen Einkommen von mehr als 6.000 Euro brutto im Monat im Bereich des Möglichen.

Dolmetscher Gehalt Gericht

Deutsche Gerichte haben meist keine eigenen Sprachdienste. Beeidigte Dolmetscher helfen bei der Verständigung, wenn Angeklagte, Kläger oder Zeugen kein Deutsch sprechen. Ihr Honorar ist über das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) geregelt. Die Stundensätze liegen demnach bei 75 Euro für simultanes Dolmetschen und 70 Euro für zeitversetztes Dolmetschen.

Dolmetscher Gehalt Verdienst Einkommen Lohn

Dolmetscher Gehaltsvergleich

Dolmetscher werden

Dolmetscher haben in der Regel ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule absolviert. Allerdings sind die Studiengänge oft in verschiedenen Fachbereichen angesiedelt und nicht standardisiert. Anwärter sollten daher unbedingt vorab recherchieren, welche Universität welche Schwerpunkte setzt. Die Optionen reichen von technischen Schwerpunktsetzungen über kulturelle bis hin zu linguistischen oder IT-bezogenen Inhalten. So gibt es in Deutschland beispielsweise die Studiengänge Dolmetschen, Gebärdensprachdolmetschen, Konferenzdolmetschen oder Translation, manche davon als Bachelor-, Master, Vollzeit-, Teilzeit- oder berufsbegleitendes Studium.

Übrigens: Eine Sprache allein reicht in den seltensten Fällen aus, um ein Dolmetscherstudium erfolgreich abzuschließen. Üblicherweise sprechen Dolmetscher zwei bis drei Sprachen fließend. Auch die Spezialisierung auf einzelne inhaltliche Fachgebiete ist sinnvoll.

Studium Inhalte

Studiengänge im Bereich Dolmetschen haben im Allgemeinen diese Lerninhalte:

  • Sicherer Umgang mit den gewählten Arbeitssprachen
  • Methodisches und theoretisches Wissen zur zielgerichteten Übersetzung von Sprache und Text
  • Kenntnis der für das Übersetzen und Dolmetschen relevanten kulturellen Zusammenhänge und Besonderheiten
  • Kenntnis terminologischer und lexikografischer Arbeitsmittel und -methoden
  • Kenntnis aktueller professioneller Arbeitsmittel und Medien

Ausbildung Fachakademie

Eine Alternative zum Hochschulstudium ist das Studium an einer Fachakademie, an dessen Ende der Abschluss als „staatlich geprüfter Übersetzer und Dolmetscher“ oder als Bachelor of Arts steht. Das Studium dauert zwei bis drei Jahre und erfordert Abitur oder Fachabitur. Zur Auswahl stehen zum Beispiel diese Fachakademien:

  • Euro Akademie Bamberg
  • EURO Fachakademie Ingolstadt
  • Fremdspracheninstitut der Landeshauptstadt München
  • Europa-Berufsschule Weiden
  • Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA) bei der Universität Erlangen-Nürnberg
  • Institut für Fremdsprachenberufe (IFB) Kempten
  • SDI München
  • Würzburger Dolmetscherschule

Fachakademie Inhalte

In einer Fachakademie lernen die zukünftigen Dolmetscher unter anderem:

  • Allgemeine Sprachgrundlagen
  • Übersetzung in die Fremdsprache
  • Übersetzung aus der Fremdsprache
  • Mündliche Sprachbeherrschung und Gesprächsdolmetschen
  • Korrespondenz (zweisprachig)
  • Stegreifübersetzen
  • Landeskundlicher Aufsatz und Textproduktion
  • Einführung in die Technik des Dolmetschens
  • Verhandlungsdolmetschen
  • Vortragsdolmetschen
  • Simultandolmetschen
  • Wirtschaft

Dolmetscher Jobs

Viele Dolmetscher sind als Freiberufler tätig. Sie finden in diesen Tätigkeitsbereichen, Abteilungen und Arbeitgebern Aufträge und offene Stellen:

  • Übersetzungs- und Dolmetscherbüros
  • Große Arbeitgeber aller Branchen
  • Behörden
  • Bundeswehr
  • Polizei
  • Gerichte
  • Politische Organisationen
  • Radio und TV-Anstalten
  • Computerlinguistik
  • Dokumentation
  • Lektorat von Verlagen
  • Lexikografie
  • Medienauswertung
  • Technische Redaktion
  • Tourismus
  • Online-Dienste (Zoom)

Der Ritterschlag für Dolmetscher ist die Arbeit bei einer hochkarätigen politischen Institution wie dem Europaparlament. Hier sind auch Führungslaufbahnen denkbar. Andere Dolmetscher bevorzugen es, ihr eigener Chef zu sein und machen sich mit ihrer eigenen Agentur selbstständig.

Lesetipp: Welche Fremdsprachenkenntnisse sind heute wichtig?

Dolmetscher EU

Die EU ist ein bedeutender Arbeitgeber und ihre Organe wichtige Betätigungsfelder für Dolmetscher. So verfügen das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und der Gerichtshof der Europäischen Union jeweils über einen eigenen Dolmetschdienst. Hier arbeiten fest angestellte mit freiberuflichen Dolmetschern zusammen.

Das EU-Parlament zum Beispiel beschäftigt rund 275 fest angestellte Dolmetscher, hinzu kommen externe akkreditierte Dolmetscher, sogenannte AIC, die je nach Bedarf angefordert werden. Sie arbeiten in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union. Andere Sprachen werden ebenfalls benötigt. Die Staatsangehörigkeit spielt bei Freiberuflern keine Rolle.

Wer als freier Dolmetscher für die EU arbeiten möchte, benötigt einen Bachelor- oder Master-Abschluss in Konferenzdolmetschen und muss einen Online-Vorauswahltest sowie einen Akkreditierungstest bestehen, um in die gemeinsame Datenbank der EU aufgenommen zu werden. Es besteht prinzipiell sogar die Möglichkeit, sich als EU-Dolmetscher verbeamten zu lassen.

Lesetipp: Sollte ich meine Parteizugehörigkeit im Lebenslauf erwähnen?

Zukunft

Dolmetscher haben mittelmäßige Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Die Nachfrage ist überschaubar. Es gibt gegenläufige Trends, die eine Prognose über ihre Zukunftsaussichten schwer machen.

Globalisierung:

Auf der einen Seite nehmen die Chancen aufgrund der Globalisierung zu. Immer mehr Firmen unterhalten Geschäftspartnerschaften in Asien oder den USA. Internationale Konferenzen oder Tagungen machen Übersetzungsdienstleistungen notwendig, genauso wie Werksbegehungen oder Verhandlungen in anderen Ländern.

Migration:

Auch die globalen Migrationsbewegungen könnte man als Konjunkturprogramm für Dolmetscher bezeichnen. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland nach der Flüchtlingskrise 2015 sprunghaft angestiegen – von 7.480 im Jahr 2014 auf 8.843 im Jahr 2016. Dolmetscher müssen immer häufiger von Behörden, der Polizei oder Gerichten angefordert werden.

Künstliche Intelligenz:

Mittlerweile geht die Zahl der Dolmetscher aber wieder zurück – von ihrem Höchststand von 8.962 im Jahr 2017 auf 8.614 im Jahr 2019. Das größte Risiko für den Berufsstand ist wohl die künstliche Intelligenz, die in Form maschineller Übersetzung in die Branche eindringt. Sogenannte MÜ-Texte werden immer ausgefeilter und besser. Sollte sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen, könnten ernsthafte Probleme auf Dolmetscher und Übersetzer zukommen.

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