Jobprofil: Geigenbauer

Geigenbauer fertigen Streichinstrumente an. Sie bauen neue Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe aus Holz. Alte Instrumente reparieren oder restaurieren sie in Absprache mit ihren Kunden. Der Beruf hat eine lange Tradition, ist heute aber sehr selten geworden. In ganz Deutschland gibt es nur noch drei Schulen, die junge Musikinstrumentenbauer ausbilden.

Geigenbauer Beruf Profil Steckbrief Ausbildung

Geigenbauer Beruf

Auf den ersten Blick scheint der Geigenbauer ein Beruf zu sein, der aus der Zeit gefallen ist. Bei vielen erweckt der Gedanke an die Ausbildung die Assoziation an längst vergangene Zeiten, in denen Männer noch Perücke und Strumpfhosen trugen. Antonio Stradivari wusste im 17. Jahrhundert zum Beispiel ganz genau, wie man Hölzer zum Klingen bringen kann. Er ist wohl der bekannteste Vertreter seiner Zunft und gilt als der größte Geigenbauer aller Zeiten. Der Klang seiner Instrumente gilt als einzigartig.

Gut zuhören:

Doch auch heute noch fasziniert der Beruf viele. Denn die Popularität der Geige ist ungebrochen. Klassik, Jazz, Folk: Das Instrument ist in vielen unterschiedlichen Musikrichtungen zu hören. Nach wie vor unterrichten daher viele Musikschulen junge Nachwuchsgeiger. Die Nachfrage nach den Erzeugnissen eines Geigenbauers ist also durchaus vorhanden.

Instrumente anfertigen:

Der Beruf zählt zu den regulären Ausbildungsberufen im Handwerk. Wobei der Name etwas in die Irre führt. Geigenbauer sind nämlich für den Bau vieler Streichinstrumente verantwortlich, für Geigen, Bratschen, Celli oder Kontrabässe. Der Prozess ist langwierig und kann sich über mehrere Monate hinziehen.

Auf Holz klopfen:

Wer den Beruf ergreifen will, braucht neben viel Geschick auch ein sehr gutes Gehör. Denn in dem Job geht es um weit mehr als nur den mechanischen Zusammenbau von Instrumenten. Im ersten Schritt wählt der Geigenbauer das Holz für die Geige aus. Klopft er im unbearbeiteten Zustand gegen den Rohstoff, muss er sich bereits einen ersten Eindruck von dem späteren Klang des Instruments machen können. Sucht er das falsche Holz aus, klingt die Geige nicht, wie sie soll.

Prototypen bauen:

Mit Konzentration und dem richtigen Werkzeug macht er sich dann an die Arbeit. In sehr exklusiven Bereichen fertigen Geigenbauer Einzelstücke für vermögende Kunden an. Sie machen eine Skizze und erstellen einen Prototypen, indem sie die Instrumententeile aussägen: Böden, Decken, Schnecken, Hälse.

Holz schnitzen:

An diesen Instrumenten ist alles handgeschnitzt. Die Schnecke des Instruments zum Beispiel, die die Saiten hält oder die F-Löcher im Corpus. Bei seiner Arbeit muss der Geigenbauer das oftmals nur wenige Millimeter dünne Holz mit größter Sorgfalt behandeln. Auch der richtigen Mischung für die Lackierung widmet er höchste Aufmerksamkeit. Sie prägt den Klang des Instruments nämlich entscheidend mit.

Geigen reparieren:

Nicht nur beim Bau – auch wenn es um die Reparatur oder Restauration alter Instrumente geht, sind Geigenbauer die richtigen Ansprechpartner. Sie finden in kleinen Werkstätten eine Anstellung. Auch in Betrieben, die sich auf die Massenproduktion von Instrumenten spezialisiert haben, sind sie gefragt. Hier besteht der Arbeitsalltag weniger aus Handarbeit. Stattdessen kommen Maschinen zur Fertigung einer Geige zum Einsatz.

Nische finden:

Die Work-Life-Balance ist von Fall zu Fall und von Anstellung zu Anstellung höchst verschieden. Die Berufsaussichten auf dem Arbeitsmarkt sind überschaubar. Auch wenn der Beruf nicht vom Aussterben bedroht ist – zu den Boomberufen gehört er ganz sicher nicht.

Fähigkeiten

Welche Fähigkeiten und Talente sollte ein Geigenbauer besitzen? Diese sollten in der Bewerbung zur Sprache kommen:

  • Freude am Umgang mit Holz
  • Musikalität
  • Ein gutes Gehör
  • Spielen eines Instruments 
  • Handwerkliches Geschick
  • Sorgfalt
  • Auge fürs Detail
  • Geduld
  • Kundenorientierung

Geigenbauer Gehalt

Das Gehalt eines Geigenbauers hängt stark von Standort, Berufserfahrung, Können, Referenzen, Klientel und Auftragslage ab. Unter normalen Umständen können sie mit 2.000 bis 2.500 Euro brutto im Monat rechnen. Die Einstiegsgehälter liegen zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Mit steigender Berufserfahrung sind Gehälter von bis zu 3.200 Euro möglich. Azubis verdienen zwischen 560 und 935 Euro brutto monatlich.

Geigenbauer Gehalt Einkommen Lohn Verdienst

Geigenbauer Gehaltsvergleich

Geigenbauer werden

Drei Jahre dauert die duale Lehre zum Geigenbauer. Sie endet mit einer Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Eine Alternative ist die Ausbildung an einer staatlichen Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau. Die Inhalte von Lehre und Schulausbildung sind vergleichbar. Die Anforderungen, um bei der Schule aufgenommen zu werden, sind jedoch ungleich härter. Hier reicht es nicht aus, Bewerbungsunterlagen zu versenden und ein Jobinterview zu absolvieren.

Bewerbung:

Bewerber müssen nachweisen, dass sie mindestens zwei Jahre lang regelmäßig Unterricht auf einem Streichinstrument genommen haben. Sie müssen eine Geigenschnecke in zwei Ansichten zeichnen können und eine ärztliche Bescheinigung über ein perfektes Sehvermögen und Gehör mitbringen. Bei der Eignungsprüfung gilt es, ein Musikstück vorzuspielen und die Unterschiede im Klang verschiedener Hölzer heraushören. Auf dem Lehrplan stehen später neben dem Bau von Instrumenten die Fächer Physik und Akustik, Lackzubereitung, Musiktheorie und Instrumentalunterricht.

Schulen:

In Deutschland gibt es insgesamt nur drei Schulen, die im Musikinstrumentenmacher-Handwerk ausbilden. Dazu zählen die Staatliche Musikinstrumentenbauschule Mittenwald in Bayern, die Berufs- und Berufsfachschule Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Sachsen sowie die Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg.

Ausbildung Gehalt

Das verdienen Geigenbauer in der Ausbildung – je nach Bundesland:

  • 1. Ausbildungsjahr: 560 bis 710 Euro brutto im Monat
  • 2. Ausbildungsjahr: 700 bis 790 Euro
  • 3. Ausbildungsjahr: 800 bis 935 Euro

Geigenbauer Jobs

Geigenbauer finden eine Anstellung in Betrieben des Geigenbauer-Handwerks. Dabei kann es sich um kleinere Geschäfte handeln, die privat geführt werden, oder um größere Fertigungsbetriebe. Auch finden sie Beschäftigung in Reparatur- und Restaurierungswerkstätten. Bisweilen gibt es offene Stellen für Geigenbauer in Musikfachgeschäften und Museen.

Es gibt in Deutschland allerdings nur wenige Fachbetriebe, die Ausbildungsstellen für angehende Geigenbauer anbieten. Die Aussichten, einen Job zu ergattern, sind dementsprechend gering. Wer sich ernsthaft für den Beruf interessiert, sollte sich auf eine möglicherweise längere Phase der Jobsuche einstellen.

Weiterbildung

In der dreijährigen Ausbildung lernen angehende Geigenbauer alles, was sie für den Beruf brauchen. Das beginnt mit Fertigungstechniken und endet mit der Materialberechnung. Wer die Lehre erfolgreich absolviert hat und sich nun fragt, wie es weitergeht, hat die folgenden Möglichkeiten:

  1. Prüfung zum Geigenbaumeister: Geigenbaumeister verfügen nicht nur über ein vertieftes Fachwissen. Sie wissen auch, wie sie einen Betrieb aufbauen und führen und können Lehrlinge ausbilden.
  2. Selbstständigkeit: In vielen Handwerksberufen ist der Meisterbrief die Voraussetzung, um einen eigenen Betrieb zu eröffnen. Dies gilt aber nicht in der Zunft der Geigenbauer. Sie können sich auch so selbstständig machen.

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[Bildnachweis: marino bocelli by Shutterstock.com]

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