Jobprofil: Chemiker

Chemiker sind Naturwissenschaftler, die sich mit Themen der Chemie befassen. Sie untersuchen Stoffe, führen Experimente durch und entwickeln chemische Erzeugnisse. Chemiker ist ein akademischer Beruf. Bachelor-, Master- und Lehramtsstudiengänge gibt es in großer Zahl in ganz Deutschland. Beschäftigung finden sie als Wissenschaftler in Hochschulen und Forschungseinrichtungen, als Chemie-Lehrer an Schulen oder in der Privatwirtschaft, zum Beispiel in der Chemie-, Kunststoff- und Pharmaindustrie, Bio-, Agro und Petrochemie.

Chemiker Beruf Profil Steckbrief Studium

Chemiker Beruf

Chemiker gehen den Verbindungen von organischen oder anorganischen Stoffen in den verschiedensten Bereichen der Wirtschaft oder Forschung ganz genau auf den Grund. Sie erforschen und analysieren deren Zusammensetzung, Eigenschaften und Strukturen.

Wirkstoffe erforschen:

In großen Forschungseinrichtungen tüfteln sie zum Beispiel für die Pharmaindustrie an neuen Wirkstoffen. Chemiker erforschen und entwickeln Kunststoffe für die Automobilindustrie, Leichtmetalle für den Flugzeugbau, neue Werkstoffe für die Baubranche, Elemente für die Elektronik, Lebensmittelfarbstoffe für die Nahrungsmittelindustrie.

Kosmetika entwickeln:

Auch für die chemische Industrie sind die Experten unentbehrlich. Insgesamt stellt die Chemische Industrie über 30.000 unterschiedliche Stoffe her, darunter Kosmetika und Waschmittel, Lacke und Farben, Klebe- und Dämmstoffe, Blumendünger oder Feuerwerkskörper. Die Bandbreite an Beschäftigungsmöglichkeiten ist riesig. Der Arbeitsalltag eines Chemikers hängt daher stark von seiner Branche, Position, Aufgabenbereich und Arbeitgeber ab.

Im Labor arbeiten:

Ein großer Teil der Arbeit spielt sich meist im Labor ab. Hier wird geforscht, analysiert und experimentiert. Chemiker können versiert mit technischen Apparaturen und Laborgeräte wie Mikroskopen, Spektrometern, Densimetern, Chromatographen, Destillatoren, Zentrifugen, Mischern, Röhrchen, Kolben und Bechergläser umgehen.

Im Büro arbeiten:

Aber nicht jeder Chemiker trägt ständig Kittel und Einmalhandschuhe. Manche überwachen chemische Produktionsanlagen in der Industrie, andere andere arbeiten als Dozent, Patentanwalt oder Consultant.

Führungsverantwortung übernehmen:

Und die Work-Life-Balance? In der Regel bekleiden Chemiker Positionen mit einer hohen Verantwortung, oft sind sie Teamleiter oder Projektleiter. Das bringt es mit sich, dass regelmäßig Überstunden anfallen, etwa, wenn die Neuentwicklung eines Produkts in die kritische Phase geht. Dann gilt es, das Projekt an vorderster Stelle zu betreuen und jederzeit den Überblick zu wahren. Insofern sind Chemiker in solchen Phasen die ersten, die morgens kommen und die letzten, die abends gehen.

Chemiker Aufgaben

Die Aufgaben und Tätigkeiten eines Chemikers im Arbeitsalltag hängen von seinem Beruf, Arbeitgeber und Verantwortungsbereich ab. Doch gibt es Fähigkeiten, die jeder Chemiker in seiner Ausbildung erwirbt und auf die er Tag für Tag in seiner Arbeit zurückgreift:

  • Physikalisch-chemische und rein chemische Laboruntersuchungen und Versuchsreihen vorbereiten und durchführen
  • Chemisch-technische Anlagen und Apparaturen bedienen und steuern
  • Reaktionsprozesse analysieren
  • Apparaturen und Laborgeräte installieren, pflegen und reinigen
  • Arbeitsstoffe, die durch chemische und physikalische Methoden vereinigt, getrennt oder gereinigt wurden, richtig einlagern und bereitstellen
  • Berechnungen, Auswertungen und Dokumentationen durchführen
  • Versuchsprotokolle führen
  • Chemische Laborarbeiten wie destillieren, fällen, filtrieren, kuppeln, kristallisieren, nitrieren, sulfieren oder verseifen ausführen
  • Proben fachgerecht entnehmen, analytisch aufbereiten und auswerten
  • Mit chemischen Analysemethoden Eigenschaften von Fertig- oder Endprodukten untersuchen
  • Messwerte ablesen

Fähigkeiten

Chemiker sollten ein ausgeprägtes Interesse für Naturwissenschaften im Allgemeinen und für die Chemie im Speziellen haben. Sie müssen Untersuchungen durchführen und mit Laborgeräten umgehen können. Gute Schulnoten in Chemie, Mathe und bestenfalls auch Englisch werten ihre Bewerbung auf. Darüber hinaus sind folgende Fähigkeiten, Stärken und Soft Skills hilfreich, um als Chemiker Karriere zu machen:

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Berühmte Chemiker

Einige der wichtigsten Unternehmen der Welt sind nach Chemikern benannt. Die Namen anderer Chemiker leben in den nach ihnen benannten Erfindungen, Verfahren oder Auszeichnungen weiter. Hier sind einige der berühmtesten Chemiker der Geschichte:

  • Linus Pauling (1901-1994, USA)
  • Otto Hahn (1879-1968, Deutschland)
  • Marie Curie (1867-1934, Polen/Frankreich)
  • Paul Ehrlich (1854-1915, Deutschland)
  • Dmitri Mendelejew (1834–1907, Russland)
  • Alfred Nobel (1833-1896, Schweden)
  • Louis Pasteur (1822-1895, Frankreich)
  • Robert Bunsen (1811-1899, Deutschland)
  • Justus von Liebig (1803-1873, Deutschland)
  • Michael Faraday (1791-1867, England)
  • Adolf von Baeyer (1835-1917, Deutschland)
  • Albert Boehringer (1861-1939, Deutschland)
  • Carl Bosch (1874-1940, Deutschland)
  • John Dalton (1766-1844, England)
  • Charles Goodyear (1800-1860, USA)
  • Fritz Haber (1868-1934, Deutschland)
  • Jacobus Henricus van’t Hoff (1852-1911, Niederlande)
  • Karl Pfizer (1824-1906, Deutschland/USA)
  • Karl Ziegler (1898-1973, Deutschland)

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Chemiker Gehalt

Das Gehalt von Chemikern hängt maßgeblich von Beruf und Position, Berufserfahrung und Qualifikation, Arbeitgeber, Branche und Standort ab. Die Einkommen schwanken daher extrem stark und bewegen sich im Bereich zwischen 38.000 Euro und 120.000 Euro brutto jährlich. Chemiker in einer Führungsposition können mit hohen Gehältern rechnen, auch ein Doktortitel zahlt sich in der Regel aus.

Chemiker Gehalt BASF

Das Durchschnittsgehalt von Chemikern bei BASF beträgt nach Kununu-Angaben 78.200 Euro brutto im Jahr. Die Gehaltsspanne liegt zwischen 37.600 und 119.800 Euro.

Chemiker Gehalt Bayer

Das Durchschnittsgehalt von Chemikern bei Bayer beträgt nach Kununu-Angaben 66.400 Euro brutto im Jahr. Die Gehaltsspanne liegt zwischen 37.500 und 108.000 Euro.

Chemiker Gehalt Evonik

Das Durchschnittsgehalt von Chemikern bei Evonik beträgt nach Kununu-Angaben 68.700 Euro brutto im Jahr. Die Gehaltsspanne liegt zwischen 37.600 und 119.800 Euro.

Chemiker Gehalt Einkommen Verdienst Lohn

Chemiker Gehaltsvergleich

Chemiker werden

Chemiker ist, wer ein Studium der Chemie erfolgreich abschließt. Das Fach gehört zu den klassischen Naturwissenschaften und ist daher sehr verbreitet. Allein in Deutschland können angehende Chemiker an über 100 Hochschulen studieren.

Das Angebot an Studienmöglichkeiten hat sich in den vergangenen Jahren stark erweitert. Früher war das Studium der Chemie fast ausschließlich an Universitäten möglich. Inzwischen ist das Angebot an Studiengängen auch an Fachhochschulen kontinuierlich ausgebaut worden.

Chemie Studium

Das Studium der Chemie kann man als Lehramtsstudium studieren und mit Staatsexamen abschließen oder als Bachelor-Studium absolvieren. Die Regelstudienzeit für den Bachelor liegt zwischen sechs und sieben Semestern. Manche Studiengänge sind zulassungsbeschränkt, andere zulassungsfrei. Für das Master-Studium in Chemie müssen noch einmal drei bis vier Semester eingeplant werden.

Wer eine klassische Chemiker-Karriere in der Forschung und Entwicklung eines chemischen oder pharmazeutischen Unternehmens oder einer Forschungseinrichtung anstrebt, sollte bzw. muss über eine Promotion nachdenken. Sie dauert meist um die vier Jahre. Fast 90 Prozent aller Master-Absolventen in Chemie promovieren.

Chemie Studium Inhalte

Das klassische Chemiestudium ist eher generalistisch angelegt und umfasst die Fächer Allgemeine Chemie, Physikalische Chemie, Anorganische Chemie, Organische Chemie, Experimentalphysik und Mathematik.

Als Alternative zum reinen Chemie-Studium gibt es auch Studiengänge, die sich auf einen speziellen Anwendungsbereich der Chemie wie etwa Biochemie, Chemietechnik, Wirtschaftschemie, Lebensmittelchemie, Umweltchemie oder Technische Chemie beziehen. Wer bereits vor dem Studium genau weiß, in welchem Bereich er einmal arbeiten möchte, kann sich gezielt eines dieser Angebote aussuchen. Hier wird wichtiges Spezialwissen für die einzelnen Fachbereiche vermittelt.

Chemie Fachrichtungen

Die Chemie ist extrem vielfältig und in zahlreiche Fachgebiete unterteilt. Eine Spezialisierung ist für Chemiker möglich – und manchmal notwendig. Prinzipiell lässt sich das Fach in die organische, die anorganische und die physikalische Chemie unterteilen. Jede Richtung beinhaltet wiederum zahlreiche Untergebiete. Auch gibt es spezielle Fachgebiete, die sich nur schwer einordnen lassen.

Die wichtigsten Fachgebiete und Teilbereiche der Chemie sind:

  • Allgemeine Chemie
  • Anorganische Chemie
  • Organische Chemie
  • Physikalische Chemie
  • Biochemie
  • Theoretische Chemie
  • Analytische Chemie
  • Technische Chemie

Lesetipp: Was soll ich studieren?

Chemiker Jobs

Chemiker finden in verschiedensten Branchen und Bereichen Arbeit:

  • Forschungseinrichtungen
  • Pharmaindustrie
  • Chemische Industrie
  • Biochemie und Agrochemie
  • Kunststoffindustrie
  • Kosmetikindustrie
  • Farbstoffindustrie
  • Klebe- und Dämmstoffhersteller
  • Gartenindustrie
  • Automobilindustrie
  • Flugzeugbau
  • Baubranche
  • Elektroindustrie
  • Gesundheitswesen/Kliniken
  • Patentanwaltskanzleien
  • Software-Entwickler
  • Beratungsunternehmen
  • Öffentlicher Dienst (Schulwesen)

Arbeitgeber

Einige der größten und wichtigsten Unternehmen der chemischen Industrie in Deutschland sind:

Karriere

Viele Chemiker streben eine wissenschaftliche Laufbahn in der Uni oder einer Forschungseinrichtung ein. Aber auch in der Privatwirtschaft haben sie gute Chancen, zum Beispiel in einer Managementposition Fuß zu fassen.

Grundsäzlich macht es oftmals Sinn, sich auf einen Fachbereich zu spezialisieren oder sich entsprechend weiterzubilden, zum Beispiel in zukunftsträchtigen Feldern wie Biochemie, Biotechnologie, Chemietechnik, Lebensmitteltechnik, Pharmakologie oder Umwelttechnik.

Wer eine Führungsposition anstrebt, kann sich mit einschlägigen Managementaufgaben vertraut machen und sich etwa mit den Bereichen Personalführung und Betriebswirtschaft auseinandersetzen. Damit haben Chemiker das nötige Rüstzeug, Stufe für Stufe auf der Karriereleiter zu erklimmen.

Zukunft

Die Zukunftschancen für Chemiker sind sehr gut. Chemische Produkte werden in unserem Alltag weiterhin eine enorme Rolle spielen. Der Forschungs- und Entwicklungsbedarf ist gigantisch – in den verschiedensten Industriezweigen.

Arbeitsmarkt:

Zudem sinkt die Zahl der Studienanfänger seit einigen Jahren. Im Jahr 2019 begannen nach Angaben der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) exakt 9.422 Menschen in Deutschland ein Chemiestudium – zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Absolventen ist rückläufig. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist für Berufseinsteiger also überschaubar.

Anforderungen:

Der Beruf stellt allerdings hohe Anforderungen. Bis zur Promotion benötigen die meisten Chemiestudenten bis zu 20 Semester und damit geschlagene zehn Jahre. Und ohne Promotion ist es oft schwer bis unmöglich, Karriere als Chemiker zu machen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, blickt in eine chancenreiche Zukunft.

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