Keine Antwort auf Bewerbung: Was Sie jetzt tun sollten

Keine Antwort auf Bewerbung erhalten – das ist mehr als nur unhöflich. Bewerber wollen wissen, wie es um Ihre Chancen steht oder ob der Zug schon lange ohne sie abgefahren ist. Böse Absicht steckt nicht dahinter, wenn das Unternehmen Sie im Unklaren lässt. Zeitnot und Personalmangel schon eher. Die meisten Personalbüros haben auch gar nichts dagegen, wenn Sie sich nach dem Status Ihrer Bewerbung erkundigen. Vorausgesetzt, Sie beachten ein paar Spielregeln…

Keine Antwort auf Bewerbung

Keine Antwort auf Bewerbung: Höchststrafe!

Die meisten Unternehmen brauchen drei bis sechs Wochen, um alle Bewerbungen zu sichten und zu sondieren. Die meisten werden aussortiert, andere landen auf dem „Weiter“-Stapel.

Nun darf man es durchaus als Konsens betrachten, dass nicht jeder Bewerber und nicht jede Bewerberin eine Zusage verdient hat – eine Absage indes schon. Eine (förmliche) Absage ist das Mindeste, was ein Bewerber vom Nicht-Arbeitgeber in spé erwarten kann.

Aber nein, selbstverständlich ist auch das keineswegs. Viele Unternehmen machen sich die Mühe nicht, Bewerbungsabsagen zu versenden – geschweige denn einen Zwischenstand oder eine Eingangserklärung.

Es kommt einfach keine Reaktion, null, niente, gar nichts. Die Bewerber fischen im Trüben, wissen nicht, wie es um ihre Chancen steht. Das ist hochgradig ärgerlich und frustrierend – und ehrlich gesagt eine Unverschämtheit. Es ist in einem Wort: respektlos.




Keine Antwort auf Bewerbung: Woran es liegt

Aus Arbeitgebersicht gibt es sehr gute Gründe, KEINE Absagen zu verschicken. Sie…

  • verursachen Aufwand
  • nehmen Zeit in Anspruch
  • kosten Geld

Natürlich können auch andere, organisatorische Gründe dahinterstecken – zum Beispiel eine zu dünne Personaldecke. Oft liegt es am Bewerber selbst, den man gewissermaßen als keiner Antwort würdig erachtet. Wenn er oder sie zum Beispiel unvollständige Bewerbungsunterlagen eingereicht, die Bewerbungsfrist nicht eingehalten oder einen falschen Betreff gewählt hat. Oder wenn der Bewerber eine völlig unzureichende Qualifikation für die ausgeschriebene Stelle aufweist.

Letzteres ist in der Tat leidig. Eine Entschuldigung dafür, nicht einmal eine Absage zu verschicken, ist es aber nicht. Ein Unternehmen sollte keinen Bewerber ignorieren – wie surreal oder unprofessionell sein Auftritt auch gewesen sein mag. Eine kurze, förmliche Absage kann jeder erwarten. Wer eine freie Stelle hat und aktiv nach Neuzugängen sucht, muss schließlich damit rechnen, auch unpassende Angebote zu erhalten (das gilt für Initiativbewerbungen genauso).

Das sollten Arbeitgeber wahlweise verschicken:

  • Eine kurze Mail, die den Eingang der Bewerbung bestätigt.
  • Eine Mail, die über den Zwischenstand informiert (erst recht bei mehrstufigen Bewerbungsverfahren).
  • Eine freundliche Absage oder die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Keine Antwort auf Bewerbung: Was können Bewerber tun?

Die Antwort ist naheliegend: Nachfragen. Aber wann und wie sollte ein Bewerber das tun? Der Grat ist schmal zwischen berechtigtem Interesse und Penetranz. Das erfordert von Ihnen Fingerspitzengefühl. Schließlich wollen Sie ja nicht verzweifelt wirken, als jemand, der nur diese eine Joboption hat, weil ihn mutmaßlich kein anderer Arbeitgeber einstellen will. Nicht umsonst gibt es ja die Redewendung: „Willst du gelten, mach dich selten.“

Auf der anderen Seite wollen Sie natürlich wissen, wie es um Ihre Bewerbung steht. Sie wollen Planungssicherheit. Und außerdem müssen Sie dem Arbeitgeber ja seine Ignoranz auch nicht einfach so durchgehen lassen. Wer sich als Bewerber nicht mehr meldet, belohnt das Unternehmen geradezu für seine schlechten Manieren – indem er ihm Arbeit erspart.

In Wahrheit können sich die meisten Personalbüros über zu wenig Arbeit nicht beklagen. Wenn Sie also wutentbrannt anrufen und sich lautstark echauffieren, wird das am Ende nur dazu führen, dass Sie in der Mittagspause des Personalers fortan der Running Gag sind. Üben Sie nicht zu früh zu viel Druck aus, sondern versuchen Sie es mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit und Empathie.

Nachhaken? Auch Personaler finden es okay!

Keine Antwort auf Bewerbung Das sagen PersonalerSollen Sie nachhaken, wenn Sie keine Antwort auf Ihre Bewerbung erhalten haben? Ja, gerne! Das finden sogar die Personaler selbst. Und wenn es nach ihnen geht, müssen Sie auch gar nicht so lange warten.

Zwar haben nur sechs Prozent der Befragten laut Umfrage der Personalberatung Robert Half Verständnis dafür, wenn Sie schon drei Tage nach Ihrer Bewerbung durchklingeln. Mehr als jeder Vierte aber hält eine Wartezeit von sechs bis sieben Tagen für angemessen. Nur sechs Prozent finden, dass Bewerber überhaupt keinen Kontakt mehr aufnehmen sollten.

Dabei gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto früher können Sie sich melden. In größeren Firmen ist das Bewerberangebot in der Regel deutlich größer. Das erhöht den Aufwand – und die Abneigung gegen allzu frühe Kontaktaufnahmen.

5 Tipps: So fragen Bewerber richtig nach

  1. Bewerbungsunterlagen

    Die Selbstverständlichkeit zuerst: Achten Sie darauf, dass Ihre Bewerbung Hand und Fuß hat. Sie sollte vollständig und korrekt sein, die richtige Betreffzeile, Kennziffer, Adresse und Ansprechpartner aufweisen. Und sie muss vor Ende der Bewerbungsfrist abgeschickt worden sein. In einem Satz: Vermeiden Sie formale Fehler. Das vergrößert schon mal die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wieder etwas vom Unternehmen hören werden…

  2. Timing

    Nicht nur die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam – auch die vieler Unternehmen. Ein Bewerbungsverfahren zu stemmen ist für die meisten jedenfalls kein Klacks. Geben Sie dem Unternehmen daher ausreichend Zeit, um alle Bewerbungen zu sichten und zu sortieren. Zwei bis drei Wochen sollten Sie mindestens warten, bis sie wieder von sich hören lassen. Als Richtwert können Sie sich auch 15 Werktage merken. Sofern Ferien dazwischen liegen, können Sie die Wartezeit auch noch weiter verlängern -schließlich machen auch Personaler Urlaub. Und nicht jede HR-Abteilung verfügt über personellen Ersatz.

  3. Kanal

    Sehen Sie bitte davon ab, den HR-Verantwortlichen per Whatsapp oder SMS zu kontaktieren. Das ist indiskret und fast schon creepy. Es handelt sich nicht um angemessene Kommunikationskanäle zwischen HR-Büro und Bewerber. Noch schlimmer wäre es, ihn oder sie via Twitter oder Facebook nach einem Zwischenstand zu fragen. So verlagern Sie das Geschehen in die Öffentlichkeit – das ist Tabu! Und Ihre Chancen auf Einstellung dürften dadurch nicht gerade steigen. Eine private Nachricht über Xing oder Linkedin wäre dagegen völlig in Ordnung. Die beste Alternative ist es, eine kurze E-Mail zu schreiben oder persönlich anzurufen – je nachdem, ob Sie mehr der Redner oder mehr der Schreiber sind. Denn manchmal kommen geschriebene Worte nicht so freundlich rüber, wie sie eigentlich gemeint waren. Wenn Ihnen das auch häufiger passiert, rufen Sie lieber an…

  4. Höflichkeit

    Der direkte Weg hat einen Vorteil: Er spart Zeit. Ein kurzer Satz, in dem Sie nach dem Stand Ihrer Bewerbung fragen, sollte daher doch eigentlich ausreichen, oder? Nein, ganz falsch! Unterschätzen Sie die Macht des Freiherrn von Knigge nicht. Achten Sie stets darauf, höflich und charmant zu bleiben. „Hallo Herr Schneider, können Sie mir zu meiner Bewerbung schon etwas sagen? Viele Grüße“. Ist das höflich? Auf den ersten Blick durchaus, aber ein wenig nonchalant ist es trotzdem. Zu direkt, zu schnell, zu wenig. Natürlich sollen Sie dem Personalverantwortlichen keine Zeit klauen, indem Sie ihm einen halben Roman vorsetzen. Aber ein, zwei einleitende Sätze dürfen es schon sein, mit denen Sie Ihre Mail beginnen. Zum Beispiel: „Sehr geehrter Herr Schneider, vor vier Wochen hatte ich mich bei Ihnen als Buchhalter beworben. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal für das angenehme Gespräch. Nun würde ich Sie gerne kurz nach einem Zwischenstand fragen. Gibt es einen aktuellen Status meiner Bewerbung?“ So ähnlich können Sie das auch formulieren, wenn Sie Herrn Schneider anrufen. Also: Nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen, sondern ausholen – zumindest ein wenig…

  5. Optionen

    Verzweiflung ist ein Signal, das niemand aussenden sollte. Das gilt für den Heiratsmarkt genauso wie für den Jobmarkt. Drängeln Sie zu penetrant, wecken Sie Misstrauen auf der anderen Seite. Was ist mit dem los? Will den sonst etwa keiner? Auf der anderen Seite wirkt es anmaßend, arrogant und leidenschaftslos, wenn Sie mit Angeboten wedeln. Nach dem Motto: „Ich habe ein halbes Dutzend Vertragsangebote auf dem Tisch, also beeilen Sie sich mal!“ Das kann zudem erpresserisch wirken. Diesen Spagat auszubalancieren ist zugegebenermaßen schwierig. Wenn Sie es hinkriegen, andere Optionen dezent einfließen zu lassen, aber gleichzeitig zeigen, dass Sie weiterhin extrem an der Stelle interessiert sind, könnte Ihnen das Vorteile bringen. Motto: „Ich würde unheimlich gerne für Ihr Unternehmen arbeiten, aber gerate allmählich unter Zeitdruck. Ein kurzes Feedback Ihrerseits würde meine Planungen da schon enorm erleichtern…“

Keine Antwort auf Bewerbung: Dranbleiben!

Das ist der wohl wichtigste Ratschlag für alle, die keine Antwort auf ihre Bewerbung erhalten. Halten Sie unbedingt weiter nach attraktiven Jobs Ausschau! alles andere wäre naiv. Auch dann, wenn das Vorstellungsgespräch gut gelaufen ist und Sie weiterhin ein gutes Gefühl haben.

Wer aktiv weitersucht, behält das Heft des Handelns in der Hand und erhöht seine Jobchancen. Darum: Weitermachen!

Nachfassen: 6 Tipps fürs Telefonat

Keine Antwort auf Bewerbung 6 TippsDas Nachfass-Telefonat kann in die Hose gehen – wenn Sie allzu fordernd oder dreist auftreten. Mit diesen 6 Tipps behalten Sie die Kontrolle:

  1. Legen Sie sich die Stellenanzeige zurecht – oder öffnen Sie sie in Browser – damit Sie die wichtigsten Infos vorliegen haben.
  2. Überlegen Sie sich ein, zwei einleitende Sätze, die Sie nach Ihrer Vorstellung sagen.
  3. Reden Sie Ihren Gesprächspartner mit Namen an.
  4. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem Sie ungestört sind – und an dem kein lautes Gekicher oder Gehämmer im Hintergrund zu hören ist.
  5. Bleiben Sie freundlich, auch wenn Ihr Gesprächspartner gerade keine Zeit für Sie hat und fragen Sie, wann es ihm besser passen würde.
  6. Bedanken Sie sich zum Schluss noch einmal und verabschieden sich höflich – am besten, Sie nennen dabei noch einmal den Namen Ihres Ansprechpartners.
[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]

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