Anschreiben: Aufbau, Inhalt, Tipps

Am Anschreiben beißen sich viele Bewerber die Zähne aus. Nicht jedem liegt es, schriftlich darzulegen, warum man der beste Bewerber für die ausgeschriebene Stelle ist. Doch wer das kann, hat gute Chancen, das Interesse des Personalers zu wecken – und in die nächste Runde zu kommen. Wie sieht ein gutes Anschreiben aus? Worauf muss ein Bewerber achten? Wir zeigen es Ihnen…

Anschreiben: Die Formalitäten

Sicher, es ist der Inhalt Ihres Anschreibens, der darüber bestimmt, ob Sie das Interesse des Personalers wecken oder nicht. Welche Aussagen Sie einbauen, wie Sie sich ausdrücken, welche Schwerpunkte Sie setzen. Aber: Wenn Ihnen ein schlimmer Formfehler unterläuft, könnte das all Ihre Bemühungen auf einen Schlag zunichte machen.

Achten Sie darum auf die Formalien, auf inoffizielle Vorschriften und Normen. Sie sind das Fundament, auf das Sie dann Ihren (hoffentlich) überzeugenden Inhalt setzen.

Und versetzen Sie sich einmal in die Perspektive des HR-Verantwortlichen. Er muss ständig neue Bewerbungen sichten, vergleichen, bearbeiten. Je einfacher und übersichtlicher, desto besser für ihn. Wenn Sie ihm als Bewerber diese Arbeit ein Stück weit erleichtern, wird das jedenfalls nicht zu Ihrem Schaden sein.

Diese Grundregeln sollten Sie beachten:

  • Länge

    Als Berufsanfänger schreiben Sie bitte nicht mehr als eine Seite. Ein zweiseitiges Anschreiben liegt bei älteren Arbeitnehmern im Rahmen des Erwünschten. Am besten aber, Sie halten sich so kurz und präzise wie möglich. Kein Personaler hat Lust, sich Romane durchzulesen.

  • Schrift

    Auch hier auf Lesbarkeit achten. Verzichten Sie daher auf ausgefallene Schnörkelschriften und greifen auf bewährte Schriftarten Helvetica, Verdana, Times oder Georgia zurück.

  • Schriftgröße

    Sie können sich die 11-13-15-Regel merken. In 11-Punkt der Fließtext, in 13-Punkt Datum, Adresse und Zwischenüberschriften, gerne auch gefettet. In 15-Punkt ausschließlich Ihren Namen im Kopf jeder Seite. Ihr Name soll schließlich herausstechen und im Gedächtnis des Empfängers klebenbleiben. Erklärung für die krummen Größen: 12-Punkt ist bei Word die Standardeinstellung. Die meisten Konkurrenten dürften daher 12-14-16-Schriftgrößen verwenden. Mit krummen Größen heben Sie sich von ihnen ab.

  • Papier

    DIN A4 ist Standard. Aber besser, Sie verwenden kein einfaches Kopierpapier, sondern hochwertiges. Bitte darauf achten, keine Flecken, Knicke oder Eselsohren zu hinterlassen. Und: Der Druck sollte scharf und nicht verwischt sein – am besten mit Laserdruck.

  • Form

    Auf allen Seiten sollten Einzüge, Linien und Abstände einheitlich sein. Sonst wirkt Ihre ganze Bewerbung unprofessoniell. Als Zeilenabstand ist ein eineinhalbzeiliger zu empfehlen – er wirkt angenehm luftig.

  • Hauptsätze

    Versuchen Sie nicht, den Personaler durch ausgeklügelten Satzbau zu beeindrucken. Hauptsätze sind leicht zu lesen und zu erfassen – Zeitvorteil für den Empfänger! Auf Schachtel- und Relativsätze, die über mehrere Zeilen gehen, sollten Sie nach Möglichkeit verzichten. Außerdem von Substantiven mit den Endungen -ung, -heit und -keit absehen. Besser durch die entsprechenden Verben ersetzen – die lesen sich deutlich flüssiger.

  • Individualität

    Wichtig: Jede Bewerbung sollte einzigartig sein. Personaler wittern eine Massenbewerbung 100 Meter gegen den Wind. Machen Sie sich die Mühe und schreiben jede Bewerbung neu (die Übernahme von einzelnen Textbausteinen ist natürlich völlig ok) — es lohnt sich.




Anschreiben: Der Start

Ihr Anschreiben beginnt wohlgemerkt nicht mit dem Einstiegssatz. Es beginnt damit, dass Sie die Stellenanzeige aufmerksam lesen und verstehen. Bevor Sie sich ans Laptop setzen, sollten Sie sich diese Fragen stellen:

  • Um welche Art von Unternehmen handelt es sich – auch in Bezug auf die Kultur?
  • Welche Aufgaben kommen auf den Bewerber konkret im Unternehmen zu?
  • Welche Fähigkeiten muss der Bewerber unbedingt mitbringen?
  • Und welche könnten darüber hinaus von Nutzen sein?
  • Was ist dem Unternehmen besonders wichtig?

Die Antworten sollten Sie vorab aus der Stellenanzeige herausfiltern. Beispielhaft haben wir uns eine fiktive Stellenanzeige eines Unternehmens überlegt…

Stellenanzeige der kaffeemaschinenherstellers.de

Wir sind Teil eines internationalen Konzerns mit mehr als 15.000 Mitarbeitern und Marktführer im Vertrieb von Kaffeemaschinen über den deutschen und internationalen Einzelhandel. Für den Bereich Auftragsabwicklung suchen wir aufgrund unseres starken Wachstums schnellstmöglich eine/n

Teamleiter/in Auftragsabwicklung

Zu Ihren Aufgaben zählen:
Auftragserfassung/Fakturierung der eingehenden Aufträge
Bearbeitung des Schriftverkehrs
Entgegennahme von Bestellungen und Kundenanfrage, u.a. telefonisch
Koordininierung des Warenflsses
Teamführung

Ihr Profil sollte umfassen:
Sie arbeiten selbstständig und verantwortungsbewusst
Sie können mit MS Office umgehen
Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil

Was wir Ihnen bieten:
Eine interessante Tätigkeit
Einen sicheren Arbeitsplatz
Leistungsbezogene Vergütung
Sehr gutes Betriebsklima

Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Angaben zu Ihrer Gehaltsvorstellung und dem frühestmöglichen Eintrittstermin senden Sie bitte an folgende Adresse:
Kaffeemaschinenhersteller.de, Herrn Maxim Muster, Milchstraße 5, 12345 Kapseln, muster@kaffeemaschinenhersteller.de

Anschreiben: Der Aufbau

Das Anschreiben besteht normalerweise aus neun Elementen. Sie sind in dieser Reihenfolge aufgebaut:

  • Absender und Datum (oben rechts)
  • Betreffzeile
  • (Persönliche) Anrede
  • Einleitung (Motivation)
  • Hauptteil (Persönlichkeit und Kompetenzen)
  • Unternehmensbezug (Mehrwert für das Unternehmen)
  • Schlussteil (Vorstellungen und Termine)
  • Grußformel und Unterschrift
  • Anlageverzeichnis

Wenn Sie den Namen des Ansprechpartners falsch oder Unsinn in die Betreffzeile schreiben, kann Sie das durchaus aus dem Rennen katapultieren. Von entscheidender Bedeutung sind unter normalen Umständen aber die Hauptelemente: Einleitung, Hauptteil, Unternehmensbezug, Schlussteil.

Das sollten Sie beachten:

  1. Einleitung

    Zunächst gilt es, das Interesse des Lesers zu wecken. Der Einstieg ist daher enorm wichtig. Beginnen Sie mit einem Knallbonbon. Das kann Ihr bestes Argument oder ein origineller Einstieg sein. Optimalerweise lassen Sie schon zu Beginn Wissen über das Unternehmen und die Aufgabe einfließen. Zum Beispiel frische Zahlen, ein neues Produkt oder tagesaktuelle News über die Firma. So merkt der Leser unmittelbar: Hier habe ich es mit jemandem zu tun, der seine Hausaufgaben gemacht hat. Dabei aber nicht zu dick auftragen, das könnte nach hinten losgehen. Kurz und subtil, mehr als drei bis vier Zeilen stehen Ihnen dafür ohnehin nicht zur Verfügung.

  2. Hauptteil

    Ihre Persönlichkeit möchte an dieser Stelle ins rechte Licht gerückt werden. Ohne Eigenmarketing geht es nicht. Vor allem Ihre Soft Skills sind gefragt. Über welche verfügen Sie? Welche Stärken und Erfahrungen bringen Sie mit? Achtung: Rattern Sie nicht alle Punkte herunter, sondern setzen Sie Akzente. Nur die besten und wichtigsten Eigenschaften und Fähigkeiten auswählen und präsentieren. Welche davon machen Sie zum perfekten Kandidaten für diese Stelle? Das muss rauskommen.

  3. Unternehmensbezug

    Es ist im Prinzip wie beim Online-Dating: Ist es ein Match oder ist es keins? Sie sind der Buhler, der sein Gegenüber davon überzeugen will, der perfekte Partner zu sein. Was dabei zählt, sind Ihre Persönlichkeit, Ihre Qualifikationen und Ihr Werdegang. Inwiefern passen Sie zum und ins Unternehmen? Was zeichnet sie aus? Was prädestiniert Sie für die ausgeschriebene Position? Versuchen Sie, direkte Verbindungen herzustellen. Gesammeltes Wissen, das Sie im Job gebrauchen; Netzwerke, die Sie aktivieren; IT-Skills, die Sie einsetzen können. Wenn der Personaler den roten Faden spinnen kann, der von der Schule übers Studium direkt in dieses Unternehmen führt, dann steigen Ihre Chancen auf die Stelle.

  4. Schlussteil

    Ein höflicher Ausstieg – nicht unwichtig! Bedanken Sie sich für die Aufmerksamkeit, beziffern – sofern verlangt – Ihre Gehaltsvorstellungen und nennen das frühestmögliche Eintrittsdatum. Außerdem gut: Der Satz, dass Sie sich sehr auf ein persönliches Kennenlerngespräch freuen.

Und noch ein Tipp: Falls es Lücken in Ihrem Lebenslauf gibt, dann haben Sie im Anschreiben die Möglichkeit dazu, diese anzusprechen. Am besten mit einer kurzen (!) Erklärung. Das ist aber kein Muss.

Überlegen Sie sich andernfalls aber sehr genau, wie Sie eine mögliche Unterbrechung, Kündigung oder häufige Jobwechsel im Bewerbungsgespräch erklären. Der Personaler wird Sie bestimmt dazu fragen.

Anschreiben: Die wichtigsten Tipps

Jetzt möchten wir noch stärker in Detail gehen. Vorweg: Machen Sie aus dem Anschreiben keinen Lebenslauf in Fließtext-Form. Im Anschreiben sollten Sie alles weglassen, was für die Stelle nicht relevant ist – der Lebenslauf enthält naturgemäß auch Angaben, die für die Stelle weniger wichtig sind.

Je präziser und kompakter Ihr Anschreiben, desto leichter machen Sie es dem Empfänger. Darum nochmal: Maximal eine Seite.

  • Einleitungssatz

    Eine Möglichkeit: Sie stellen im Einleitungssatz Ihre Qualifikationen voran. Zum Beispiel so: Als Teamleiter XY bei Firma ABC habe ich fünf Jahre Erfahrung in der Führung der kaufmännischen Abteilung gesammelt. Sie können natürlich auch einen anderen Weg gehen – oder viel emotionaler einsteigen. Aber inhaltlich ist dieser Einstiegssatz schon sehr gut zu gebrauchen. Was Sie nicht gebrauchen können: eine Floskel zu Beginn a la Mit Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen.

  • Qualifikation

    Danach fahren Sie mit den geforderten Kenntnissen und Fähigkeiten fort. Tipp: Machen Sie eine Aufzählung daraus. Niemand hat behauptet, ein Anschreiben bestehe ausschließlich aus Fließtext. Eine Auflistung hat mehrere Vorteile: Erstens spart sie Platz. Und zweitens können Sie so geschickt einige Keywords platzieren. Wörter also, auf die der Personaler anspringt, weil sie so schon in der Anzeige standen. Ganz nach vorne kommen die Muss-Qualifikationen, dann die Kann-Qualifikationen. Eine Auflistung könnte so aussehen:

    • Bürokauffrau mit 15 Jahren Berufserfahrung
    • Acht Jahre Erfahrung als Führungskraft mit Personalverantwortung
    • Verantwortlich für 25 Mitarbeiter

    Aber: Schaut man sich unsere fiktive Stellenanzeige an, dann gibt es sehr wenige Überschneidungspunkte zwischen dem, was dort gefordert wird und dem, was der Bewerber anbietet. Eine Ausbildung zur Bürokauffrau ist laut Stellenanzeige kein Auswahlkriterium. Auch IT-Dienstleistungen werden nicht explizit genannt. Und die vielen Jahre Berufserfahrung könnten womöglich zu der Annahme verleiten, die Bewerberin sei für die Stelle überqualifiziert.

    Passen Sie das Anschreiben daher an und formulieren zum Beispiel so:

    Langjährige Erfahrung in der Auftragsabwicklung
    Mitarbeiterführung
    Verantwortlich für…
    Aufträge erfassen
    Fakturieren
    Schrift- und Telefonverkehr bearbeiten
    Kundenanfragen beantworten
    Fließendes Englisch in Wort und Schrift
    Sehr gute Kenntnisse in MS Office

    Diese Formulierungen würden die Bewerberin wohlgemerkt nicht „besser“ machen. Aber sie machen sie kompatibler. Ihre Selbstbeschreibung passt besser zu dem, was das das Unternehmen einfordert und erwartet.

Anschreiben: Die Soft Skills

Ihr Lebenslauf besticht durch Fakten, Ihr Anschreiben durch die weichen Faktoren. Die Soft Skills sollten ein wesentlicher Bestandteil Ihres Anschreibens sein.

Nun verlangt unsere ausgedachte Stellenanzeige vom Bewerber selbstständiges und verantwortungsbewusstes Arbeiten. Wie weist man das nach?

Zum Beispiel dadurch, dass man schon im bisherigen Werdegang versiert und routiniert mit Kunden umgegangen ist. Man könnte es so formulieren:

Ich habe mich in meinen bisherigen Tätigkeiten stets für nachaltige Kundenbeziehungen eingesetzt. Für meinen aktuellen Arbeitgeber habe ich etwa das Bestandkundenmanagement optimiert und die Kundenzufriedenheit so um 20 Prozent steigern können.

Tipp: Machen Sie – wenn möglich – von Zahlen Gebrauch. Quantifizieren Sie Ihre Leistungen, bringen Sie Beispiele, untermaueren Sie Ihre Argumente mit harten Ziffern. Das wirkt oft mehr als substanzloses Wortgeklingel.

Stellenangebote

Technischer Mitarbeiter (w/m/d) Qualitätssicherung, z.B. Schlosser, Industriemechaniker, Kfz-Mechaniker (w/m/d) 14.07.
HANSA-FLEX AG Bremen
Kundenbetreuer (m/w/d) im Vertriebsinnendienst 14.07.
Wera Werkzeuge GmbH Wuppertal
Key Account Manager / Verkaufsleiter m/w/d LEH / Off-Trade 14.07.
GES Sorrentino GmbH & Co. KG Delmenhorst
Kraftfahrer / Servicefahrer (m/w/d) für Lebensmittel 14.07.
Frischdienst Union GmbH Springer Nordhessen (Raum K...

Gehaltsvorstellung und Eintrittstermin

Die Frage nach der Gehaltsvorstellung ist knifflig. Ist sie zu hoch, winkt das Unternehmen dankend ab. Ist sie zu niedrig, verkauft man sich unter Wert – und signalisiert dem Arbeitgeber auch mangelnde Qualität oder fehlendes Selbstvertrauen.

Und soll man eigentlich eine konkrete Zahl nennen oder eine Spanne? Die Antwort auf letzte Frage zuerst: Lieber eine konkrete Zahl. Nehmen Sie zum Beispiel Ihr aktuelles Gehalt und schlagen Sie zehn Prozent drauf. Ausreizen, aber nicht überreizen.

Hier spielen selbstverständlich viele Variablen eine Rolle. Wo sitzt der Arbeitgeber? Wie groß ist er? In welcher Branche und welchem Beruf bewegen Sie sich? Bei einem Großunternehmen in München können Sie mehr Gehalt verlangen als bei einem Kleinbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern.

Was Sie hingegen nicht tun sollten: Eine Gehaltsspanne angeben, die zu weit gefasst ist. Mit Gehaltsvorstellungen von 45.000 bis 65.000 Euro kann niemand etwas anfangen. Das wirkt unüberlegt.

Zum Eintrittstermin: Den machen Sie zuvorderst von Ihrem aktuellen Arbeitsvertrag und den Kündigungsfristen abhängig. Wenn Sie sich aus der Arbeitslosigkeit heraus bewerben, dann sollten Sie „sofort“ anfangen können. Eine schnelle Verfügbarkeit ist ein Pluspunkt. Kein Arbeitgeber will Ewigkeiten – und das sind drei Monate und mehr – auf einen Neuen warten.

Handlungsaufforderung/Schlussteil

Am Ende sollte beim Personaler vor allem haften bleiben, dass Sie freundlich, motiviert und selbstbewusst sind. So sollte auch Ihr Schlussteil klingen.

Immerhin haben Sie soeben dargelegt, warum Sie die optimale Besetzung für die Stelle sind. Wichtig: Nicht die Rolle des Bittstellers einnehmen, weder am Anfang noch am Ende des Anschreibens.

Diesen Fehler sollten Sie daher vermeiden: Verfallen Sie nicht in den Konjunktiv! Nach dem Motto…

  • Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.
  • Von meinen Fähigkeiten würde ich Sie gerne im Vorstellungsgespräch überzeugen.
  • Für eine Einladung zum Bewerbungsgespräch wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Der Konjunktiv schwächt den Inhalt ab und lässt Sie wie ein Bettler klingen. Das sind Sie aber nicht. Wenn der Arbeitgeber SIE nicht einlädt, dann ist er selbst schuld! Der Konjunktiv lässt den Eindruck entstehen, dass eine Vertragsvereinbarung in unendlich weiter Ferne ist und Ihre Chancen auf den Job höchstens minimal sind. Er macht sie schwach. Darum: Kein Konjunktiv!

Besser als der Konjunktiv ist die gepflegte Attacke. In der Werbung weiß man längst um die Wirkung des sogenannten Call-to-Action. Zu deutsch: Handlungsaufforderung. Viele Studien haben die Wirksamkeit dieser Methode nachgewiesen. Wenn man einen Leser oder User auffordert, etwas zu tun, dann tut er es tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit – zum Beispiel klicken, kommentieren, kaufen.

Diesen Trick können Sie sich auch im Anschreiben zunutze machen. Zum Beispiel so:

  • Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch.
  • In einem persönlichen Gespräche überzeuge ich Sie gerne, dass ich der richtige Mitarbeiter für die Stelle bin.
  • Wenn Sie einen verantwortungsbewussten und kompetenten Teamleiter suchen, freue ich mich auf eine Einladung zu Vorstellungsgespräch.
  • Auf Ihre Rückmeldung freue ich mich.
  • Für Fragen stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.

Anschreiben Tipps: Die Motivation

Warum bewerben Sie sich gerade in DIESEM Unternehmen auf DIESE Stelle? Das ist die große Frage, die durch das Anschreiben beantwortet werden muss. Wer den Eindruck erweckt, er wolle halt nur irgendeinen Job, wird DIESEN Job nicht bekommen.

Darum: Werden Sie ruhig mal persönlich, sofern sich eine Möglichkeit dazu bietet. Beispiel: Schon als Kind hatten Ihre Produkte für mich eine große Bedeutung. Tatsächlich hatte ein Bewerber seiner Bewerbung bei Adidas einmal ein Foto mitgeliefert, dass er als kleines Kind gezeichnet hatte und das ihn beim Fußballspielen zeigte – auf den Schuhen drei Streifen. Der Bewerber kam weiter, bestätigte eine HR-Managerin von Adidas gegenüber Zeit Campus.

Ein anderes Beispiel: Von meiner Haustür bis zur Eingangstür der Kaffeemaschinen GmbH sind es nur zehn Minuten zu Fuß. Wenn die anderen Mitarbeiter noch im Stau stehen, könnte ich schon mal den Rechner hochfahren…

So liefern Sie ganz konkrete Vorteile mit, mit denen das Unternehmen rechnen kann – wenn es Sie einstellt. Und handfeste Argumente gefallen jedem Unternehmen.

Also: Ein möglichst konkreter Extra-Vorteil, den Ihr Arbeitgeber von Ihnen hat – wenn Sie den finden und ins Anschreiben einbauen, sammeln Sie dicke Pluspunkte.

Anschreiben Tipps: Postskriptum

Jetzt kommt noch ein ganz spezieller Tipp: Bauen Sie in Ihr Anschreiben ein PS am Ende ein. PS steht für Postskriptum und ermöglichte Briefeschreibern früher, einen wichtigen Punkt hinzuzufügen, ohne den Brief komplett neu schreiben zu müssen. In Zeiten moderner Kommunikationsmittel aber braucht niemand mehr ein PS, nicht wahr? Von wegen!

Gerade in E-Mails erzeugt ein PS hohe Aufmerksamkeit. Sie haben das bestimmt auch schon festgestellt. Ein PS liest man immer. Meist verbirgt sich etwas Wichtiges dahinter – oder etwas Interessantes. Nutzen Sie das auch im Anschreiben, etwa so:

PS: Ich werde am 15. Januar kurz bei Ihnen anrufen, um mich über den Stand des Bewerbungsprozesses zu informieren – und zu fragen, ob meine Bewerbung überhaupt angekommen ist. Falls Sie im Gegenzug noch weitere Fragen haben, können Sie mich gerne unter folgender Nummer anrufen: 0123-456789.

Anschreiben: Erfolgsformel

Sie sehen: Ein Anschreiben ist harte Arbeit. Aber sie lohnt sich. Wenn Sie sich beim Anschreiben – und beim Lebenslauf – ausreichend Mühe geben, steigern Sie dadurch Ihre Erfolgschancen. Hier nochmal die Erfolgsformel für ein gutes Anschreiben:

  • Problem: Welches müssen Sie lösen, um dem Arbeitgeber zu helfen? Identifizieren Sie es.
  • Erhöhung: Ein Trick ist es, das Problem zu erhöhen. Das macht Ihre Kompetenzen und die Stelle gleich viel wertvoller.
  • Lösung: Sie haben das Know-how, die Ausbildung und das Wissen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Ihre Einstellung – das wäre die Lösung für das Unternehmen.
  • Überzeugung: Die Lösung müssen Sie auch überzeugend kommunizieren. Es muss klar werden, dass alles stimmt. Ohne Konjunktiv das Anschreiben beenden!

Anschreiben: 3 Tipps für Absolventen

  1. Spezialisierung

    Uni-Absolventen sind (noch) keine Spezialisten. Sie sind – mit wenigen Ausnahmen – Generalisten. Unternehmen aber suchen Leute, die bestimmte Kompetenzen und Fertigkeiten haben – Spezialisten eben. Fokussieren Sie Ihr Anschreiben und die gesamte Bewerbung auf die Skills, die das Unternehmen wirklich sucht.

  2. Erfahrung

    Jeder Mensch hat Erfahrung – auch, wenn er direkt von der Uni oder aus der Schule kommt. Praktika oder Auslandsaufenthalte absolviert? Erwähnen Sie diese und stellen Sie heraus, was Sie dabei gelernt haben. Ehrenamtliche Tätigkeit als Sporttrainer? Dito. Auch Sprachkurse oder der Nebenjob an der Tankstellenkasse können Sie sehr wohl weitergebracht haben. Destillieren Sie die wichtigsten Erfahrungswerte heraus, die Sie dabei gewonnen haben.

  3. Selbstbewusstsein

    Wer keine langjährige Berufserfahrung hat, könnte in die Studenten-Falle tappen. Nach dem Motto: Ich bin doch nur ein Student, also bin ich Bittsteller. Das ist falsch. Sie haben während des Studiums wertvolle Kompetenzen erworben und eine ganze Menge anzubieten. Personaler wollen selbstbewusste Mitarbeiter – und darum auch selbstbewusste Bewerber.

Anschreiben Alternative: Die Dankesrede

Ein Geheimtpp für ganz besonders Mutige: Formulieren Sie Ihre Bewerbung als Dankesrede! Also tun Sie so, als ob Sie den Job schon in der Tasche hätten.

Kein Witz: Malen Sie sich in Gedanken aus, warum Sie sich beworben haben und warum Sie eingestellt wurden. Dann könnte der Einstieg in Ihre Dankresrede etwa so lauten:

Als ich die Stellenanzeige gesehen habe, war mir sehr schnell klar: Diese Stelle gehört mir! Die Geschichte, die wirtschaftliche Stärke, die Zukunftsgewandtheit, die spannenden Produkte – diesem Unternehmen wollte ich helfen, noch besser zu werden. Auch die Aufgaben waren nahezu deckungsgleich mit dem, was mir liegt und was ich jahrelang in meiner Position als xx bei xx gemacht habe…

Das nur als Formulierungsbeispiel. Sie können es auch dezenter angehen – oder noch eine Spur selbstbewusster. Wichtig in jedem Fall: Stellen Sie die gesuchten Stärken auch hier nach vorne und versuchen Sie, diese anhand konkreter Beispiele zu belegen.

Aber Vorsicht: Diese Form des Anschreibens kommt ganz sicher nicht bei jedem Personaler gut an. Manchem könnte sie sogar Zornesfalten auf die Stirn treiben.

Andererseits: Sie fällt definitiv auf, hebt sich von anderen ab und macht neugierig auf den Verfasser. Sie würden doch auch die Person kennenlernen wollen, die hinter einem solchen Anschreiben steckt, oder?

[Bildnachweis: Iurii Stepanov by Shutterstock.com]

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Diese Artikel fanden andere Leser interessant: