Einstellungstest: So meistern Sie ihn

Der Einstellungstest ist eine Rückversicherung für Unternehmen. Er soll das Risiko verringern, dass man dem falschen Bewerber einen Arbeitsvertrag vorlegt. Für Bewerber bedeuten Einstellungstests eine Extremsituation. Auf die sollte man sich vorbereiten. Dafür müssen Bewerber aber erst einmal wissen, mit was für einem Einstellungstest sie es zu tun bekommen…

Einstellungstest Beispiele Tipps

Einstellungstests: Diese gibt es

Nicht jedes Unternehmen will sich auf Bewerbungsunterlagen und Schulnoten verlassen. Ein Test – so die Theorie – klopft den Bewerber gründlich ab. Er gibt Aufschluss darüber, wie intelligent, gebildet und stressresistent Sie wirklich sind.

In der Praxis ergänzt ein Einstellungstest das Bewerbungsgespräch. Er ersetzt es aber nicht. Für manche Einstellungstests bitten die Unternehmen ins Assessment Center, in anderen sind Interview und Test zeitlich weiter voneinander getrennt.

Natürlich flechten viele Arbeitgeber Testfragen auch in Ihre Jobinterviews ein. Wenn man dem Bewerber Fang-, Stressfragen und Brainteaser vor die Füße wirft, muss man ihn nicht extra zum Test bitten. Das spart Zeit und Geld.

Sie merken: Ein Einstellungstest ist keine bösartige Schikane. Im Gegenteil, er zeigt den Stellenwert, den Sie als Bewerber haben. Das Unternehmen macht sich extra die Mühe, organisiert ein Testverfahren, lädt die Bewerber ein, wertet die Klausuren aus. Eine Einladung dürfen Sie also durchaus als Komplimentchen verstehen.

Viele Einstellungstests haben gemeinsam, dass sie die Bewerber in unterschiedlichen Kategorien abfragen. Dazu zählen Allgemeinwissen, logisches Denken, Mathe, Sprachverständnis und Branchenwissen. Die Ausrichtung unterscheidet sich von Firma zu Firma, von Branche zu Branche. Allgemeinwissen zum Beispiel lässt sich aus keinem Anschreiben und auch nicht aus den Schul- und Unizeugnissen herauslesen. Warum also nicht einfach abfragen?

Diese Arten von Einstellungstests gibt es:

  1. Wissen

    Damit ist zum Einen das Allgemeinwissen gemeint. Geschichte, Politik, Sport. Aber auch mathematische Grundkenntnisse oder Sprachverständnis wird gerne abgefragt – oder Branchenwissen. Tipp: Nähern Sie sich einem Wissenstest wie der Teilnahme bei Wer wird Millionär?. So viel lesen wie möglich, auch mal ins Lexikon gucken.

  2. Persönlichkeit

    Ein Persönlichkeitstest basiert zum großen Teil auf der Selbsteinschätzung des Kandidaten. Wo sieht er selbst seine Stärken und Schwächen, welche Interessen und Werte hat er, welche Verhaltensweisen legt er an den Tag? Auf diese Weise wollen sich Unternehmen der Persönlichkeit eines Bewerbers nähern.

  3. Fitness

    Körperliche Fitness ist in jedem Beruf hilfreich – in manchen aber ist sie Grundvoraussetzung. Darum müssen Bewerber bei der Bundeswehr, Feuerwehr oder Polizei körperlich topfit sein. Ihr Bewerbungsverfahren beinhaltet in der Regel eine Sportprüfung. Wenn Sie die Disziplinen kennen, können Sie sich gezielt darauf vorbereiten. Andernfalls hilft nur regelmäßiges Training. Auch Bewerber der Deutschen Sporthochschule in Köln müssen eine Sporteignungsprüfung absolvieren.

  4. Intelligenz

    Im Intelligenztest wird das logische Denkvermögen geprüft. Sie können also die richtigen Antworten – anders als im Wissenstest – NICHT auswendig lernen. Das Ganze geschieht unter größtem Zeitdruck, was die Sache so knifflig macht. Trotz allem können Sie Intelligenztests trainieren. Üben Sie Zahlen-, Wort- und Figurenreihen, Sudokus, gerne auch Kreuzworträtsel. Aufgaben, bei denen man nie nach Schema F vorgeht, sondern stets einen neuen Lösungsweg suchen muss.




Was spricht für einen Einstellungstest?

Ganz klar: Der Arbeitgeber will sein Risiko minimieren. Stellt er den falschen Bewerber ein, kostet ihn das viel Geld. Die Organisation eines Assessment Centers wäre vermutlich günstiger gewesen. Schließlich sind Bewerbungsverfahren für die Unternehmen kostspielig. Sie müssen Stellenanzeigen schalten, Karriereseiten updaten, Fahrtkosten übernehmen. Dazu kommen die verlorene Arbeitszeit, Verpflegungskosten und und und…

Der Einstellungstest soll die Wahrscheinlichkeit erhöhen, den richtigen Bewerber zu finden. Das macht hinterher auch das Onboarding leichter, die Produktivitätsverluste halten sich in Grenzen, eine weitere Recruiting-Runde kann man sich sparen.

Das spricht nach weitläufiger Ansicht außerdem für einen Einstellungstest:

  • Sie bieten eine bessere Vergleichbarkeit als Vorstellungsgespräche. Jedes Interview verläuft anders. Die Tests dagegen kann man im Prinzip übereinanderlegen.
  • Ein Einstellungstest bietet Chancengleichheit. Die Bedingungen sind für jeden komplett identisch. Das setzt auch das mögliche Argument der Diskriminierung schachmatt.
  • Sie gewährleisten Objektivität. Man kann das Allgemeinwissen klar nachprüfen, ohne sein Urteil von subjektiven Faktoren beeinflussen zu lassen.
  • Der Test ist umfassender als ein Jobinterview. Das Unternehmen sammelt Erkenntnisse auf breiter Basis. Sprachverständnis, Wissen, Intelligenz. So kann es ein Persönlichkeitsprofil erstellen, dass der Realität sehr nahe kommt.

Was spricht gegen einen Einstellungstest?

Auch das kann man festhalten: Ein Einstellungstest ist nicht die ultimative Lösung, um die Befähigung eines Bewerbers festzustellen. Er bietet keine absolute Verlässlichkeit und kann zu vielfältigen Irrtümern führen. In dem Fall hätte ein Unternehmen nur unnötigen Aufwand betrieben.

Was spricht gegen Tests? Vor allem das…

  • Aussagekraft

    Kennt der Bewerber zufällig die richtige Antwort auf eine Frage, hat er Glück gehabt. Kennt er sie nicht, fliegt er raus. Aber welche Rolle spielt das für den Arbeitsalltag? Es geht doch darum, immer wieder neue, individuelle Lösungen zu finden. Ein Wissenstest sagt über diese Fähigkeit nichts aus. Auch kann man über die Selektion streiten. Vielleicht hätte der Bewerber in einem anderen Wissenstest mit anderen Schwerpunkten viel besser abgeschnitten und der andere deutlich schlechter. Über Tests kann man sich dem Bewerber nähern. Stellen kann man ihn nicht.

  • Tagesform

    Ein Test ist für alle gleich. Auch dieses Argument könnte man zerpflücken, denn es stimmt nur bedingt. Selbst wenn alle Kandidaten zeitgleich im Prüfungszimmer sitzen und mit dem gleichen Stift schreiben, sind die Rahmenbedingungen doch höchst unterschiedlich. Der eine ist übermüdet, weil er gestern Abend seine Mutter ins Krankenhaus fahren musste. Der andere ist durch eine Erkältung geschwächt. Der dritte hat eine 100 Kilometer lange Anfahrt hinter sich. Waffengleichheit gibt es nicht, niemals.

Darum geht es im Einstellungstest

Was wollen Unternehmen eigentlich per Einstellungstest herausfinden? Vor allem dies…

  1. Zahlenverständnis

    Ein beliebter Satz lautet: In Mathe war ich noch nie gut. Das klingt charmant, weil man indirekt damit klar macht, eher der soziale Typ zu sein. Darum kokettieren heutzutage viele Menschen mit ihrer Mathe-Schwäche. Sollten sie aber nicht. Zahlenverständnis wird immer wichtiger, die Wirtschaft lässt sich immer mehr von Big Data treiben. Daten sammeln und auswerten – ein Super-Skill für die moderne Arbeitswelt. Darum sind Mathe-Aufgaben im Einstellungstest populär. Trotzdem: Sie müssen kein Mathematik-Genie sein, um gut abzuschneiden. Üben Sie für den Anfang aber schon mal Prozentrechnen, Kopfrechnen und Dreisatz…

  2. Logisches Denkvermögen

    Zahlen- oder Figurenreihen, die Sie fortführen sollen, sind klassische Beispiele. Sie testen unsere Begabung, logisch zu denken. Die ist nicht unwichtig. Immer mehr Routinejobs gehen verloren, zum Beispiel in der Produktion. In den neuen Jobs kommt es viel mehr darauf an, analytisch vorzugehen, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  3. Konzentration

    Auch Konzentrationsfähigkeit ist ein Skill, der an Wert gewinnt. Immerhin versuchen Smartphone und Co., uns dauerhaft von unseren eigentlichen Aufgaben abzulenken. Jeder Einstellungstest stellt Ihre Konzentrationsgabe auf die Probe. Das gilt für Wissenstests wie für Intelligenztests.

  4. Allgemeinbildung

    Echte Gelehrte, so wie es sie früher gab, gibt es heutzutage kaum noch. Mit einer Ausnahme: Kamerad Google. Der weiß einfach alles. Dennoch bringt es in jedem Beruf Vorteile, wenn man über Gott und die Welt halbwegs Bescheid weiß. In manchen Berufen geht es gar nicht ohne umfassende Allgemeinbildung. In eine Journalistenschule etwa kommt man ohne überdurchschnittliches Wissen nicht hinein.

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Einstellungstest: So überzeugen Sie

Nervosität ist nichts, das Sie den Job kosten muss. Im Gegenteil, sie sorgt dafür, dass Sie hellwach und aufmerksam sind. Das reduziert die Gefahr für Flüchtigkeitsfehler. Aber paralysieren sollte Sie Ihre Angst natürlich nicht.

Damit Sie mit guten Chancen in den Einstellungstest gehen, empfiehlt sich Folgendes:

  • Vorbereitung

    Sie ist das A und O. Bereiten Sie sich gut auf den Einstellungstest vor. Die Schwerpunkte hängen natürlich von der Art der Prüfung ab. Bleiben Sie auf dem Laufenden, was das Weltgeschehen betrifft, wenn Sie ein Wissenstest erwartet. Befassen Sie sich mit Bilderrätseln und Zahlenreihen, wenn ein Intelligenztest vor der Tür steht. Und selbst wenn sie keinen blassen Schimmer haben, wie der Test aussehen wird: Eine gute Vorbereitung macht Sie sicherer!

  • Auftreten

    Ziehen Sie sich vernünftig an. Duschen, rasieren, Schuhe polieren, die ganze Palette. Warum das alles? Sie müssen zwei Aspekte bedenken: Zum Einen verleiht Ihnen ein gepflegtes Äußeres Selbstvertrauen. Sie fühlen sich fit, stark, ready to go. Das wiederum wirkt sich auf Ihre Performance aus. Zum Zweiten werden auch die anwesenden Unternehmensvertreter ein Auge auf Sie werfen. Wenn Sie durch Jogginghose und Krümel im Bart glänzen, dann sieht das zumindest nicht ganz professionell aus. Das sind Minuspunkte, die Sie ganz leicht vermeiden können. Tun Sie das!

  • Ruhe

    Nicht nur durch die Optik können sie den Entscheidern auffallen – im guten wie im Schlechten. Sind Sie ein Nervenbündel, das hektisch auf einem Stift herumkaut, mit den Füßen hin- und her wippt oder panisch die Hände überm Kopf zusammenschlägt? So einen will man nicht unbedingt im Team haben. Denn auch im Arbeitsalltag werden Stresssituationen auf Sie zukommen. Bewahren Sie also Ruhe und lassen Sie sich Ihre Unsicherheit (wenn vorhanden) nicht anmerken.

  • Sorgfalt

    Wenn Sie die Lösung auf eine Frage nicht kennen, dann kennen Sie sie nicht. Was Sie aber gar nicht gebrauchen können, sind Flüchtigkeitsfehler. Sie entstehen durch mangelnde Sorgfalt und Zerstreutheit. Bleiben Sie fokussiert! Achten Sie genau darauf, was von Ihnen verlangt wird und schreiben Sie nicht einfach wild drauflos. Zur Not werfen Sie ein Stück Traubenzucker ein, um die Konzentration wahren zu können. Lesen Sie sich – sofern zeitlich möglich – auch zum Schluss alles noch einmal durch. Rechtschreibung, Grammatik, Buchstabendreher, unsaubere Formulierungen – all das ist wichtig.

  • Zeit

    Zeitmanagement ist ein Riesen-Thema im Arbeitsalltag. Vor allem Selbstständige, Freiberufler und Home Office-Worker wissen nur zu gut, wie wertvoll eine gute Zeiteinteilung ist. Das ist sie auch im Einstellungstest. Verplempern Sie nicht unzählige Zeigerrunden für eine einzige von 30 Aufgaben. Lösen Sie erst diejenigen, die Sie lösen können. Ist zum Schluss noch Zeit auf der Uhr, können Sie sich den ungeknackten Nüssen widmen. Setzen Sie Prioritäten! Das wird auch im Job von Ihnen verlangt.

  • Erwartungshaltung

    Gehen sie nicht mit zu hohen Erwartungen in den Einstellungstest. Ja, Sie haben richtig gehört. Sie haben es ja gar nicht in der Hand, welche Fragen kommen werden. Mit ein bisschen Pech sind es genau die falschen. Das ist nicht Ihre Schuld. Sie sollten sich gut vorbereiten, abends früh schlafen gehen, pünktlich auf der Matte stehen und den Test konzentriert absolvieren. That’s it! Für alles andere müssen Sie sich keine Vorwürfe machen. Außerdem muss Ihr Test auch nicht perfekt sein. Gehen Sie davon aus, dass auch die anderen Bewerber nicht jede Frage korrekt beantworten.

  • Alternativen

    Bei der Jobsuche sollten Sie nie alles auf eine Karte setzen. Schauen Sie nach vorne und überlegen sich, was Sie im Falle eines Ausscheidens tun. Gehen Sie parallel weiter auf Stellensuche. Das bewahrt sie auch vor der Opferrolle, in die man bei widrigen Umständen gerne schlüpft (Zu schwere Fragen! Unfaire Gewichtung!) Bleiben Sie aktiv. Und: Jeder Einstellungstest gibt Ihnen Erfahrung mit auf den Weg – auch dann, wenn er völlig in die Hose gegangen ist. Schon beim nächsten Mal sind Sie routinierter, können auf Erfahrungswerte zugreifen. Vorteil!

Einstellungstest: Beispiel

Wie sieht so ein Einstellungstest in der Praxis aus? Zum Beispiel so wie der, den die Stadt Dietzenbach ins Netz gestellt hat, siehe hier. Oder so wie jener der Deutschen Journalistenschule. Das sind zehn der insgesamt 24 Fragen der Aufnahmeprüfung aus dem vergangenen Jahr:

  1. Seit dem 1.Januar ist ein neuer Generalsekretär der Vereinten Nationen im Amt. Wie heißt er?
  2. Wie heißt der Bundespräsident Deutschlands, und wie heißen seine beiden Vorgänger?
  3. Der MDAX (abgeleitet von Mid-Cap-DAX) ist neben dem DAX der zweitwichtigste deutsche Aktienindex. Aus wievielen Werten besteht er? Nennen Sie zwei.
  4. Am 1.Juni 2016 wurde in der Schweiz nach 17 Jahren Bauzeit ein historisches Bauwerk eingeweiht. Es handelt sich um…?
  5. Warum waren viele Musikvideos auf YouTube bis Ende vergangenen Jahres in Deutschland „nicht verfügbar“?
  6. Durch welchen Interpreten wurde dieses Album/dieser Song bekannt? a.) „Heroes“ b.) „Faith“ c.) „Purple Rain“ d.) „Suzanne“
  7. Welches ist der größte deutsche Medienkonzern (nach Umsatzzahlen)?
  8. Von welchem Gremium wird der deutsche Bundespräsident gewählt, und wie setzt sich dieses zusammen? Welche weiteren Aufgaben hat dieses Gremium?
  9. Wer sind die „Blauhelme“, wer die „Weißhelme“?
  10. Oft liest und hört man den Begriff „Gentrifizierung“. Was versteht man darunter?
[Bildnachweis: panitanphoto by Shutterstock.com]

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