Gehaltsvorstellungen: So kommen Sie zu Ihrem Wunschgehalt

Die Gehaltsvorstellungen sind Teil der Bewerbung – und ein überaus wichtiger. Wer zu hoch pokert, kann sich schon früh ins Abseits manövrieren. Wer hingegen zu tief stapelt, bekommt nicht das, was er verdient. Wer keine genaue Zahl nennen will oder kann, greift einfach auf diese Formulierungstricks zurück…

Gehaltsvorstellungen: Darum sind sie so wichtig

Es ist eine Aufgabe, die jedem Berufseinsteiger schwer fällt: die Formulierung der eigenen Gehaltsvorstellungen. Manche Arbeitgeber erwarten ausdrücklich, dass Bewerber ihr Wunschgehalt angeben. Dabei war es noch nie so einfach, den eigenen Marktwert zu eruieren.

Es stehen einem mittlerweile unzählige Quellen zur Verfügung, die man als Bewerber anzapfen kann. Und das sollten Sie auch tun, bevor Sie Ihre Gehaltsvorstellungen niederschreiben.

Das Einstiegsgehalt hat enorme Auswirkungen auf Ihre weitere (finanzielle) Laufbahn. Wer zu niedrig einsteigt, kann den Rückstand oft nie wieder aufholen. Wer hoch pokert, kann sich dagegen eine exzellente Ausgangsposition erarbeiten…




Gehaltsvorstellungen: So formulieren Sie sie richtig

Das sind die wichtigsten Regeln, wenn Sie Ihre Gehaltsvorstellungen angeben:

  • Geben Sie stets Ihr gewünschtes Brutto-Jahreseinkommen an. Kein Brutto-Monatseinkommen und auch keine Netto-Angaben!
  • Teilen Sie zudem mit, ob sich Ihre Gehaltsvorstellungen auf zwölf oder 13 Monatsgehälter beziehen.
  • Zusatzleistungen nennen Sie hingegen nicht. Darunter fallen zum Beispiel Urlaubsgeld, Fahrtkostenzuschüsse oder vermögenswirksame Leistungen.
  • Sie orientieren sich immer am an Ihrem aktuellen Jahresgehalt, wenn Sie den Job wechseln. Schlagen Sie nach eigenem Ermessen bis zu 20 Prozent drauf – aber nicht mehr.
  • Nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellungen ganz zum Schluss des Bewerbungsanschreibens, also entweder im Schlusssatz oder in PS.

Speziell ein Jobwechsel kann Ihnen einen großen Gehaltssprung bescheren. Auch die Absolventen lukrativer Studiengänge – Informatik oder Ingenieurwissenschaften zum Beispiel – können nach ihrem Abschluss mit einem fetten Zahltag rechnen. Aber Achtung: Halten Sie Maß!

Wenn Sie als Gehaltsvorstellung eine Hammer-Summe nennen, macht Sie das für den Personaler zunächst mal zu einem Geldgeier. Unsympathisch! Insbesondere dann, wenn die Angaben mit dreisten oder unverschämten Aussagen garniert werden a la Weil ich es mir wert bin oder Einen Besseren als mich finden Sie nicht. Das liegt die Vermutung nahe, dass solch ein Bewerber fortwährend Ärger provozieren könnte. Niemand will einen Querulanten in seinem Team.

Aber nicht falsch verstehen: In Zeiten von Fachkräfteengpässen kann Selbstbewusstsein im Verhandlungspoker durchaus eine Erfolgsstrategie sein – aber nur für den, der es sich leisten kann. Speziell IT-Spezialisten, Ingenieure und andere Techniker müssen sich nicht unter Wert verkaufen. Es ist wie so oft im Leben: Der Grat ist schmal zwischen Selbstbewusstsein und Überheblichkeit.

Zur Orientierung dienen Ihnen diese beiden Punkte:

  1. Marktwert

    Wie hoch ist Ihrer? Informieren Sie sich vorab, welche Gehälter für vergleichbare Positionen gezahlt werden. Nicht nur Ihr Fachgebiet ist von Interesse, sondern auch die Größe des Arbeitgebers und die Region, in der Sie sich bewerben. In Baden-Württemberg können Sie mehr verlangen als in Berlin, in großen Unternehmen mehr als in kleinen.

  2. Kosten

    Welche Kosten verursachen Sie? Unternehmen schätzen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie wollen die Preise am liebsten immer drücken, das entspricht ihrem marktwirtschaftlichen Naturell. Wenn Sie als Bewerber tief stapeln, dann erhöhen sie bisweilen Ihre Chancen. Das könnten Sie strategisch einsetzen, wenn Sie den Job unbedingt haben wollen, aber sich gegen sehr viele Mitbewerber durchsetzen müssen.

Gehaltsvorstellungen: Das sollten Sie beachten

Bedenken Sie bei der Formulierung Ihrer Gehaltsvorstellungen:

  • Wenn Sie ein vergleichsweise hohes Wunschgehalt angeben, haben Sie mehr Spielraum nach unten. So kann der Arbeitgeber Ihren Preis im Folgenden noch drücken, damit sein eigenes Gewissen beruhigen und Sie trotzdem noch mit einem Top-Gehalt ausstatten. Win-win! Andererseits steigt die Gefahr, dass er Sie vorzeitig aussortiert, weil Sie ihm zu teuer sind.
  • Wenn Sie ein vergleichsweise niedriges Wunschgehalt angeben, verfügen Sie über keinen Spielraum mehr nach oben. Schlecht! Sie können nicht im Anschreiben eine Summe von 35.000 Euro nennen und dann im Gespräch 40.000 Euro fordern. Das enttarnt Sie als Windei. Auf der anderen Seite erhöhen Sie mit einer niedrigen Summe Ihre Chance, überhaupt zum Jobinterview eingeladen zu werden. Der Arbeitgeber wittert ein gutes Geschäft.

Vermeiden Sie in jedem Fall die Extreme. Gehen Sie also nicht zu weit nach oben oder zu weit nach unten. Ersteres lässt Sie als geldfixierten Blutsauger dastehen, Letzteres als ahnungslosen Naivling, der seinen eigenen Marktwert nicht kennt. Und wer seinen eigenen Marktwert nicht kennt, kann so kompetent nicht sein, oder? Welcher Betrag allerdings ZU hoch oder ZU tief ist, kann nicht eindeutig definiert werden. Das macht die Sache so tricky.

Ist es darum vielleicht die Lösung, gar keine Stellung zu beziehen? Klare Antwort: nein. Verlangt das Unternehmen die Angabe von Gehaltsvorstellungen im Anschreiben, dann sollten Sie dem auch Folge leisten. Andernfalls geben Sie unvollständige Unterlagen ab. Das verursacht Mehraufwand für das Personalbüro. Und es zeigt, dass Sie nicht auf ein ausdrückliches Anliegen des Arbeitgebers eingehen. Das kann sogar dazu führen, dass Sie vorzeitig draußen sind.

Ein Kompromiss wäre eine Formulierung wie:

Mein aktuelles Jahresgehalt beträgt 42.000 Euro.

Nein, eine konkrete Gehaltsvorstellung ist das nicht. Aber der Bewerber signalisiert, dass er die Aufforderung registriert hat. Immerhin. Auch hat der Personaler nun einen Richtwert, an dem er sich orientieren kann.

Noch besser wäre aber, Sie geben als Gehaltsvorstellung Ihre echte Wunsch-Zahl (oder Spanne) an. Das erspart im Übrigen auch Ihnen selbst Zeit und Aufwand. Angenommen, Sie und das Unternehmen liegen gehaltstechnisch so weit auseinander, dass sich jedes weitere Gespräch erübrigt, dann können Sie sich fortan anderen Bewerbungen widmen.

Gehaltsvorstellungen: So ermitteln Sie Ihren Marktwert

So nähern Sie sich Ihrem Marktwert auf dem Arbeitsmarkt:

  • Freunde

    Fragen Sie bei Freunden oder Bekannten nach, die eine ähnliche Position bekleiden – sofern das Gehalt zwischen Ihnen kein Tabuthema ist.

  • Internet

    Recherchieren Sie in Vergleichsportalen: Davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge im Internet. Eine gute Anlaufstelle ist die Plattform gehalt.de. Außerdem gibt es einschlägige Infos in Bewertungsportalen wie Glassdoor und Kununu. Branchendienste wie der Personaldienstleister Robert Half bieten Gehaltsreports für spezielle Berufsgruppen, ebenso die Jobbörse Stepstone für Fachkräfte.

    Tipp in eigener Sache: Eine gute Orientierung liefern auch die verschiedenen Jobprofile auf Karrieresprung. Für jeden Beruf nennen wir Einstiegs- und Spitzengehalt, so wie hier beim Systemadministrator.

  • Statistik

    Ziehen Sie offizielle Statistiken zu Rate. So ermittelt auch die Bundesagentur für Arbeit regelmäßig Durchschnitts- und Mediangehälter. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in Deutschland lag demnach im Jahr 2017 bei 3771 Euro.

Gehaltsvorstellungen: Und wenn keine verlangt wird?

Was, wenn das Unternehmen in der Stellenanzeige gar keine Angabe von Gehaltsvorstellungen fordert? Man könnte natürlich trotzdem darauf eingehen. Das gibt der Firma ja schließlich zusätzliche Informationen an die Hand, oder? Nein. Der Gehaltswunsch ist prinzipiell nicht Bestandteil des Bewerbungsschreibens.

Wird er nicht verlangt, dann schreiben Sie auch nichts darüber. Nur dann, wenn Sie ausdrücklich danach gefragt werden. Andernfalls erwecken Sie den Eindruck, als würden finanzielle Aspekte bei Ihnen im Vordergrund stehen. Oder was würden Sie denken, wenn Sie den Bewerber nach seiner Motivation fragen und er Ihnen direkt seine Gehaltsvorstellungen um die Ohren haut?

Im Vorstellungsgespräch (spätestens im zweiten) kommt das Thema ohnehin noch auf die Agenda. Denn klar ist: Ohne finanzielle Einigung unterschreiben Sie den Vertrag nicht.

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Gehaltsvorstellungen: Tipps, wie Sie sie formulieren

Sie haben generell zwei Optionen:

  1. Sie nennen eine fixe Zahl.
  2. Oder Sie nennen eine Spanne von X bis Y.

Was für Variante 2 spricht: Sie signalisieren Verhandlungsbereitschaft. Ihre Position ist nicht so unverrückbar wie ein Obelisk. Mit Ihnen kann man reden. Das gefällt Personalern.

Andererseits verstehen sie eine Gehaltsspanne zugleich als Aufforderung, den Preis so weit wie möglich nach unten zu drücken. Das obere Ende der Spanne dürfte als Vertragssumme für Sie daher nicht mehr realistisch sein. Aus Arbeitgebersicht würde es sich schließlich wie eine Niederlage anfühlen. Und die gilt es zu vermeiden.

So können sie Ihre Gehaltsvorstellungen formulieren:

  • Konkret

    Wenn Sie klare Ansagen bevorzugen, dann schreiben Sie zum Beispiel:

    • Meine Gehaltsvorstellungen liegen bei 52.000 Euro im Jahr.
    • Ein jährliches Gehalt von 36.500 Euro brutto entspricht meinen Vorstellungen.
    • Aufgrund meiner Qualifikationen halte ich ein Jahresgehalt von 55.000 Euro für angemessen.
  • Spanne

    Sie können auch eine Gehaltsspanne nennen – von X bis Y. Oder Ihren Gehaltskorridor mit dem Wörtchen Bereich eingrenzen.

    • Meine Gehaltsvorstellungen liegen zwischen 38.500 und 42.500 Euro brutto im Jahr.
    • Meine Gehaltsvorstellungen liegen im Bereich von 45.000 Euro brutto im Jahr.
  • Ausweichend

    Wenn Sie Ihre Gehaltsvorstellungen nicht nennen WOLLEN, weil Sie zum Beispiel noch nicht im Bilde über Ihren Marktwert sind, dann formulieren Sie sie folgendermaßen:

    • Meine Gehaltsvorstellungen teile ich Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch mit.
    • Meine Gehaltsvorstellungen können wir bestimmt in Kürze bei einem persönlichen Gespräch klären.
    • Ich freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen und bin sicher, dass wir uns auch bei den Gehaltsvorstellungen einigen werden.

Geben Sie eine ungerade Zahl an!

Gehaltsvorstellungen Geben Sie eine ungerade Zahl an!Geheimtipp für den Verhandlungspoker: Geben Sie als Wunschgehalt eine unrunde Zahl an!

Statt 32.000 Euro nennen Sie also lieber 34.570 Euro oder 32.330 Euro. Warum? Weil es indirekt signalisiert, dass Sie sich mit der Materie bis ins Detail auseinandergesetzt haben. Es wirkt, als ob Sie Ihren Marktwert ganz genau einschätzen können – und ihn nicht Pi mal Daumen berechnet haben.

Ungerade Gehaltsvorstellungen – ein Psychotrick, den Verhandlungsexperten gerne empfehlen!

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]

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