Zweites Vorstellungsgespräch: So meistern Sie den Recall

Das erste Gespräch top, das zweite Vorstellungsgespräch die Hölle: Diese Erfahrung haben viele Bewerber gemacht. Immerhin nutzen viele Unternehmen die Gelegenheit, einem Bewerber beim zweiten Mal alles abzuverlangen, ihm Stressfragen zu servieren und ihn in die Enge zu treiben. Besser, Sie sind darauf vorbereitet…

Zweites Vorstellungsgespräch: Was es bedeutet

Wer zu einem zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen wird, darf sich zunächst einmal freuen. Er oder sie hat eine Menge richtig gemacht. Schließlich kostet ein Bewerber den Arbeitgeber ja auch Geld. Allein die Zeit, die er für Sie aufwendet, kann er andernorts nicht investieren. Sie sind es ihm offenbar wert, dass er weitere Zeit für Sie opfert. Das ist ein Kompliment.

Außerdem sind Sie jetzt definitiv im Kreise der Finalisten. Im Sport würde man sagen: Sie sind in den Playoffs, vielleicht sogar schon im Finale. Ihre Bewerbung hat also bis zum jetzigen Zeitpunkt überzeugt. Herzlichen Glückwunsch!

Das bringt Ihnen am Ende leider nichts, wenn Sie nicht auch das letzte Puzzleteil an seinen rechten Platz legen. Wenn Sie das zweite Vorstellungsgespräch vergeigen, sind Ihre Chancen fast dahin. Denn es gibt ja noch andere Bewerber, die ebenfalls etwas auf dem Kasten haben. Und die gibt es ganz bestimmt, andernfalls hätte man Sie ja direkt nach Vorstellungsgespräch Nummer eins eingestellt, oder?

Es bestehen seitens des Unternehmens also noch Restzweifel daran, dass Sie wirklich die Bestbesetzung für die offene Stelle sind. Was Sie jetzt auf keinen Fall tun sollten: Davon ausgehen, dass es sich nur noch um ein lockeres Auslaufen handelt und Sie den Job eigentlich schon in der Tasche haben.

Gehen Sie mit voller Energie und Fokus in die zweite Runde. Motto: Jetzt geht’s um die Wurst. Oder um noch mal ein Bild aus dem Sport zu bemühen: Sie haben über 120 Minuten alles gegeben, aber jetzt im Elfmeterschießen müssen Sie unbedingt den letzten Elfer im Netz versenken. Sonst gewinnt ein anderer…




8 Tipps für das zweite Vorstellungsgespräch

Bitte halten Sie sich grundsätzlich an die Regeln, die auch für das erste Vorstellungsgespräch Gültigkeit haben. Versuchen Sie also nicht, durch eine Harakiri-Aktion Aufmerksamkeit auf sich lenken und so die entscheidenden Punkte machen zu wollen – durch extravagante Kleidung zum Beispiel oder dreiste Rückfragen.

Wichtig sind unter anderem diese Punkte:

  • Begrüßen Sie alle Anwesenden höflich, mit einem kräftigen Händedruck und nach Möglichkeit persönlich (mit Namen).
  • Schauen Sie ihnen dabei in die Augen – auch im Folgenden während des Gesprächs.
  • Lächeln Sie während des Vorstellungsgesprächs viel.
  • Spielen Sie nicht so viel mit Ihren Händen herum, wenn Sie gerade nicht reden.
  • Wenn Sie reden, dürfen Sie dagegen gerne gestikulieren.
  • Achten Sie auf angemessene Kleidung, aber ziehen Sie nicht das Gleiche an wie beim ersten Mal.
  • Bereiten Sie sich auf Fangfragen und Stressfragen vor.
  • Legen Sie sich ein paar (tiefergehende) Rückfragen zurecht.

Auch inhaltlich dürfen Sie gerne die wichtigsten Aspekte wiederholen, die Sie schon in der ersten Runde genannt haben. Nach dem Motto: Ich hämmere denen meine Qualifikationen und Kompetenzen so lange ein, bis sie es kapiert haben. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn Ihnen ganz neue Gesichter gegenübersitzen. Aber Sie müssen unbedingt auch den einen oder anderen frischen Akzent setzen.

Das ist im zweiten Vorstellungsgespräch wichtig…

Zweites Vorstellungsgespräch: Darauf kommt es an

  1. Analyse

    Der erste Schritt auf dem Weg der Besserung ist die Einsicht. Das soll meinen: Gehen Sie das erste Vorstellungsgespräch noch mal in Ruhe gedanklich durch. Was lief gut, was lief weniger gut? Welche offensichtlichen Fehler haben Sie gemacht? Wo haben die Interviewer eingehakt? So vermeiden Sie es, den gleichen Fehler ein zweites Mal zu begehen. Aber vergessen Sie ebensowenig, was Ihnen gut gelungen ist. Angenommen, der Personaler stellt Ihnen die gleiche Frage erneut, dann sollten Sie sich nicht in Widersprüche verwickeln, sondern inhaltlich bei dem bleiben, was Sie zuvor schon gesagt hatten. Bleiben Sie glaubwürdig.

  2. Gesprächspartner

    Es gibt im Grunde drei Möglichkeiten. Entweder Sie führen das zweite Vorstellungsgespräch mit exakt denselben Personen, die schon in Durchlauf eins dabei waren. Oder Sie erwartet eine Mischung aus alten und neuen Vertretern. Oder Sie bekommen es ausnahmslos mit ganz neuen Gesichtern zu tun. Das wäre vermutlich am schwierigsten, weil Sie alle neu von sich überzeugen müssten. Tipp: Fragen Sie vorher einfach mal bei Ihrem Ansprechpartner im Unternehmen nach, wer genau das Gespräch denn führen wird. Erhalten Sie darauf keine konkrete Antwort, dann kommt wohl oder übel Mehrarbeit auf Sie zu. Dann wäre es nämlich am besten, Sie würden sich auf alle denkbaren Szenarien gleichermaßen vorbereiten.

  3. Bezugnahme

    Das zweite Vorstellungsgespräch baut in der Regel auf dem ersten auf. Wenn Sie also Lösungen für Probleme präsentieren, die in Runde eins aufgeworfen worden waren, wäre das ein großes Plus. Beispiel: Sie hatten mich vor zwei Wochen gefragt, wie ich Ihre Arbeitgebermarke stärken würde. Weil die Nutzerzahlen von Instagram gerade durch die Decke gehen und das Medium viele junge Leute anspricht, könnte ich mir das als Instrument fürs Personalmarketing auch für Ihr Unternehmen gut vorstellen… Jetzt ist die Zeit, um Themen zu vertiefen, offene Fragen zu beantworten oder neue Aspekte zu erörtern. Sehr positiv, wenn der Personaler Anregungen von Ihnen bekommt, die er am liebsten sofort umsetzen würde. Zwar dürfen Sie Ihre altbekannten Stärken und Kompetenzen weiterhin betonen, aber noch mal den gleichen Vortrag wie beim ersten Mal sollten Sie nicht halten. Wenn Sie alles noch mal von vorne herunterspulen, wird Ihr Gegenüber den Eindruck haben, Sie hätten ihr Pulver schon verschossen und keine weiteren Ideen mehr auf Lager.

  4. Anspruch

    Verankern Sie dies in Ihrem Hinterkopf: Das erste Vorstellungsgespräch war die Pflicht, das zweite ist die Kür. Sie müssen jetzt also mindestens genauso gut vorbereitet sein, aber noch eine Spur kreativer und dynamischer zu Werke gehen, um das Publikum von sich zu überzeugen. Genauso wird es das Unternehmen nämlich auch sehen. Keine Seltenheit, dass es im zweiten Durchgang unangenehme Stress-, Fangfragen und Brainteaser serviert. Trainieren Sie ruhig ein paar davon, um Sicherheit zu gewinnen.

  5. Details

    Im zweiten Abschnitt dürfen Sie gerne in die Offensive gehen. Das kann konkret bedeuten: Werfen Sie profundes Fakten- und Fachwissen ein, nutzen Sie auch ein paar Fachtermini (aber nicht übertreiben). Auf der anderen Seite dürfte der Arbeitgeber selbst ebenfalls in die Tiefe gehen wollen. Nicht nur, was Ihre Branchenkenntnisse betrifft. Was ist Ihre Motivation? Was wollen Sie im Job erreichen? Wie wollen Sie das anstellen? Machen Sie sich dazu noch ein paar mehr Gedanken als vor dem ersten Talk.

  6. Mittagessen

    Als Bewerber sollten Sie niemals die Bedeutung des Cultural Fit unterschätzen. Sind mehrere Bewerber gleich gut, bekommt derjenige den Job, der besser ins Team passt. In Wahrheit bekommt er den Job sogar, wenn er fachlich etwas schlechter qualifiziert ist als der Stinkstiefel. Eine gute Gelegenheit, um herauszufinden, wer wirklich in die Gemeinschaft passt, ist ein Mittagessen. Zeigen Sie sich als Teamplayer, als jemand, mit dem man gut auskommt und zusammenarbeiten kann und will. Und den Knigge bitte nicht an der Rezeption abgeben. Fehlende Tischmanieren haben schon manchem Kandidaten den Job gekostet.

  7. Gehalt

    Irgendwann müssen die Gehaltskonditionen auf den Tisch. Wenn sie bis dato noch niemand angesprochen hat, dann ist jetzt der Zeitpunkt dafür. Sie sollten sich gut darauf vorbereiten – mit einer durchdachten Taktik. Informieren Sie sich über die branchenüblichen Gehälter in der Region und berechnen Sie Ihren Marktwert. Und Sie sollten den Verhandlungstopf füllen: Urlaubstage, Zuschläge, Dauer der Probezeit, Benefits wie Firmenhandy oder Tankgutschein. Je größer die Verhandlungsmasse, desto mehr Optionen gibt es, um beide Seiten zufriedenzustellen. Nach dem Motto: Ich verzichte auf 200 Euro, du gibst mir dafür drei Urlaubstage. Das nur als Beispiel. Aber bitte nicht das Gehalt nachverhandeln, wenn es schon im ersten Vorstellungsgespräch Thema war. Das lässt Sie als Geldgeier dastehen.

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Zweites Vorstellungsgespräch: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

  • Selbstüberschätzung

    Das zweite Vorstellungsgespräch ist noch nicht Teil des Onboardings. Sie haben den Job noch längst nicht in der Tasche. Machen Sie sich das bewusst. Wenn Sie zu arrogant und siegessicher auftreten, dann kostet Sie das massiv Sympathiepunkte. Und ohne die wird es schwierig, die Stelle zu bekommen. Wenn Sie hochkonzentriert zu Werke gehen, machen Sie außerdem weniger Fehler.

  • Unlust

    Jedes Unternehmen sucht Mitarbeiter, die für ihren Beruf brennen. Es reicht nicht, im ersten Vorstellungsgespräch Begeisterung vorzuspielen und im zweiten jegliche Euphorie vermissen zu lassen. Man könnte Sie für berechnend halten. Und: Sind Sie immer noch hochmotiviert, wenn die Aufgaben anspruchsvoller und die Rahmenbedingungen rauer werden? Der Personaler wird Sie testen.

  • Widersprüche

    Ihre Bewerbung muss stringent sein. Vorstellungsgespräch eins und zwei sind – von Ihren Grundaussagen – deckungsgleich. Vor allem, was Angaben zu Ihrem Lebenslauf, Ihren Tätigkeiten oder Gehaltsvorstellungen angeht. Verwickeln Sie sich in Widersprüche, wittert Ihr Gegenüber Lug und Trug. Schlagen Sie also nicht zum Beispiel 200 Euro auf Ihren Gehaltswunsch drauf. Dreist!

  • Wiederholung

    Das zweite Bewerbungsgespräch ist die Fortsetzung des ersten – aber nicht dessen Wiederholung. Sie müssen unbedingt frische Akzente setzen, thematisch in die Tiefe gehen. Mit anderen Worten: Sie müssen sich noch einmal steigern. Nur das Standardprogramm herunterspulen – das reicht nicht.

So beenden Sie das zweite Vorstellungsgespräch

Wahren Sie Disziplin – bis zur letzten Sekunde. Den flapsigen Spruch, der Ihnen jetzt auf der Zunge liegt, schlucken Sie besser herunter. Sie bedanken sich für das Gespräch, verabschieden sich mit einem kräftigen Händedruck und gehen von dannen.

Es wäre doch schade, sich durch eine unbedachte Äußerung oder irgendein anderes Malheur auf den letzten Metern noch um alle Chancen zu bringen.

Was Sie aber jetzt noch tun können: Sie können fragen, wie der weitere Ablauf ist und wann sie mit einer Antwort rechnen können. Oder mit wem Sie in Kontakt bleiben.

Aber setzen Sie Ihre Gesprächspartner dabei nicht unter Druck. Nach zwei Wochen dürfen Sie auch gerne im Unternehmen nachfragen, falls Sie es eilig haben – aber bitte nicht früher.

Zweites Vorstellungsgespräch: Ihre Chance!

Zweites Vorstellungsgespräch: Ihre Chance!Begreifen Sie das zweite Vorstellungsgespräch als Chance. Denn auch Sie selbst können das Unternehmen nochmals auf die Probe stellen, durch tiefergehende Rückfragen zum Beispiel.

Vielleicht fällt Ihnen auch etwas auf, das Ihnen in Runde eins entgangen war. Dicke Luft in der Belegschaft oder ein herrischer Chef zum Beispiel. Schauen Sie sich alles noch einmal ganz genau an: Räumlichkeiten, Kollegen, Umgangsformen. Wollen Sie hier wirklich tagein tagaus arbeiten?

Wenn die Antwort Auf keinen Fall! lautet, dann können sie im Nachgang noch immer höflich absagen. Für Sie hätte sich das zweite Vorstellungsgespräch auch dann – trotz fehlenden Jobs – gelohnt.

[Bildnachweis: Dima Sidelnikov by Shutterstock.com]

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