Diskret bewerben: So gelingt es Ihnen

Diskret bewerben: Das ist vor allem dann wichtig, wenn sie noch in einem bestehenden Arbeitsverhältnis sind. Dann wollen sie nicht, dass Ihr aktueller Boss von Ihrem Vorhaben erfährt. Weil es negative Konsequenzen haben könnte, von Nichtachtung bis hin zu Mobbing. Wenn Sie die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, bekommt niemand etwas von Ihrer vertraulichen Bewerbung mit…

Diskret bewerben

Diskret bewerben: Bitte vertraulich behandeln

Es ist Ihr gutes Recht als Arbeitgeber, sich anderweitig umzusehen. Gefeuert werden können Sie jedenfalls nicht, nur weil Sie sich auf dem Arbeitsmarkt nach Alternativen erkundigt haben. Schließlich könnte es ja auch sein, dass Sie nur Ihren Marktwert austesten wollten.

Trotzdem: Die meisten Arbeitgeber sind not amused, wenn sie spitzkriegen, dass einer ihrer Schützlinge mit der Konkurrenz flirtet. Es dürfte ihm oder ihr als Illoyalität – vielleicht gar als Verrat – ausgelegt werden. Abgesehen davon, dass der Verlust einer wertvollen Kraft droht. Im schlimmsten Fall ist Ihr Chef sauer auf Sie, straft Sie mit Nichtachtung, degradiert oder mobbt Sie gar. Die andere Möglichkeit: Er umgarnt Sie, bietet Ihnen seinerseits eine Gehaltserhöhung oder andere Leckerli wie eine Beförderung an.

Aber wissen können das Bewerber in der Regel nicht. Die beste Strategie ist es daher, sich so diskret wie möglich bei der Konkurrenz umzusehen und zu bewerben. Das ermöglicht auch einen sanften Verbleib im Job, sollte es mit dem Stellenwechsel doch nicht klappen. Aber wie bewirbt man sich direkt? Karrieresprung sagt es Ihnen…




Diskrete Bewerbung mit Sperrvermerk

Kein Arbeitgeber wird erst eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben, bevor er Ihre Bewerbung lesen darf. Zumal Diskretion ohnehin zum Grundvokabular der HR-Branche gehört. Wer hier zu offenherzig aus dem Nähkästchen plaudert, beschädigt seine Reputation.

Aber: Sie haben durchaus die Möglichkeit, Ihre Bewerbung mit einem sogenannten Sperrvermerk zu versehen. Diesen Begriff gibt es in unterschiedlichen Zusammenhängen:

  • Öffentliche Haushalte: Erst nach Aufhebung des Sperrvermerks dürfen die Gelder für einzelne Positionen ausgegeben werden.
  • Pressemitteilungen: Auch sie enthalten häufig eine Sperrfrist. Wenn diese abgelaufen ist, ist eine Veröffentlichung zulässig – vorher nicht.
  • E-Mail: Mit einem Sperrvermerk kann die Weitergabe oder Vervielfältigung untersagt werden.

Auch in der Bewerbung ist der Sperrvermerk ein legitimes Instrument. Er steht am Anfang eines Dokuments, damit der Empfänger ihn nicht übersieht. Dafür eignet sich:

Sie integrieren den Sperrvermerk also entweder in den Betreff. Das sieht dann relativ förmlich aus, steht aber praktischerweise ganz am Anfang. Oder Sie bitten im Schlusssatz höflich um Vertraulichkeit. Das können Sie auch in Fettschrift machen. Beispielformulierungen folgen…

Bitte um Vertraulichkeit: Formulierungsbeispiele

Im Betreff Ihres Anschreibens bieten sich diese Formulierungen an:

Im Schlusssatz Ihres Anschreibens können Sie etwas ausführlicher auf die Thematik eingehen. Zum Beispiel so:

  • Ich befinde mich derzeit in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis. Daher bitte ich Sie, diese Bewerbung vertraulich zu behandeln. Wenn Sie mich zurückrufen möchten, dann melden Sie sich bitte abends ab 19 Uhr unter der oben angegebenen Nummer.
  • Bitte behandeln Sie meine Bewerbung vertraulich.
  • Ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass ich den Namen meines aktuellen Arbeitgebers aufgrund meines ungekündigten Arbeitsverhältnisses noch nicht nennen möchte.

Kleiner Tipp: Bitten Sie nicht um Diskretion oder um einen Sperrvermerk, sondern um Vertraulichkeit bzw. darum, die Bewerbung vertraulich zu behandeln. Das ist das Gleiche in grün – klingt aber zeitgemäßer.

Und wenn Sie besonders vorsichtig sein wollen, weil Sie etwa um die Geschwätzigkeit in Ihrer Branche wissen, dann können Sie den Namen Ihres aktuellen Arbeitgebers auch ganz aus der Bewerbung entfernen. Statt der Mustermann AG steht dort nur noch „Börsennotiertes Unternehmen“ – oder noch vager: „Größeres Unternehmen“. Arbeits- und Zwischenzeugnisse lassen Sie dann folgerichtig ebenfalls weg.

Hier einige Formulierungshilfen:

  • Momentan arbeite ich in einem größeren Unternehmen der Immobilienbranche.
  • Ich bin derzeit in einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen tätig.
  • Aktuell bin ich bei einem Weltmarktführer im Hochtechnologie-Bereich beschäftigt.

Diskret bewerben: 4 Tipps für die Jobsuche

Verschwiegenheit ist eine Tugend. Gerade im Bewerbungsprozess sollten Sie nicht zu früh zu viel preisgeben. Behalten Sie Ihr Vorhaben für sich und vertrauen Sie es nur ausgewählten Personen an – aus dem eigenen Unternehmen am besten niemandem.

Eine gesunde Portion Misstrauen kann in diesem Szenario Gold wert sein. Nicht selten hat sich eine gute Kollegin als Intrigantin entpuppt, ein Kumpel als Plappermaul. Und wer weiß, vielleicht empfindet ein Kollege Ihre Abwanderungsgedanken ja als Verrat – und tratscht es mit astreinem Gewissen weiter.

Halten Sie sich an diese 4 Ratschläge, wenn Sie sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus bewerben:

  1. E-Mail-Adresse

    Der Anfängerfehler schlechthin: Schicken Sie Ihre Bewerbung um Himmels willen nicht von Ihrer beruflichen E-Mail-Adresse aus ab. Das wäre entweder dreist oder dumm. Beides Charakterzüge, die auch Ihr neuer Arbeitgeber nicht schätzen dürfte. Nehmen Sie Ihre private Adresse. Aber eine, die seriös klingt und optimalerweise Ihren Namen beinhaltet: max.mustermann@gmail.com.

  2. Gewohnheiten

    Bleiben Sie Ihren Routinen und Gewohnheiten treu. Wenn Sie bislang immer im Casual-Look zur Arbeit gekommen sind, dann werfen Sie sich jetzt nicht auf einmal den feinen Zwirn über. Wenn Sie der Typ überpünktlich sind, dann kommen Sie jetzt nicht plötzlich ständig zehn Minuten zu spät. Wenn Sie die Mittagspause immer mit den Kollegen verbracht haben, dann suchen Sie jetzt nicht regelmäßig das Weite. Solche Verhaltenswiesen können Verdacht wecken. Und das wollen Sie nicht. Sie wollen unentdeckt bleiben – allein schon Ihrer Nerven wegen. Trennen Sie Job und Jobsuche – so sollte es ja auch sein. Verlegen Sie Letzteres in Ihren Feierabend und aufs Wochenende. Dafür haben Headhunter Verständnis. Wenn es gar nicht anders geht, dann telefonieren Sie in der Mittagspause im Freien oder in Ihrem Auto.

  3. Sorgfalt

    Das sind auch Anfängerfehler: Lebensläufe oder Anschreiben, die Sie für die Jobsuche vorbereitet haben, auf dem Schreibtisch liegen lassen. Aber im Eifer des Gefechts kann so etwas schon mal passieren. Denn nicht immer kann der Personaler oder Headhunter auf den Feierabend warten. Beseitigen Sie rechtzeitig Ihre Spuren. Keine Kontaktdaten auf Post-its kritzeln und dann im Büro liegenlassen. Keine PDFs auf Ihrem Rechner speichern. Notieren Sie sich Wichtiges direkt in Ihrem Smartphone. Bewerbungsunterlagen schicken Sie entweder von Ihrem Rechner zuhause – oder unterwegs vom Smartphone.

  4. Kündigung

    Mündliche Zusagen sind gut, Verträge sind besser. Auf das Wort eines Personalers können Sie sich im Regelfall verlassen, ja. Ihren alten Job kündigen sollten Sie aber wirklich erst dann, wenn alles unter Dach und Fach ist. Sprich: Wenn der neue Vertrag vorliegt und unterschrieben ist. Im Worst Case sind Sie beides los: den alten und den neuen Job. Und Sie erhalten nicht mal Arbeitslosengeld, wenn Sie von sich aus gekündigt haben. Lassen Sie sich außerdem nicht vom neuen Arbeitgeber drängen – sondern den Arbeitsvertrag von einem Arbeitsrechtler prüfen. Wenn alles korrekt ist, unterschreiben Sie. Danach kündigen Sie Ihren alten Job. Das ist die professionelle Vorgehensweise. Und Professionalität erwartet ja schließlich auch der neue Arbeitgeber von Ihnen…

Bewerbung: Sie haben ein Recht auf Diskretion!

Diskret bewerben vertraulichJuristen wissen: Ihre Bewerbungsunterlagen enthalten personenbezogene Daten. Diese sind besonders schutzwürdig. Die Verantwortung für die Daten liegt beim Unternehmen, dem Sie Ihre Bewerbung zugeschickt haben.

Das Unternehmen hat die Pflicht, Ihre Daten vertraulich zu behandeln. Es muss sie vor unbefugtem Zugriff schützen, darf sie etwa nicht öffentlich zugänglich herumliegen lassen. Einsehen dürfen die Unterlagen nur Mitarbeiter des Unternehmens, die mit dem Einstellungsvorgang betraut sind.

Kommt es zu keiner Einstellung, darf das Unternehmen die Bewerbungsunterlagen NICHT behalten. Es muss sie entweder zurücksenden oder vernichten. Will es die Unterlagen behalten, müssen Sie als Bewerber ausdrücklich zustimmen.

[Bildnachweis: KAMPUS by Shutterstock.com]

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