Arbeitszeugnis: Geheimcodes, Beispiele, Tipps

Arbeitszeugnisse sind wichtige Dokumente. Sie können im Einzelfall über Wohl und Wehe der gesamten Berufslaufbahn entscheiden. Daran ändert auch nichts, dass ein Arbeitszeugnis per Gesetz wohlwollend sein MUSS. Dafür gibt es geheime Botschaften und Chiffres, die nur oberflächlich gut klingen. Aber nicht alle sind jedem bekannt. Das müssen Sie über das Arbeitszeugnis wissen…

Arbeitszeugnis: Das ist wichtig

Ein Abeitszeugnis muss wohlwollend formuliert sein – darum liest sich so gut wie jedes auf den ersten Blick ganz gut. Wer aber mit geschärftem Blick draufschaut, kann oft die eine oder andere Verstimmung herauslesen. Dabei wollen wir Ihnen helfen.

Denn: All Ihre Arbeitszeugnisse werden Sie über Ihr gesamtes Berufsleben hinweg begleiten. Jede neue Bewerbung bringt Ihre Zeugnisse abermals ans Licht.

Auch sind Arbeitszeugnisse bei Personalverantwortlichen überaus beliebt. Es lässt sich eine Menge ihn ihnen entdecken. Mitunter bilden Arbeitszeugnisse auch ein Kontrastprogramm zu den – durch die Bank – überschwänglichen Bewerbungsschreiben.

Denn das Arbeitszeugnis stammt – in den meisten Fällen jedenfalls – aus der Feder eines Dritten. Es ist also unabhängig. Auf diese 5 Punkte achten Personaler in einem Arbeitszeugnis am meisten:

  1. Formale Kriterien
  2. Kompetenzen des Bewerbers
  3. Übereinstimmung mit dem tabellarischen Lebenslauf
  4. Zeugniscodes und Warnsignale
  5. Leistungen im Zeitverlauf



Arbeitszeugnis: Auf diese Formulierungen kommt es an

Wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis in Händen halten, kommen Sie sicher nicht auf die Idee, der Personaler hat Ihnen gegenüber Vorbehalte. Das ist aber gut möglich. Denn die Geheimcodes und versteckten Chiffren, die in Zeugnissen lauern, lesen sich oberflächlich gar nicht so übel.

Es gibt viele solcher Geheimbotschaften, die Unternehmen vor einem Kandidaten warnen sollen (siehe auch dieses PDF).

Tipp für Arbeitnehmer: Achten Sie darauf, ob eine Aussage doppeldeutig sein kann. Einige Beispiele:

  • Sie hat Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.
    Übersetzung: Die Dame ist eine Diva.
  • Er war bei den Kunden überaus beliebt.
    Übersetzung: Der Typ kann nicht verhandeln.
  • Sie bemühte sich, den Anforderungen des Unternehmens gerecht zu werden.
    Übersetzung: Sie ist praktisch nicht zu gebrauchen.
  • Sie verfügt über ein sehr gutes Einfühlungsvermögen und konnte sich in die Belange der Belegschaft sehr gut hineinversetzen.
    Übersetzung: Die Frau flirtete unentwegt.
  • Er war sehr gesellig, was zur Verbesserung des Betriebsklimas beitrug.
    Übersetzung: Der Mann ist dem Alkohol nicht abgeneigt.
  • Mit großem Elan machte sie sich an ihre Aufgaben.
    Übersetzung: Sie verursachte nichts als Chaos.
  • Er war sehr tüchtig und in der Lage, seine Meinung zu vertreten.
    Übersetzung: Der Mann kann keine Kritik vertragen.
  • Sie legte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten an den Tag.
    Übersetzung: Sie ist etwas zu forsch und hat keine Manieren.
  • Er war sehr umgänglich und kontaktbereit.
    Übersetzung: Bei den Kollegen war er äußerst unbeliebt.
  • Sie war durch ihre Pünktlichkeit ein gutes Beispiel.
    Übersetzung: Mehr als pünktlich war sie aber leider nicht.
  • Er verstand es, seine Aufgaben erfolgreich zu delegieren.
    Übersetzung: Ein Faulpelz, der andere für sich arbeiten lässt.
  • Sie zeigte für ihre Arbeit Verständnis und Interesse.
    Übersetzung: Gearbeitet hat sie deswegen noch lange nicht.
  • Wir wünschen ihr alles Gute und Gesundheit!
    Übersetzung: Es kam mehr als einmal vor, dass sie krankheitsbedingt gefehlt hat.
  • Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute und vor allem Erfolg.
    Übersetzung: Erfolg hatte er hier nämlich keinen.

Arbeitszeugnis Geheimcodes: Übersetzungen

Ein Arbeitszeugnis ist einem Schulzeugnis gar nicht so unähnlich. Denn auch Arbeitszeugnisse enthalten Schulnoten. Nur werden diese besser versteckt.

Beispielsweise deuten Begriffe wie „stets“, „zur vollsten Zufriedenheit“ oder „zur vollen Zufriedenheit“ auf gute Noten hin.

Wenn Sie dagegen das Wörtchen „bemüht“ in Ihrem Arbeitszeugnis ausfindig machen, sollten Sie hellhörig werden. Es bedeutet meist nichts Gutes.

So erkennen Sie Ihre Note im Arbeitszeugnis:

Sie/er erfüllte ihre/seine Aufgaben…

  • stets zur vollsten Zufriedenheit – Note 1
  • stets zur vollen Zufriedenheit/zur vollsten Zufriedenheit – Note 2
  • zur vollen Zufriedenheit – Note 3
  • zur Zufriedenheit – Note 4
  • im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit – Note 5
  • sie/er hat sich bemüht – Note 6

Ein Arbeitszeugnis zu entschlüsseln, ist tricky: Manchmal sind es nur sprachliche Feinheiten, die ein erstklassiges Papier von einer Demütigung unterscheiden. Hier haben wir noch weitere Geheimcodes für Sie zusammengetragen:

  1. Arbeitszeugnis: Note 1

    • Sie/er erledigte ihre/seine Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Sie/er erzielte hervorragende Arbeitsergebnisse und legte ein außergewöhnliches Engagement an den Tag.
    • Sie/er verfügt über ausgezeichnete und fundierte Fachkenntnisse.
    • Sie/er verstand es, die Kollegen in allerbester Weise zu überzeugen und zu motivieren.
    • Sie/er war in höchstem Maße zuverlässig.
    • Sie/er war im Umgang mit Mitarbeitern und Vorgesetzten stets freundlich, zuvorkommend und korrekt.
    • Mit ihren/seinen Leistungen war unser Unternehmen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
    • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und in allerbester Weise entsprochen.
    • Sie/er verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Dies bedauern wir außerordentlich.
  2. Arbeitszeugnis: Note 2

    • Sie/er erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Sie/er arbeitete stets zuverlässig und äußerst gewissenhaft.
    • Sie/er zeigte hohes Engagement und erzielte beste Arbeitsergebnisse.
    • Sie/er zeigte stets überdurchschnittliche Initiative und Arbeitsqualität.
    • Ihr/sein Verhältnis zu Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kunden war stets einwandfrei.
    • Sie/ er hat den Erwartunen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.
  3. Arbeitszeugnis: Note 3

    • Sie/er erledigte die zugeteilten Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.
    • Sie/er arbeitete gewissenhaft und zuverlässig.
    • Sie/er war bei der Arbeit sorgfältig und genau.
    • Sie/er zeigte Initiative und Engagement.
    • Sie/er verfügt über solide Fachkenntnisse.
    • Ihr/sein Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich.
    • Sie/ er erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.
    • Mit ihren/seinen Leistungen waren wir jederzeit zufrieden.
  4. Arbeitszeugnis: Note 4

    • Sie/er erledigte die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.
    • Sie/er erledigte alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß.
    • Sie/er hat unseren Erwartungen entsprochen.
    • Sie/er zeigte keine Unsicherheiten bei der Ausführung der Aufgaben.
    • Ihre/seine Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.
    • Sie/er erledigte alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit.
    • Sie/er war immer mit Interesse bei der Sache.
    • Ihr/sein persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei.
    • Mit ihren/seinen Leistungen waren wir zufrieden.
  5. Arbeitszeugnis: Note 5

    • Sie/er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.
    • Sie/er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.
    • Sie/er bemühte sich um zuverlässige Arbeitsweise.
    • Sie/er war den Belastungen gewachsen.
    • Sie/er erledigte die Arbeiten mit Fleiß und dem Willen, sie termingerecht zu beenden.
    • Sie/er entsprach im Allgemeinen den Anforderungen.
    • Sie/er hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.
    • Sie/er war in der Regel erfolgreich.
    • Sie/er legte nach Anleitung Fleiß und Ehrgeiz an den Tag.
    • Ihr/sein Verhalten war ohne Tadel.
    • Sie/er hat unseren Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.
    • Sie/er verlässt unser Unternehmen in gegenseitigem Einvernehmen.

Arbeitszeugnis Definition: Einfach oder qualifiziert?

All diese Formulierungen (bzw. manche davon) stehen in einem qualifizierten Arbeitszeugnis. In einem einfachen Arbeitszeugnis werden Sie derartige Geheimcodes nicht entdecken.

Der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Arbeitszeugnis:

  • Einfaches Zeugnis: Es beinhaltet ausschließlich sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten wie den Zeitraum und die Art und Erfüllung der Aufgaben.
  • Qualifiziertes Zeugnis: Hier kommt neben den nackten Fakten auch die Beurteilung zur Sprache. Wie war die Leistung des Arbeitnehmers? Was für ein Sozialverhalten hat er an den Tag gelegt?

Geheimcodes im Arbeitszeugnis: Noch mehr Beispiele

Kennen Sie schon diese Formulierungen? Wir sagen Ihnen, was sie in Wahrheit bedeuten:

  • Bei unseren Kunden war er sehr beliebt.
    Übersetzung: Er machte in Verhandlungen zu viele Zugeständnisse.
  • Sie hatte die Gelegenheit, sich viel Fachwissen anzueignen.
    Übersetzung: Sie hätte sie nur nutzen müssen.
  • Er brachte Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen mit.
    Übersetzung: Mit seiner großen Klappe wollte er seine Ahnungslosigkeit kaschieren.
  • Innerhalb und außerhalb des Unternehmens trat er engagiert für die Interessen der Kollegen ein.
    Übersetzung: Er war aktives Mitglied der Gewerkschaft.
  • Alle Aufgaben löste er in seinem Interesse und dem der Firma.
    Übersetzung: Er hat geklaut und schwere Vergehen begangen.
  • Alle Aufgaben erledigte er pflichtbewusst und ordnungsgemäß.
    Übersetzung: Nur leider ohne jede Eigeninitiative.
  • Großes Einfühlungsvermögen bewies er für die Belange der Belegschaft.
    Übersetzung: Er war ständig auf der Suche nach Sexualkontakten.
  • Er war außerordentlich tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.
    Übersetzung: Ein Angeber und Wichtigtuer.
  • Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich.
    Übersetzung: Sie hatte Probleme mit dem Chef (weil der erst nach den Kollegen erwähnt wird).
  • Seinen Mitarbeitern gegenüber war er jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter.
    Übersetzung: Er verfügt über keinerlei Autorität.
  • Ihre Aufgaben verstand sie erfolgreich zu delegieren.
    Übersetzung: Eine Faulenzerin vor dem Herrn.
  • Sie arbeitete mit größter Genauigkeit.
    Übersetzung: Eine langsam arbeitende Pedantin und Erbsenzählerin.

Zeugnissprache: Neuen Formulierungen und Geheimcodes

Vorweg: Nicht jede unglückliche Formulierung entspringt der Boshaftigkeit Ihres Arbeitgebers. Manchmal ist es reiner Zufall oder es stecken Schusseligkeit oder Eile dahinter. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber darauf an, wenn Sie das Gefühl haben, dass ihm mit Ihnen auch so etwas unterlaufen ist.

In manchen Fällen aber steckt durchaus pure Absicht hinter eine bösen Botschaft. Wenn der Chef dem alten Mitarbeiter partout noch einen Knüppel zwischen die Beine werfen und ihm nachträglich einen verbalen Hieb verpassen will.

Deshalb hier noch ein paar Hinweise, wie Sie Chiffren durchschauen können:

  1. Fehlende Bewertung

    Was erwarten Sie von einem Art Director? Kreativität und Teamfähigkeit natürlich. Und von einem Controller? Akkuratesse und Sorgfalt sind sicher nicht ganz unwichtig. Wenn diese entscheidenden Bewertungen fehlen, könnte Absicht dahinterstecken. Ein Arbeitgeber, der einem Mitarbeiter kein gutes Zeugnis gönnt, lässt die Aussagen zur entscheidenden Qualifikation einfach weg. Darum: Wichtig ist nicht nur, was im Zeugnis steht, sondern auch, was fehlt!

  2. Betonung von Irrelevantem

    Das geht in eine ähnliche Richtung wie Punkt 1. Wenn Sie ein Arbeitgeber zum Beispiel im Arbeitszeugnis überschwänglich für Ihren „sparsamen Umgang mit Büromitteln“ lobt, werden Sie dann nicht trotzdem misstrauisch? Was oberflächlich wie ein Lob klingt, kann in Wahrheit eine subtile Spitze sein. Nach dem Motto: Sonst ganz ok, aber bei der eigentlichen Arbeit nicht zu gebrauchen.

  3. Negative Formulierung

    Eine negative Formulierung im Arbeitszeugnis sollte Sie prinzipiell stutzig machen. Dazu zählen Begriffe wie „kein“, „nicht“, „fast“, die eine Formulierung nur scheinbar ins Positive drehen. Beispiel: „Sein Arbeitseinsatz ließ nicht zu wünschen übrig.“ Warum betont man etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte? Falls der Arbeitseinsatz wirklich tadellos war, dann kann man es weglassen. So aber klingt es irgendwie zweideutig.

Arbeitszeugnis: Warum Abschlussformeln wichtig sind

Ihre Gesamtleistung auf eine Formel bringen – genau das bewerkstelligt die Abschlussformel. Meist sind es nur zwei oder drei Sätze, die ganz am Ende des Arbeitszeugnisses stehen. Doch sie sind dominant – und können alles andere mühelos überdecken.

Die Abschlussformel kann das zuvor Geschriebene entweder bestätigen und betonen – oder aber mit einem Federstrich widerlegen. Und wichtig: Die Abschlussformel ist – laut Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts – freiwillig.

Der Arbeitgeber hat es also in der Hand, dem Arbeitnehmer einen Stolperstein in den weiteren Berufsweg zu legen oder ihm Brücken zu bauen. Fehlt die Abschlussformel, kann das als negatives Zeichen interpretiert werden.

Denn was spricht schon dagegen, jemandem für die Mitarbeit zu danken und ihm weiterhin alles Gute zu wünschen?

Hier zwei Beispiele:

  • Version 1:
    Frau Rademacher verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und bedanken und für ihre stets guten und überaus engagierten Leistungen. Für ihre berufliche und private Zukunft wünschen wir ihr weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
  • Version 2:
    Frau Rademacher verlässt unser Unternehmen in beiderseitigem Enverständnis zum 31.12.2017. Wir bedauern dies und bedanken uns gleichzeitig für ihre Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir privat und beruflich viel Erfolg.

Der Unterschied liegt im Detail, und ist doch frappierend. Bei Version 1 handelt es sich um gute Wünsche, die offenbar auch so gemeint sind. Version 2 klingt nett, ist es aber nicht.

Abschlussformel: Wie ist sie aufgebaut?

Die Abschlussformel ist meist ähnlich aufgebaut und gegliedert. Sie besteht aus diesen vier Teilen:

  • Trennungsgrund

    Steht im Arbeitszeugnis Auf eigenen Wunsch…, dann hat der Mitarbeiter selbst die Trennung veranlasst (zum Beispiel durch ein eigenes Kündigungsschreiben). In gegenseitigem Einverständnis deutet auf eine Kündigung seitens des Arbeitgebers hin.

  • Danksagung

    Das Unternehmen bedankt sich in der Regel für die Zusammenarbeit und die erbrachten Leistungen des Arbeitnehmers. Fällt der Dank sehr positiv aus, ist das ein gutes Zeichen. Fehlt ein Dankeschön komplett, ist das ein schlechtes Zeichen.

  • Bedauern

    Auch ein Ausdruck des Bedauerns gehört in ein gutes Arbeitszeugnis. Kein Unternehmen lässt einen wertvollen und verdienten Mitarbeiter einfach so ziehen. Beinhaltet das Arbeitszeungis gar kein Zeichen des Bedauerns, scheint er wohl auch keine so überragende Kraft – und vielleicht nicht mal sonderlich beliebt – gewesen zu sein.

  • Wünsche

    Gute Wünsche mit auf den weiteren Berufs- und Lebensweg geben – auch das gehört meist dazu. Fehlen jegliche Wünsche, ist das nicht so gut. Aber: Grundsätzlich auf die Formulierung achten!

Eine Abschlussformel könnte zum Beispiel so aussehen:

Herr Körbel verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 31.12.2017. Seine Entscheidung bedauern wir sehr. Wir danken ihm für die stets gute Zusammenarbeit ud wünschen ihm auch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.

Eine Abschlussformel, mit der Herr Köbel sicherlich gut leben kann. Die Formulierung ist durch und durch positiv. Das ist nicht immer so. Kleine Feinheiten können darüber entscheiden, wie eine Abschlussformel – und damit das gesamte Arbeitszeugnis – wahrgenommen wird. Zum Beispiel diese:

  1. Wörter auswählen

    Nicht jeder positiv besetzte Begriff ist positiv gemeint. Ein gutes Beispiel: Wir wünschen ihm oder ihr viel Glück. Glück ist etwas, das vor allem Menschen brauchen, denen die nötigen Kompetenzen fehlen. Nach dem Motto: Ohne Glück wird er oder sie es schwer haben. Drauf achten!

  2. Satz umstellen

    Auch hier sind es wieder die klitzekleinen Nuancen, die einem Zeugnis einen anderen Dreh geben. Beispiel: Wir wünschen weiterhin viel Erfolg… und Weiterhin wünschen wir viel Erfolg… Der gleiche Satz, die gleichen Vokabelen, nur geringfügig umgestellt – und schon ergibt sich eine ganz andere Bedeutung. Version 1 legt nahe, dass der Mitarbeiter gute Leistungen gebracht hat und dies auch weiterhin tun wird. Version 2 dagegen, dass es zum Erfolg bislang noch nicht gereicht hat.

  3. Intensität abschwächen

    Das ist der wohl wichtigste Parameter, den Unternehmen ändern können. Er gibt den Ausschlag darüber, ob ein Arbeitszeugnis mittelmäßig, gut oder sehr gut ausfällt. Begriffe wie sehr, besonders, groß, stets oder immer werten das Zeugnis auf – genauso wie engagiert, motiviert oder erfolgreich.

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Arbeitsrecht Zeugnissprache: Diese ist verboten

Wenig verwunderlich: Die Geheimbotschaften und versteckten Chiffres in Arbeitszeugnissen sorgen regelmäßig für handfesten Streit – auch vor Gericht. Denn: Arbeitnehmer können sich gegen Negativurteile wehren – diese sind verboten.

Es gibt nur eine Ausnahme: Wenn das Fehlverhalten zweifelsfrei erwiesen ist – Diebstahl oder Untreue zum Beispiel – darf das im Arbeitszeugnis Erwähnung finden. Mehr noch, es muss sogar im Zeugnis vorkommen – auch in Form harter Formulierungen.

Wenn nämlich der künftige Arbeitgeber darüber getäuscht wird, einen Betrüger einzustellen und deshalb zu Schaden kommt, kann er vom alten Arbeitgeber Schadenersatz verlangen.

Bedeutet: Ein Unternehmen, das weitreichende Leistungsmängel eines ehemaligen Beschäftigten verschweigt, macht sich regresspflichtig.

In punkto Arbeitsrecht sollten Sie diese Urteile beachten:

  • Versteckte Hinweise

    Versteckte Hinweise im Arbeitszeugnis sind nicht zulässig. Im konkreten Fall stand dieser Satz im Zeugnis: „Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von XY hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der für uns geleisteten Arbeit zur Verfügung.“ Das Arbeitsgericht Herford ließ die Passage streichen (2 Ca 1502/08). Sie suggeriert nämlich, dass der betroffene Arbeitnehmer in Wahrheit keineswegs so gut war wie sein Arbeitszeugnis.

  • Krakelige Unterschrift

    In einem Fall, den das Landesarbeitsgericht Hamm behandelte (LAG Hamm, 27.7.2016, Az 4 Ta 118/16), gab es Streit über die äußere Form des Arbeitszeugnisses. Der Geschäftsführer hatte das Zeugnis keineswegs in seiner Sonntagsschrift unterschrieben – die Unterschrift war extrem krakelig und kippte von links oben nach rechts unten. Das ist laut LAG Hamm unzulässig. Zum Einen müsse die Unterschrift derjenigen ähneln, mit der der Geschäftsführer auch wichtige betriebliche Unterlagen abzeichnet. Zum Anderen könnte eine abfallende Unterschrift – eine, die ben nicht parallel zum Zeugnistext verläuft – darauf hindeuten, dass man mit dem Arbeitnehmer unzufrieden gewesen sei.

  • Schlechte Note

    Wichtiges Detail: Ein schlechtes Arbeitszeugnis muss der Arbeitgeber begründen, für ein gutes oder sehr gutes gilt die Beweisumkehr – hier muss der Arbeitnehmer die Beweise auf den Tisch legen (BAG-Urteil, 9 AZR 584/13). Im entsprechenden Fall ging es vor dem Arbeitsgericht Berlin darum, dass die Klägerin ein gutes Zeugnis verlangte – weil mittlerweile 86,6 Prozent aller Arbeitszeugnisse „gut“ oder „sehr gut“ seien. Erfolg hatte sie damit vor Gericht aber nicht.

  • Keine Banalitäten

    Ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend sein. Darunter fallen aber keine Selbstverständlichkeiten – zum Beispiel der sichere Umgang mit dem Textverarbeitungsprogramm Word. Wer derartige Banalitäten betont, sorgt subtil dafür, dass doch ein schlechter Eindruck hängenbleibt. Das Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 9 Ta 325/10) kassierte zum Beispiel diese Formulierung ein: „Die Zusammenarbeit mit Mandanten und Vorgesetzten war einwandfrei.“ Wie wirkt der Satz auf Sie? Die Richter meinen, er unterstelle mangelnde Teamfähigkeit.

Die (automatische) Silbentrennung ist im Arbeitszeugnis hingegen zulässig. Eine Verwaltungsangestellte hatte geklagt. Sie meinte, als Sekretärin müsse die die fehlerfreie Erstellung von Texten garantieren – einwandfreies Schrriftbild inklusive. Die Silbentrennung würde dem zuwiderlaufen.

Die Klage wurde abgelehnt. Für Arbeitnehmer heißt das: Sie dürfen die automatische Silbentrennungsfunktion guten Gewissens einsetzen, wenn Sie ein Arbeitszeugnis erstellen.

[Bildnachweis: ASDF_MEDIA by Shutterstock.com]

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