Arbeitszeugnis Formulierungen: Alle Bedeutungen, Noten, Beispiele

Arbeitszeugnis-Formulierungen sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Harte Kritik werden Sie in keinem Arbeitszeugnis sehen. Sie ist nämlich gar nicht zulässig. Umso wichtiger ist es, all die kleinen Gemeinheiten und Seitenhiebe zu erkennen, die Ihnen der Vorgesetzte zwischen den Zeilen mitgegeben hat. Arbeitszeugnis Formulierungen: Das bedeuten sie wirklich…

Arbeitszeugnis Formulierungen

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis soll prinzipiell Auskunft geben über…

  • Arbeitsbereitschaft
  • Arbeitsbefähigung
  • Arbeitsweise
  • Arbeitserfolg
  • Gesamtleistung
  • Sozialverhalten

eines Mitarbeiters. Laut Gewerbeordnung muss ein Arbeitszeugnis dabei mehrere Bedingungen erfüllen. Das Zeugnis muss…

  • wahr
  • wohlwollend
  • vollständig

sein. Wohlwollend, um das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers nicht unnötig zu erschweren. Wahr, weil auch der künftige Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran hat, die erbrachten Leistungen eines Bewerbers richtig einschätzen zu können.

Und vollständig, damit alle für die Beurteilung eines Arbeitnehmers wichtigen Punkte Erwähnung finden. Das Zeugnis darf also keine offensichtlichen Lücken enthalten. Das Arbeitszeugnis einer Führungskraft ist ohne Beurteilung ihrer Führungsqualitäten unvollständig; über einen Kassierer möchte man gemeinhin wissen, wie es um seine Ehrlichkeit bestellt ist.

Offene Kritik ist somit in einem Arbeitszeugnis tabu – versteckte Kritik hingegen nicht. Zum Beispiel sind ironisch gemeinte Arbeitszeugnisse nach Einschätzung von Experten nicht zulässig.

Als Konsequenz hat sich in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte Geheimsprache für Arbeitszeugnisse herausgebildet. Personaler können anhand der Formulierungen im Arbeitszeugnis meist direkt entschlüsseln, was wirklich gemeint ist. Dabei gibt es zahlreiche Chiffren und Codes, die den unbedarften Leser bisweilen in die Irre führen.

Auch für die Bewerber selbst ist es wichtig, die wirklichen Aussagen ihrer eigenen Arbeitszeugnisse zu dekodieren. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Arbeitszeugnis-Formulierungen und ihre Bedeutungen…

Arbeitszeugnis Formulierungen: Bedeutungen

Arbeitszeugnisse können wie Engelszungen klingen, aber von Teufelshand gemacht sein. Denn wie gesagt: Offene Kritik ist gesetzlich tabu, dafür müssen Codierungen herhalten. So können herrlich klingende Worte in Wahrheit das glatte Gegenteil meinen. Gut, wenn Sie das als Arbeitnehmer erkennen!

Arbeitszeugnisse erfüllen somit nicht allein den Zweck, die Arbeitsleistung und das Sozialverhalten eines Beschäftigten zu bestätigen und ihm die Jobsuche zu erleichtern. Sie können auch eine Warnung an alle anderen Unternehmen da draußen sein. Achtung, den oder die auf keinen Fall einstellen!

Ein kleiner Trick entlarvt viele Schreiber als Scharlatane: Achten Sie in Ihrem Arbeitszeugnis auf doppeldeutige Formulierungen und kehren Sie sie in ihr Gegenteil um.

Hier sind einige Beispiele für missverständliche Arbeitszeugnis-Formulierungen:

Leistungsbeurteilung

  • Er machte sich mit großem Elan an die ihm übertragenen Aufgaben.
    Im Klartext: Ein Chaot vor dem Herrn!
  • Er bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.
    Im Klartext: Voll-Versager!
  • Er verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren.
    Im Klartext: Er war einfach nur faul und ließ andere für sich arbeiten.
  • Sie zeigte für ihre Arbeit Verständnis und Interesse.
    Im Klartext: Was nicht heißt, dass sie auch gearbeitet hätte.
  • Sie war durch ihre Pünktlichkeit ein gutes Beispiel.
    Im Klartext: Sie konnte nur pünktlich sein – sonst konnte sie leider nichts.
  • Sie arbeitete mit größter Genauigkeit.
    Im Klartext: Eine Pedantin, die allen den Nerv geraubt hat.
  • Er war bei Kunden schnell beliebt.
    Im Klartext: Er ist in Verhandlungen nicht zu gebrauchen.
  • Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit!
    Im Klartext: Er hat sie nötig, weil er andauernd krank ist.
  • Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, besonders Erfolg!
    Im Klartext: Weil er hier alles hatte, aber ganz bestimmt keinen Erfolg.
  • Er hat alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse erledigt.
    Im Klartext: Nur erfolgreich war er dabei nicht.
  • Die ihm übertragenen Aufgaben hat er zu unserer Zufriedenheit erledigt.
    Im Klartext: Eigeninitiative zeigte er keine.
  • Sie war stets nach Kräften bemüht, die ihr übertragenen Aufgaben zu unser Zufriedenheit zu erledigen.
    Im Klartext: Eine Nullnummer – die rhetorische Höchststrafe.

Sozialverhalten

  • Er hat großes Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.
    Im Klartext: Er ist mega-arrogant.
  • Seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.
    Im Klartext: Er gönnt sich auch während der Arbeit gerne mal ein Bierchen oder Kurzen.
  • Sie zeigte ein großes Einfühlungsvermögen für die Belange der Mitarbeiter.
    Im Klartext: Sie macht den Männern schöne Augen und flirtete, was das Zeug hielt.
  • Mit seinen Vorgesetzten kam er gut zurecht.
    Im Klartext: Ein Mitläufer und Schleimer.
  • Er trat engagiert für die Interessen der Kollegen auf.
    Im Klartext: Achtung, er engagiert sich im Betriebsrat!
  • Sie war in der Lage, ihre Meinung zu vertreten.
    Im Klartext: Eine völlig kritikunfähige Person.
  • Er hat eine erfrischende Art im Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen.
    Im Klartext: Umgangsformen wie aus der Gosse.
  • Er war umgänglich und kontaktbereit.
    Im Klartext: Niemand mochte ihn.
  • Sie war ihren Mitarbeitern stets eine verständnisvolle Vorgesetzte.
    Im Klartext: Sie verfügte über keinerlei Autorität.
  • Er wusste sich gut zu verkaufen.
    Im Klartext: Ein geltungssüchtiger Gernegroß, bei dem Wunschvorstellung und Realität weit auseinanderliegen.
  • Er bewies großes Einfühlungsvermögen in Bezug auf die Belange der Belegschaft.
    Im Klartext: Für ihn war der Arbeitsplatz mehr ein erotischer Abenteuerspielplatz, auf dem er auf die Pirsch gehen konnte.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Noten

Derart ausgeklügelt ist die Zeugnissprache, dass man in ihr auch Schulnoten erkennt. Das macht es den Personalbüros noch leichter, einen Bewerber einzuordnen. Das Zünglein an der Waage sind meist die unscheinbaren Wörtchen stets, zur vollsten und zur vollen.

Immer besorgniserregend sollte es sein, wenn Sie in Ihrem Arbeitszeugnis die Vokabel bemüht erspähen. Sie hat in der Regel nichts Gutes zu bedeuten. Wer sich bemüht, der kriegt nichts gebacken – so die Übersetzung.

So lesen Sie Schulnoten aus Ihrem Arbeitszeugnis: Sie/er erfüllte ihre/seine Aufgaben…

  • stets zur vollsten Zufriedenheit. Note 1
  • zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit. Note 2
  • zur vollen Zufriedenheit. Note 3
  • zur Zufriedenheit. Note 4
  • im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit. Note 5
  • Sie/er hat sich bemüht. Note 6

Auch aus einzelnen Formulierungen im Arbeitszeugnis gehen Noten hervor. So kann die Gesamtleistung des Mitarbeiters gut gewesen sein, sein Sozialverhalten aber nur ausreichend. Oder er hat in einzelnen Teilbereichen seiner Tätigkeit sehr gute Leistungen gebracht, in anderen nur befriedigende. Oft sind es Nuancen, die den Unterschied zwischen sehr gut und gut ausmachen. Hier sind beispielhafte Arbeitszeugnis-Formulierungen:

Arbeitszeugnis Formulierungen: Sehr gut (Note 1)

  • Sie/er erzielte herausragende Arbeitsergebnisse und zeigte außergewöhnliches Engagement.
  • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
  • Sie/er war in höchstem Maße zuverlässig.
  • Sie/er erledigte ihre/seine Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
  • Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war sie/er stets zuvorkommend, freundlich und korrekt.
  • Sie/er verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse.
  • Sie/er verstand es, in allerbester Weise die Kollegen zu überzeugen und zu motivieren.
  • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
  • Wir waren mit den Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
  • Sie/er verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir außerordentlich bedauern.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Gut (Note 2)

  • Sie/er erzielte beste Resultate und zeigte hohes Engagement.
  • Sie/er zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität und Eigeninitiative.
  • Sie/er arbeitete stets zuverlässig und äußerst gewissenhaft.
  • Sie/er erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
  • Ihr/sein Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war stets einwandfrei.
  • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Befriedigend (Note 3)

  • Sie/er arbeitete gewissenhaft und zuverlässig.
  • Sie/er zeigte Engagement und Initiative.
  • Sie/er war bei der Arbeit sorgfältig und genau.
  • Sie/er erledigte die zugeteilte Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.
  • Sie/er verfügt über solide Fachkenntnisse.
  • Ihr/sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kunden war vorbildlich.
  • Wir waren mit ihren/seinen Leistungen jederzeit zufrieden.
  • Sie/er erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Ausreichend (Note 4)

  • Sie/er hat alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.
  • Sie/er konnte die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigen.
  • Sie/er war stets mit Interesse bei der Sache.
  • Sie/er zeigte keine Unsicherheiten bei der Ausführung ihrer/seiner Aufgaben.
  • Sie/er hat alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
  • Ihre/seine Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.
  • Ihr/sein persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei.
  • Sie/er hat unseren Erwartungen entsprochen.
  • Wir waren mit ihren/seinen Leistungen zufrieden.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Mangelhaft (Note 5)

  • Sie/er war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht.
  • Sie/er hat sich im Rahmen ihrer/seiner Fähigkeiten eingesetzt.
  • Sie/er zeigte er sich den Belastungen gewachsen.
  • Sie/er hat alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
  • Sie/er zeigte nach Anleitung, Fleiß und Ehrgeiz.
  • Sie/er erledigte die Arbeiten mit Fleiß und dem Willen, sie termingerecht zu beenden.
  • Sie/er war in der Regel erfolgreich.
  • Sie/er hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.
  • Sie/er entsprach im Allgemeinen den Anforderungen.
  • Ihr/sein Verhalten war ohne Tadel.
  • Sie/er hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.
  • Sie/er hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.
  • Sie/er verläßt uns in gegenseitigem Einvernehmen.

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Arbeitszeugnis Formulierungen: 5 wichtige Kriterien

Arbeitszeugnis Formulierungen VerhaltenVersteckte Botschaften sind nicht das einzige, auf das es ankommt. Vor allem auf diese Punkte sollten Sie in Ihrem Arbeitszeugnis achten:

  • Kompetenzen: Das Arbeitszeugnis sollte die Kernkompetenzen des Mitarbeiters betonen und bestätigen. Im besten Fall decken sie sich mit jenen, die in der aktuellen Stellenanzeige vom künftigen Arbeitgeber eingefordert werden.
  • Lebenslauf: Die Angaben im Lebenslauf sollten mit jenen im Arbeitszeugnis deckungsgleich sein. Vor allem in punkto Zeitraum und Aufgabenbeschreibung kommt es immer wieder zu Diskrepanzen – nicht immer unabsichtlich.
  • Formalitäten: Dass ein Arbeitszeugnis formell sauber ist – mit Datum und Unterschrift etc. – sollte selbstverständlich sein. Ist es das nicht, könnte es auf mangelnde Wertschätzung – oder einen unprofessionellen Arbeitgeber – hinweisen.
  • Zeitverlauf: Man kann und sollte die einzelnen Arbeitszeugnisse miteinander vergleichen. Die spannende Frage dabei: Werden die Beurteilungen im Laufe der Zeit besser oder schlechter? Sie können sich denken, was sich ein Personalverantwortlicher wünscht…
  • Zeugniscodes: Was verrät es über den Bewerber, wenn man im Arbeitszeugnis zwischen den Zeilen liest? Über die wichtigsten Arbeitszeugnis-Formulierungen können Sie sich hier im Artikel schlau machen.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Abschlussformel

Personalentscheider haben oft keine Zeit. Und was machen sie, wenn sie in Zeitnot sind? Sie überfliegen die Bewerbungsunterlagen – und gucken beim Arbeitszeugnis nur auf die letzten zwei, drei Sätze. Dort findet man die Bewertung durch den Ex-Arbeitgeber in kondensierter Form.

Der Formulierung der Abschlussformel kommt daher eine immer größere Bedeutung zu. Ist die Gesamtbewertung gut, handelt es sich um einen brauchbaren Kandidaten. Ist sie schlecht, kann man ihn aussortieren – und sich die Einzelheiten sparen. Zwei, drei Sätze, die über Wohl und Wehe einer Bewerbung entscheiden können.

Ein wichtiger Hinweis: Rein rechtlich gesehen ist die Abschlussformel freiwillig. Ein Arbeitgeber ist also nicht verpflichtet, einem Mitarbeiter am Ende des Zeugnisses für seine Mitarbeit zu danken und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Der Arbeitnehmer kann eine Abschlussformel nicht einklagen.

Dies macht schon dessen Bedeutung klar: Fehlt die Abschlussformel, ist es ein schlechtes Zeichen. Vielleicht will der Arbeitgeber seinem scheidenden Mitarbeiter noch einen Leberhaken verpassen – oder er war ihm eine Abschlussformel schlicht nicht wert.

Andererseits kann man auch mit einer versteckt negativen Abschlussformel jemandem noch dezent einen Tritt in den Hintern verpassen. Eine beispielhafte Formulierung:

  • Frau Schulze verlässt unser Unternehmen zum TT.MM.JJJJ in beiderseitigem Einvernehmen. Wir danken für ihre Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir beruflich und privat viel Erfolg.

Viel kühler kann man eine Abschlussformel vermutlich nicht formulieren. Bedauern über ihr Ausscheiden? Kaum erkennbar. Stellt man die Sätze geringfügig um und ergänzt sie, klingen sie gleich ganz anders:

  • Frau Schulze verlässt unser Unternehmen zum TT.MM.JJJJ auf eigenen Wunsch. Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und danken ihr für ihre stets guten und engagierten Leistungen. Beruflich und privat wünschen wir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
Abschlussformel Aufbau

Abschlussformeln im Arbeitszeugnis folgen meist einem Schema. Sie sind in der Regel in diese vier Teile aufgegliedert:

  1. Trennungsgrund

    Wollte der Mitarbeiter von sich aus gehen und hat gekündigt? Darauf deutet die Formulierung auf eigenen Wunsch hin. Oder wurde er gegangen? Das ist beim Satzbaustein in gegenseitigem Einverständnis der Regelfall.

  2. Danksagung

    Unter normalen Umständen bedankt sich der Arbeitgeber für Arbeitseinsatz und gezeigte Leistungen. Doch ist die Lautstärke des Dankeschön nicht immer gleich – es kommt auf die Formulierung an. Fehlt eine Danksagung komplett, spricht das nicht für den Arbeitnehmer.

  3. Bedauern

    Gut, dass er weg ist! Das wird kein Arbeitgeber ins Arbeitszeugnis schreiben – es wäre auch gar nicht erlaubt. Aber indirekt kann die Aussage durchaus in diese Richtung gehen. Dann nämlich, wenn dem Unternehmen kein Ausdruck des Bedauerns über die Lippen bzw. die Tastatur kommt. Einen geschätzten Mitarbeiter lässt man nur ungern gehen – und drückt daher im Zeugnis sein Bedauern über dessen Weggang aus.

  4. Wünsche

    Einem Mitarbeiter dankt man normalerweise für das, was er für die Firma geleistet hat. Frau Schulze verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch, was wir sehr bedauern. Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr auch für die Zukunft viel Erfolg. Das wäre eine Formulierung, mit der man sehr gut leben kann.

Abschlussformel Bedeutung

Hier sind die Bedeutungen der Abschlussformel-Formulierungen im Arbeitszeugnis auf einen Blick:

  • Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und wünschen ihr für ihre Zukunft alles Gute.
    Bedeutet: Wir lassen die Mitarbeiterin nur äußerst ungern ziehen und hätten sie sehr gerne behalten.
  • Er verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern sein Ausscheiden und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.
    Bedeutet: Wir hätten den Mitarbeiter gerne behalten.
  • Sie verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch.
    Bedeutet: Die Mitarbeiterin ist kein großer Verlust.
  • Er verlässt unser Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen.
    Bedeutet: Dem Mitarbeiter wurde gekündigt.
  • Wir bedanken uns für seine Mitarbeit.
    Bedeutet: Wir freuen uns, dass wir ihn endlich los sind.
  • Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, auch Erfolg.
    Bedeutet: Bei uns hatte er keinen Erfolg und war ein Totalausfall.
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Arbeitszeugnis Formulierungen: Geheime Techniken

Nicht jeder Arbeitgeber ist ein Zeugnisprofi. Darum ist auch nicht jede unglückliche Formulierung böser Absicht entsprungen. Oft stecken einfach Unwissen, Schludrigkeit oder Bequemlichkeit dahinter. Darum ist es für Bewerber auch so wichtig, das Zeugnis nach Erhalt genau zu überprüfen.

Wenn Sie sich nichts vorzuwerfen haben und einen guten Draht zu Ihrem Chef haben, dann sprechen Sie ihn auf die ungünstigen Codes im Zeugnis an. Gut möglich, dass ihnen ein Missverständnis zugrunde liegt.

Möglich ist es aber auch, dass der Arbeitgeber Ihnen nachträglich noch eins auswischen will. Aus reiner Boshaftigkeit oder weil er sauer und enttäuscht über Ihren Weggang ist. Alles ist möglich.

Bei manchen Arbeitszeugnis-Formulierungen sollten Sie auf eine Korrektur bestehen. Schließlich werden Sie sich mit Ihren Zeugnissen noch jahrelang bewerben müssen.

Diese Techniken wenden Zeugnisschreiber oftmals an:

  • Passivsätze

    Diesen Rat kennt man noch aus dem Deutsch-Aufsatz in der Schule: Verwenden Sie nicht so viele Passivsätze! Auch im Arbeitszeugnis können sie darauf hindeuten, dass etwas nicht stimmt. Konkret: Dass es der Arbeitskraft an Eigeninitiative gemangelt hat. Die ihm übertragenen Aufgaben oder wurde damit und damit betraut – derartige Formulierungen können ein Hinweis sein. Das wirkt phlegmatisch, lust- und ambitionslos. Wenn jemand dagegen aktiv etwas gemacht, gerissen, bewerkstelligt, erreicht hat, gewinnt das Zeugnis gleich eine ganz andere Dynamik.

  • Lücken

    Lücken im Lebenslauf sind unschön. Im Arbeitszeugnis können sie ebenfalls sehr negativ wirken. Zum Beispiel dann, wenn in standardisierten Aussagen ein Element fehlt. Beispiel: Sein Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich. Eine rundum positive Aussage. Wenn es nun heißt, sein Verhältnis zu Kollegen war stets vorbildlich, klingt das auch noch gut. Aber etwas fehlt. Möglicherweise war sein Verhältnis zu den Vorgesetzten nicht ganz so gut…

  • Richtungswechsel

    Ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend sein. Umso härter wirken negative Formulierungen wie kein, nicht oder nie. Die sind im entsprechenden Kontext natürlich weiterhin erlaubt, aber drehen die Bewertung in eine negative Richtung. Beispiel gefällig? Seine Disziplin gab keinen Anlass zu Beanstandungen. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht irgendetwas damit auf sich hätte. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich eben doch um einen sehr undisziplinierten Mitarbeiter gehandelt hat. Oder: Sie war nie unpünktlich und fiel auch nie durch Unbeherrschtheiten auf. Das ist schon zu offensichtlich. In Wahrheit war sie ständig unpünktlich und ein Vulkan.

  • Wesentliches

    Lesen Sie zwischen den Zeilen. Achten Sie aber auch darauf, was NICHT im Arbeitszeugnis steht. Es kann entscheidend sein. Denn die Kommentare im Arbeitszeugnis sollten auch zu Ihnen und ihrer Stelle passen. Von einem Social Media Manager wird Kommunikations- und Organisationsstärke erwartet, von einem Grafikdesigner Kreativität und von einem Controller Genauigkeit. Die Kernkompetenzen sollten sich in der Bewertung wiederfinden. Werden sie durch Fachfremdes ersetzt oder ganz weggelassen, ist das ein schlechtes Zeichen.

  • Übertreibung

    Nicht nur Hobby-Satiriker wissen: Eine Übertreibung kann eine Bewertung ins Ironische verdrehen. Er war ein außerordentlich brillanter Kopf. Wenn Sie das in Ihrem Zeugnis sehen, was denken Sie dann? Doch wohl, dass sich da jemand über Sie lustig machen wollte. Genauso kann es auch gemeint sein. Er verfügt über eine außergewöhnliche Begabung, sein Wissen mit den Kollegen zu teilen. Das ließe sich übersetzen mit Er war ein Besserwisser.

  • Reihenfolge

    Für einen Kundenbetreuer ist der Umgang mit Kunden eine Kernkompetenz. Dass er dabei gute Leistungen erbracht hat, sollte im Arbeitszeugnis möglichst weit vorne auftauchen – und nicht ganz hinten, womöglich in einem Nebensatz. Werden am Anfang des Zeugnisses weniger wichtige Aspekte vor den wirklich wichtigen genannt, ist das verdächtig.

  • Knappheit

    Mit Temporaladverbien wie stets, immer oder jederzeit wertet der Arbeitgeber die Leistungen eines Mitarbeiters auf. Auch qualifizierende Adjektive wie zielstrebig oder engagiert sind positiv. Diese Bestandteile verlängern einen Satz. Im Umkehrschluss bedeutet das: Enthält ein Arbeitszeugnis auffallend viele kurze Sätze, ist dies in der Regel als Abwertung zu verstehen.

Arbeitszeugnis-Formulierungen in agilen Teams

Arbeitszeugnis Formulierungen agil
Auch in agilen Teams dürfen Arbeitgeber die Leistungen der Mitarbeiter individuell bewerten. Dies urteilte das Arbeitsgericht Lübeck in einem Urteil vom 22. Januar 2020.

Im konkreten Fall hatte ein Arbeitnehmer, der als Testingenieur im Bereich Product Qualification beschäftigt war und in einem agilen Projektteam nach der Scrum-Methode gearbeitet hatte, geklagt. Das Arbeitszeugnis, das er nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erhielt, fiel aus seiner Sicht im Vergleich zu einem anderen Teammitglied zu schlecht aus. Vor Gericht verlangte er, dass der Arbeitgeber sein Arbeitszeugnis im Wortlaut an das Zeugnis seines ehemaligen Kollegen angleichen müsse. Als Begründung führte er an, dass in agilen Teams die Team-Leistung vorrangig wäre und die individuelle Arbeitsleistung nur untergeordnet.

Die Lübecker Richter gaben der Klage nicht statt. Auch in agilen Arbeitsumgebungen sei, so ihr Urteil, die individuelle Leistung messbar. Arbeitszeugnis-Formulierungen dürfen somit sehr wohl voneinander abweichen.

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[Bildnachweis: Production Perig by Shutterstock.com]

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