Bewerbungscoaching: Was es Ihnen bringt

Bewerbungscoaching ist nicht die Lösung für alle Bewerber-Probleme. Aber ein Coach kann Sie fit machen und Ihnen Sprungfedern verleihen, mit denen Sie dann selbst über die Hürden des Bewerbungsprozesses hüpfen. Doch bevor man sich für einen Bewerbungstrainer entscheidet, sollte man sich einige Fragen gut durch den Kopf gehen lassen…

Bewerbungscoaching Infos

Bewerbungscoaching: Was ist das überhaupt?

Eine Warnung vorweg: Jeder kann sich Coach nennen. Der Begriff ist nicht geschützt. Auch Scharlatane und Schwindler können sich als Bewerbungscoach bezeichnen.

Das ist aber nicht die einzige Schwierigkeit, mit denen Bewerber konfrontiert werden. Auf dem Markt herrscht ein Wirrwarr an Begriffen und Bezeichnungen. Die einen sehen sich als Bewerbungscoach, die anderen als Bewerbungsberater.

Aber ist das nicht alles das Gleiche? Nein, nicht unbedingt. Karrieresprung erklärt Ihnen die Unterschiede:

  • Bewerbungscoach

    Hilfe zur Selbsthilfe – das soll Coaching leisten. Zusammen suchen Coach und Klient nach Lösungen, um dem Ziel näher zu kommen. Entscheidend in diesem Prozess ist Selbstreflexion. Bewerber müssen sich Fehler eingestehen, Kritik zulassen. Ein guter Bewerbungscoach passt sich an die Bedürfnisse des Kunden an und deckt die gewünschten Aspekte ab. Der Bewerber lernt, wie er sich selbst helfen kann und worauf er im Bewerbungsprozess besonders achten muss. Der Bewerbungscoach nimmt Ihnen wohlgemerkt nicht die ganze Arbeit ab. Sie müssen sich selbst aktiv einbringen.

  • Bewerbungsberater

    Die Arbeit eines Bewerbungsberaters ist sehr viel konkreter als die eines Coaches. Er sagt seinem Klienten genau, was dieser tun soll. Wo er sich bewirbt, was er tun oder lassen soll, um im Bewerbungsprozess zu überzeugen. Das Ziel ist letztlich das Gleiche: Der Bewerber soll endlich an seinen Traumjob kommen.

  • Bewerbungstrainer

    Der Bewerbungstrainer arbeitet mit Ihnen daran, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Er will Sie auf ein höheres Level heben. Als Klient erlernen Sie neue Fähigkeiten und Fertigkeiten. Wie Sie sprechen, wie Sie gehen, gucken und stehen. Das soll Ihnen dabei helfen, eine Gehaltsverhandlung zu führen oder im Vorstellungsgespräch aufzutrumpfen.

  • Bewerbungsschreiber

    Der Bewerbungsschreiber nimmt Ihnen die Arbeit ab – allerdings nur zum Teil. Er schreibt für Sie die Bewerbung, damit Sie es nicht tun müssen. Der (durchaus zweifelhafte) Service bietet sich für Bewerber an, die mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß stehen oder schlicht keine Zeit haben. Sie müssen die Bewerbung nur noch abschicken und auf ein Feedback warten. Ob die Bewerbung Erfolg letztlich hat, kann Ihnen kein Bewerbungsschreiber der Welt garantieren.




Diese Leistungen können Sie in Anspruch nehmen

Wer ein Bewerbungscoaching in Anspruch nimmt, will eigentlich immer das Gleiche: einen neuen Job. Den richtigen Job. Den Traumjob. Aber wie läuft so ein Coaching überhaupt ab?

Bevor Sie sich für einen Dienstleister entscheiden, sollten Sie zunächst Ihre Zielsetzung erörtern. Wobei soll Ihr Coach Ihnen helfen?

  • Berufsorientierung geben
  • Stellenanzeigen analysieren
  • Bewerbungsstrategie erarbeiten
  • Berufsziele erörtern
  • Bewerbungsunterlagen erstellen
  • Bewerbungsunterlagen optimieren
  • Online-Reputation aufbauen
  • Vorstellungsgespräch trainieren
  • Assessment Center vorbereiten

Für alle Bereiche gibt es Trainer. Aber nicht jeder beherrscht alle Bereiche gleich gut. Suchen Sie sich einen passenden Coach und sprechen Sie vorab die Punkte an, die Ihnen wichtig sind oder Probleme bereiten. In jedem Fall kommt Mehrarbeit auf Sie zu. Das bitte nicht unterschätzen!

Der Coach ebnet Ihnen den Weg. Gehen müssen Sie ihn selbst. Das gilt sogar für Ghostwriter, die Ihnen Lebenslauf und Motivationsschreiben fertig servieren. Das Vorstellungsgespräch führen Sie dennoch höchstpersönlich. Und eine passende Stelle kann Ihnen ebenfalls niemand auf dem Silbertablett ins Haus tragen.

Sie sollten das Coaching als das sehen, was es ist: als einen Lernprozess, der Sie unterstützt und Ihnen hilft, in Zukunft selbst erfolgreicher zu agieren.

So wählen Sie einen Bewerbungscoach aus

Vor dem ersten Beratungstermin steht in der Regel ein Vorgespräch. Sie besprechen nicht nur die Formalitäten, sondern lernen sich auch kennen. Sie klopfen den Coach ab und testen ihn auf Herz und Nieren.

Das erste Kennenlernen ist wichtig. Diese Fragen sollten Sie sich stellen:

  • Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Bewerbungscoaching?
  • Was erwarten Sie von Ihrem Coach?
  • Passen Sie und der Coach zusammen – inhaltlich wie menschlich?

Dass Sie auf der gleichen Wellenlänge funken, ist ein entscheidender Punkt. Auf das Bewerbungscoaching müssen Sie sich einlassen, sich auch öffnen. Dies gelingt nur, wenn sie Ihrem Trainer vertrauen. Gegenseitige Sympathie hilft. Sie ist aber keine Grundvoraussetzung. Manchmal können Reibungen und Spannungen konstruktiv sein.

In jedem Fall sollten Sie den Coach für kompetent und vertrauenswürdig halten. Haben Sie das Gefühl, er oder sie bringt Sie weiter? Sind Sie bereit, ihm auch unangenehme Dinge – Ihre Schwächen zum Beispiel – anzuvertrauen? Fühlen Sie sich in Gegenwart dieser Person wohl? Lauten die Antworten Ja, könnte dieser Coach der richtige sein.

Vergessen Sie aber nicht, die Rahmenbedingungen zu klären. Die Gesamtdauer des Bewerbungscoachings, die Länge der einzelnen Sitzungen, der Ort, Kosten, die Art der Bezahlung.

Fragen Sie ihn auch nach seiner Flexibilität. Was, wenn sie kurzfristig erkranken – oder Ihr Kind? Niemand wünscht sich eine Diva als Dienstleister, der sich mit Verweis auf seinen üppigen Kalender selbst zu wichtig nimmt.

Danach geht es an die Analyse. Was können Sie schon gut? Wo liegen Ihre Schwächen? Woran liegt es, dass Ihre Bewerbungen versanden – oder was glauben Sie, woran es liegen könnte? Wovor haben Sie Angst? Was mögen Sie nicht? Woran wollen und müssen Sie arbeiten – und woran nicht?

Seien Sie aber ehrlich – zu sich selbst und zu Ihrem Coach. Je mehr Informationen er über Sie sammelt, desto aussagekräftiger das Profil, das er über Sie erstellen kann. Seine Hilfe muss so zielgerichtet wie möglich sein, damit sie Ihnen Ergebnisse beschert.

Welche Ziele Sie verfolgen können

Die Ist-Situation ist das Fundament. Ziel: Dass daraus alsbald die Soll-Situation entsteht. Diese Ziele können bei einem Bewerbungscoaching im Vordergrund stehen:

  • Stellensuche verbessern

    Jobangebote nicht nur finden, sondern auch richtig interpretieren und in Angriff nehmen – das kann ein übergeordnetes Ziel sein. Um sich im Dickicht der unzähligen Jobanzeigen zurechtzufinden, sollte man sich gemeinsam einen Schlachtplan zurechtlegen: Welches Profil hat der Bewerber? Welche Erwartungen hat er? Wo will er arbeiten? Sind die wichtigsten Fragen geklärt, kann man gemeinsam mit dem Bewerbungscoach auf die Suche gehen.

  • Bewerbung erstellen

    Die Bewerbungsunterlagen kosten Kraft. Da kann es sinnvoll sein, wenn einem jemand unter die Arme greift. Immerhin gehören dazu das Anschreiben und der Lebenslauf, manchmal noch weitere Dokumente. Speziell Berufsanfänger wissen oft gar nicht, wo sie anfangen und aufhören sollen. Der Bewerbungscoach sagt es ihnen. Er hilft dabei, alles in Form zu bringen, die richtigen Akzente zu setzen. Dabei kann der Coach auf zweierlei Art helfen. Er kann direkt bei der Erstellung der Unterlagen anpacken. Oder er kann das nötige Rüstzeug vermitteln, damit der Bewerber in Zukunft selbst überzeugende Mappen zusammenstellt.

  • Unterlagen optimieren

    Ist er gut, stellt der Coach die richtigen Fragen. Welche Unterlagen fehlen und könnten hilfreich sein (z.B Referenzen)? Woran liegt es, das so viele Bewerbungen des Kandidaten fehlschlagen? Welche Fehler aus früheren Bewerbungen muss der Kandidat abstellen? Dazu muss man vorherige Bewerbungen grundlegend analysieren, Fehler herausfiltern – und abstellen. Vorteil: Man muss nicht ganz von vorne anfangen, sondern kann auf dem bestehenden Material aufbauen.

  • Fähigkeiten analysieren

    Im Rahmen einer Bewerbung ist es wichtig, die eigenen Stärken in den Fokus zu rücken. Dazu müssen diese aber überhaupt erst bekannt sein. Gemeinsam mit dem Coach begeben Sie sich auf die Suche nach Ihren Stärken und Schwächen, Hard Skills und Soft Skills. Konkrete Beispiele, an denen man die Kompetenzen aufzeigt, sind der Goldstandard. Am Ende gilt es, die Unternehmen zu benennen, die einen Bedarf an Ihren Skills haben – und sich bei ihnen überzeugend zu bewerben.

  • Bewerbungsgespräch vorbereiten

    Vor dem Jobinterview haben viele Bewerber Bammel. Angst ist kein guter Ratgeber: Sie kann lähmen – und die Jobchancen auf den Nullpunkt befördern. Bewerbungscoaches können die Situationen mit Ihnen durchspielen – und Ihnen sagen, was Sie unbedingt beherzigen sollten. Rollenspiele, konstruktive Kritik, Tipps – all das hilft Ihnen, souveräner aufzutreten. Wer seine Selbstpräsentation mehrmals übt, ist für den Ernstfall besser gewappnet. Auch Körpersprache und Kleidungswahl sollten im Training angesprochen werden.

Bewerbungscoaching: Wichtige Fragen

Bitte beachten Sie: Nicht all Ihre Fragen können vermutlich im Rahmen eines Bewerbungscoachings geklärt werden. Dazu gibt es einfach viel zu viele. Und sie reproduzieren sich selbst. Bedeutet: Aus jeder Antwort entsteht wieder eine Vielzahl an Folgefragen. Das Bewerbungs-Universum ist unendlich.

Widmen Sie sich daher erst den großen Fragen und arbeiten sich dann weiter nach unten vor. Denn es stimmt: Die Details zählen!

Andererseits gibt es ultimativ richtige Antworten vermutlich nicht. Unterschiedliche Situationen können immer neue Antworten hervorbringen. Ist dem einen Personaler ein allzu lockeres Auftreten des Bewerbers en Dorn im Auge, gefällt dies dem anderen vielleicht supergut. Der eine sieht in Lücken im Lebenslauf einen Makel, der andere eine Chance.

Beispielhaft sind hier ein paar Fragen, auf die es mehrere Antworten geben kann:

  • Muss ich die Fragen des Personalers abwarten?

    Ja, es gibt Personaler, die erstmal etwas über sich und das Unternehmen erzählen wollen – und sich nur ungerne unterbrechen lassen. Auf der anderen Seite handelt es sich nicht um ein Verhör, sondern um ein Gespräch auf Augenhöhe. Das Unternehmen hat Fragen an Sie, Sie haben Fragen an das Unternehmen. Es ist also prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie zwischendurch immer wieder Rückfragen stellen. Das zeigt Neugier und Interesse. Dass diese Taktik auch nach hinten losgehen kann, ist unbestritten. Wenn Sie dumme Fragen stellen (Was macht Ihr Unternehmen eigentlich genau?) oder Ihrem Gegenüber ständig ins Wort fallen, dann zahlt das keinesfalls auf Ihr Konto ein.

  • Wie wichtig sind Hobbys im Lebenslauf?

    Es hat niemanden zu interessieren, dass Sie sich in Ihrer Freizeit mit Modellflugzeugen beschäftigen? Einverstanden. Aber es könnte Ihre Einstellungschancen erhöhen, wenn Sie sich zum Beispiel in der Spielzeugindustrie bewerben. Ein Hobby kann Signale geben – ob Sie für eine bestimmte Sache brennen. Es kann auch negative Signale senden. Extremsportarten etwa sind gefährlich – und erhöhen das Risiko für Verletzungen. Und kein Arbeitgeber hat ein Interesse daran, dass die Mitarbeiter lange ausfallen. Andererseits: Bewerben Sie sich bei einem Unternehmen für Outdoor-Kleidung, dann verdeutlicht Paragliding Ihre Leidenschaft für Sport und Natur. Eine gute Verbindung! Sie sehen: Ob und welche Hobbys in der Bewerbung gut oder schlecht ankommen, ist von Fall zu Fall verschieden.

  • Sollte ich so authentisch wie möglich sein?

    Viele würden jetzt vermutlich sagen: Ja, unbedingt. Es ist wie in der Ehe: Man will von seinem Partner so geschätzt und geliebt werden, wie man wirklich ist. Muss man sich hingegen verstellen, kann die Verbindung nicht die richtige sein. Das klingt wundervoll, geht aber in der Arbeitswelt manchmal an der Realität vorbei. Denn die Wahrheit ist: Schleimen kann im Bewerbungsgespräch ein Erfolgsrezept sein. Spiegeln kann eines sein. Und sogar Lügen können Erfolg bringen (Extrembeispiel: Wenn Sie die Frage nach einer Schwangerschaft verneinen, Sie in Wahrheit aber schwanger sind). Wer mit seiner wahren Persönlichkeit voll überzeugt und den Job landet – herzlichen Glückwunsch! Wer bislang aber stets auf die Nase gefallen ist, darf auch gerne einen anderen Ansatz als maximale Authentizität wählen.

Bewerbungscoaching: Das sind die Vorteile

  • Chancen verbessern

    An jeder Bewerbung, an jedem Auftritt gibt es noch etwas zu verbessern. Der Coach kann Ihnen wertvolle Hinweise liefern. Das bringt Ihnen nicht automatisch den Job, aber es erhöht Ihre Chancen, einen zu finden.

  • Feedback

    Dieser Punkt ist keinesfalls zu unterschätzen. Allein über Ihre Probleme zu reden, bringt Ihnen schon Erleichterung bis hin zu neuem Selbstvertrauen. Der Bewerbungscoach übernimmt also ein Stück weit die Rolle eines Psychiaters. Das Gefühl, verstanden und gehört zu werden – schön!

  • Einblicke

    Viele Menschen wissen gar nicht, was in Ihnen steckt. In Wahrheit gibt es viel zu viele, denen auf die Frage nach ihren Stärken kaum etwas oder gar nichts einfällt. Traurig – und unnötig. Jeder Mensch hat Stärken, nur liegen sie nicht immer sichtbar vor uns auf dem Tisch. Der Bewerbungscoach kann Ihnen helfen, Ihre Stärken sichtbar zu machen.

  • Ängste überwinden

    Bewerbungscoaching hat auch immer etwas von Konfrontationstherapie. Sie müssen sich Ihren Ängsten und Sorgen stellen. Dass Sie im Jobinterview anfangen zu stottern etwa oder dass Sie einfach Angst vor Veränderung haben. Bewerbungscoaching kann ein Ventil sein. Sie lernen, mit Ihren Ängsten besser umzugehen – und bauen sie bestenfalls Stück für Stück ab.

  • Selbstbewusstsein gewinnen

    Notorisch erfolglose Bewerber verlieren ihr Selbstvertrauen irgendwann. Das ist kein Grund, sich zu genieren, sondern allzu menschlich. Erfolg versorgt einen mit Selbstvertrauen, Misserfolg saugt es wieder ab. Das Problem ist der Teufelskreis, der daraus entsteht. Misserfolg führt zu Unsicherheit, diese wieder zu Misserfolg, dieser zu noch größerer Unsicherheit usw. Aufgabe des Bewerbungscoachs ist es, Sie aus diesem Teufelskreis zu befreien und Ihr Selbstvertrauen wieder aufzupolieren.

[Bildnachweis: Prostock-studio by Shutterstock.com]

/></p>

	        
        	
			<div class=

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Diese Artikel fanden andere Leser interessant: