Stärken Anschreiben: Diese kann keiner mehr hören

Das Anschreiben muss sitzen, damit’s mit der Bewerbung klappt. Ein wesentlicher Bestandteil des Anschreibens sind die eigenen Stärken. Am besten, die Fähigkeiten des Bewerbers sind deckungsgleich mit denen, die das Unternehmen gerade dringend sucht. Doch Achtung: Nicht alle Stärken, die wir mit uns selbst assoziieren, sollten im Anschreiben Platz finden. So gibt es einige, die dermaßen abgenutzt sind, dass Sie lieber Abstand von ihnen nehmen. Stärken Anschreiben: Die sollten Sie aufnehmen – und die nicht…

staerken anschreiben

Stärken Anschreiben: Diese sind abgenutzt

Der perfekte Bewerber ist hochmotiviert, äußerst kreativ und leidenschaftlich bei der Sache. Ein Traum für jeden Arbeitgeber! Ja, fast… Ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. Denn motiviert, kreativ und leidenschaftlich – das sind sie heute alle.

Diese drei Vokabeln zählen zu den zehn meist genutzten Schlagwörtern von Bewerbern in Deutschland. Das hat die Business-Plattform Linkedin in einer Analyse von weltweit mehr als 530 Millionen Nutzerprofilen herausgefunden. Das sei generisch und austauschbar, schreibt Linkedin. Wenn also ein Kandidat sich selbst als innovativ bezeichnet, dann zeugt das vor allem nicht von… Innovationsfreude.

Aber es geht noch abgenutzter. Auf Platz eins der Linkedin-Rangliste steht das Wörtchen „spezialisiert“, dahinter folgt „erfahren“ – und das, obwohl es im Prinzip von Berufsanfängern nicht wirklich benutzt werden kann.

Klar ist: Nur weil ein Begriff abgenutzt ist, heißt es nicht, dass Sie ihn keinesfalls verwenden sollten. Wenn Sie auf Ihrem Gebiet spezialisiert und erfahren sind, außerdem schon Ihre Innovationskraft unter Beweis gestellt haben, dann nehmen Sie diese Tugenden mit auf. Aber Sie sollten vielleicht nicht NUR auf überstrapazierte Adjektive zurückgreifen. Streuen Sie auch das eine oder andere ein, mit dem der Personaler nicht rechnet.

Das sind die zehn meist genutzten und damit abgenutztesten Bewerber-Schlagwörter in Deutschland:

  1. spezialisiert
  2. erfahren
  3. Expertenwissen
  4. Führungsqualitäten
  5. leidenschaftlich
  6. qualifiziert
  7. innovativ
  8. strategisch
  9. kreativ
  10. motiviert

Auf internationaler Ebene sehen die Top Ten ganz ähnlich aus. Auch US-amerikanische Personaler können sich vor spezialisierten, erfahrenen und qualifizierten Kräften kaum retten. Bedenken Sie dies, wenn Sie sich um eine Stelle im Ausland bewerben.

Das sind die zehn meist genutzten und damit abgenutztesten Bewerber-Schlagwörter international:

  1. spezialisiert
  2. erfahren
  3. qualifiziert
  4. Führungsqualitäten
  5. leidenschaftlich
  6. Expertenwissen
  7. motiviert
  8. kreativ
  9. strategisch
  10. fokussiert



Stärken: So finden Sie Ihre!

Manchmal verstecken sich die eigenen Stärken vor einem. Welche habe ich denn überhaupt? Vorweg die Entwarnung: JEDER hat Stärken. Garantiert! Hier sind drei Wege, wie Sie ihnen auf die Schliche kommen:

  1. Lernerfolg

    Welche Kompetenzen oder Skills haben Sie innerhalb kürzester Zeit erworben? Dabei kann es sich um Schlittschuhlaufen, Häkeln, Programmieren oder Videospiele handeln. Wobei hatten Sie wenig Mühe? Dies lässt Rückschlüsse auf Ihre Talente und Interessen zu.

  2. Überlegenheit

    Auf welchem Gebiet fragen Ihre Freunde und Familie Sie um Rat? Gibt es Probleme, für die Sie ein sehr gefragter Ansprechpartner sind? Wenn ja, dann sind Sie vermutlich auf diesem Gebiet sehr bewandert. Es scheint eine Stärke von Ihnen zu sein.

  3. Erfüllung

    Was macht Ihnen unheimlich viel Spaß? Worin gehen Sie auf? Ein Instrument spielen, surfen oder puzzeln – denken Sie an Hobbys oder kleine Zeitvertreibe. Sogar passionierte Netflix-Gucker können so ungeahnte Stärken eruieren. Denn wer in der Lage ist, aus einem gigantischen Angebot schnell die richtigen Serien herauszufiltern, verfügt mit großer Wahrscheinlichkeit über Organisationstalent und logisches Denkvermögen.

Stärken Anschreiben: Das beachten

Der Rahmen Ihrer Bewerbung muss stimmen. Ihre Stärken kommen zur Geltung, wenn Sie ihn richtig setzen. So sollte Ihre Bewerbung sein:

  • Klar

    Sie wollen dem Unternehmen zeigen, dass Sie der beste Mann oder die beste Frau für den Job sind. Nicht mehr, nicht weniger. Das erfordert eine klare Ansage. Und wer Klarheit schaffen will, kann sich nicht mit Allerweltsplatitüden zufriedengeben. Die schaffen vielmehr Unklarheit – weil sie die Bewerber gleich aussehen lassen.

  • Individuell

    Das Anschreiben sollte genau auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. Was für den einen Arbeitgeber eine große Stärke wäre, ist für den anderen vielleicht ein Makel. Kreativität zum Beispiel kann man in der Verwaltung, im OP-Saal oder Cockpit eher nicht gebrauchen. Sie kann sogar lebensgefährlich sein. Und Erfahrung sehen – so traurig das ist – in „jugendlichen“ Branchen wie der Werbung auch nicht alle als Auszeichnung.

Stärken Anschreiben: So hilft Ihnen die SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse hat ihre Ursprünge in der Strategieentwicklung für Unternehmen. Sie kann auch Bewerbern helfen, ihre Potenziale zu entdecken. Die vier Buchstaben stehen für:

  • S = Strengths, Stärken
  • W = Weaknesses, Schwächen
  • O = Opportunities, Chancen
  • T = Threats, Risiken

Stärken und Schwächen hat jedes Unternehmen, Chancen und Risiken beziehen sich dagegen auf die Märkte und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Bewerber können das Schema einfach auf sich selbst anwenden.

Mit Stärken und Schwächen sind dann die eigenen Kompetenzen und Fertigkeiten auf der einen Seite und Defizite auf der anderen Seite gemeint. Dabei kann es sich etwa um formelle Qualifikationen, autodidaktisch erworbene oder Soft Skills handeln. Chancen und Risiken haben dann eher den Arbeitsmarkt, die Stellensituation und potenzielle Arbeitgeber im Blick.

  • Beispiel für Stärken: Branchenerfahrung.
  • Beispiel für Schwächen: Fehlende Führungserfahrung.
  • Beispiel für Chancen: Branche sucht gerade händeringend Fachkräfte.
  • Beispiel für Risiken: Die Konjunktur flaut ab und der Arbeitsmarkt gerät in die Defensive.

Das können Sie in einem Schema abbilden – auf dem Bildschirm oder auf einem Blatt Papier. So wird Ihnen auch schnell klar, welche Stärken Ihnen momentan besonders gut zu Gesicht stehen – und im Bewerbungsprozess helfen.

Wichtig ist dabei nur, dass Sie realistisch bleiben. Überhöhen Sie sich selbst nicht, das bringt nichts. Versuchen Sie, sich und Ihre Lage wirklichkeitsnah einzuschätzen. Wenn Sie das schaffen, haben Sie eine gute Basis für Ihre weitere Jobsuche.

So kann es zum Beispiel passieren, dass Ihre Stärken gar nicht zu den Arbeitgebern passen, die Sie eigentlich favorisieren. Dann haben Sie entweder die Wahl, Ihre Stärken auszubauen, um Deckungsgleichheit zu schaffen. Nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Oder aber, Sie konzentrieren sich fortan auf die Arbeitgeber, die Ihrem Profil näher sind.

Auf jeden Fall kann Ihnen die SWOT-Analyse helfen, Stärken zu erkennen und zu erweitern. Probieren Sie es aus!

Stärken Anschreiben: Was muss ich tun?

  1. Keine Phrasen

    In Ihrer Bewerbung beschreiben Sie sich als motiviert, kreativ und leidenschaftlich? Gäbe es ein Phrasenschwein für Bewerber, dann müssten Sie jetzt tief in die Tasche greifen. Vermeiden Sie phrasenhafte Schlagwörter wie Vampire das Licht. Wenngleich, das eine oder andere prägnante Adjektiv dürfen Sie schon benutzen. Die Dosierung macht das Gift. Orientieren Sie sich an den Erfordernissen Ihres potenziellen Arbeitgebers und der jeweiligen Branche.

  2. Bessere Alternativen

    Noch mal: Motiviert und kreativ sein – das sind zwei tolle Eigenschaften! Sie können sie also ruhig in Ihr Anschreiben aufnehmen. Aber es bleiben nun mal Floskeln. Noch besser wäre also, Sie würden Ihre Motivation und Kreativität zum Ausdruck bringen – nur eben weniger phrasenhaft. Wie das geht? Zum Beispiel, indem Sie Synonyme benutzen oder auch Übertreibungen. „Ich bin bis in die Haarspitzen motiviert.“ In dem Satz stecken eine alte Redewendung und ein abgenutztes Bewerber-Schlagwort drin – und dennoch wirkt er in dem Kontext erstaunlich frisch und originell. Oder auch: „Meinem Einfallsreichtum waren noch nie Grenzen gesetzt.“ Wenn Sie diese Behauptung noch mit konkreten Projekten belegen, gewinnt sie eine ganz neue Dimension – und wird den Personaler bestimmt nicht ermüden.

  3. Keine Allgemeinplätze

    Niemand mag Worthülsen. Darum sollten Sie auch in Ihrer Bewerbung Allgemeinplätze meiden. Werden Sie so konkret wie möglich. Der Personaler will sich bildhaft vorstellen können, was Sie bisher geschafft haben. Wenn Sie sich als teamfähig vorstellen, dann belegen Sie das an ganz konkreten Begebenheiten: „“Ich habe damals mein Team zum Erfolg geführt, als es um die Umsetzung eines Projekts für einen großen Kunden ging. Anfangs waren einige Teammitglieder auf Kriegsfuß, aber ich konnte schnell den Zusammenhalt wieder herstellen, indem ich…“ Keine falsche Bescheidenheit!

  4. Mit Ausblick

    Der Blick zurück sagt etwas über Ihre Erfolge und Qualitäten. Aber vergessen Sie den Blick nach vorne nicht. Es geht schließlich nicht nur um Sie, sondern auch um das Unternehmen. Was wollen Sie für Ihren neuen Arbeitgeber erreichen? Wie können Ihre Stärken dazu beitragen, dass dieser erfolgreich bleibt oder wird? „Ich will meine Führungsqualitäten so einbringen, dass Ihre neue Repräsentanz in Frankfurt ein durchschlagender Erfolg wird.“ Das wäre in die Zukunft gerichtet – und mehr als eine Worthülse.

  5. Und was ist mit den Schwächen?

    Lassen Sie eine Schwäche einfach mal eine Schwäche sein. Das ist flapsig dahingesagt, hat aber einen wahren Kern. Studien deuten darauf hin, dass derjenige erfolgreicher ist, der seine Stärken stärkt als jener, der seine Schwächen stärkt. Bauen Sie lieber Ihre Stärken aus als dass Sie versuchen, Ihre Schwächen auszumerzen. Letzteres fällt im Übrigen auch sehr viel schwerer.

    Denn auch Stärken sind immer ausbaufähig. Es gibt nichts, was man nicht NOCH besser könnte. Sogar Lionel Messi profitiert noch immer von Dribbel- und Torschusstraining. Sie können das in Ihrem Job auch – durch Training, Online-Kurse oder anderen Formen der Weiterbildung.

    Und Ihre Schwächen? Dafür haben sie ja Kollegen oder Geschäftspartner. Suchen sie sich welche, die Ihre Schwächen ausmerzen. Das ist auch bei Gründer-Teams so: Einer übernimmt meist die Finanzen, der zweite den Vertrieb, der dritte ist der Techniker. Das ist deutlich effizienter, als wenn einer alles alleine machen will.

    Manchmal gibt es natürlich Ausnahmen: Angenommen, Sie wollen unbedingt im Vertrieb arbeiten, haben aber große Probleme, auf Menschen zuzugehen. Dann müssen Sie wohl oder übel an Ihrer Schwäche arbeiten. Es gibt in allen Berufen und Bereichen Schlüsselqualifikationen, ohne die es nicht geht. Am besten aber, Sie suchen einen Job und Arbeitgeber, der Ihre Stärken einzusetzen weiß.

    [Bildnachweis: Adam Gregor by Shutterstock.com]

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Diese Artikel fanden andere Leser interessant: