Vorstellungsgespräch Schwächen (und Stärken): Die sind gut!

Vorstellungsgespräch Schwächen: Vor kaum einer Frage zittern Bewerber mehr als vor der nach den eigenen Schwächen. Dabei sind Schwächen menschlich. Jeder hat sie – und zwar in Hülle und Fülle. Darum ist es auch keine gute Strategie, Schwächen im Vorstellungsgespräch partout verschweigen zu wollen. Ein bisschen Vorsicht sollten Bewerber nichtsdestotrotz schon walten lassen. Vorstellungsgespräch Schwächen: Welche sinnvoll sind – und welche weniger…

Vorstellungsgespräch Schwächen: Diese bitte nicht!

Niemand mag diese Situation: Sie sitzen im Vorstellungsgespräch und werden mit der Frage nach Ihren größten Schwächen konfrontiert. Welche Strategie aus dem Hut zaubern: Flunkern, beschönigen, ablenken oder ignorieren? Am besten nichts von alledem!

Zunächst einmal sollten Sie von den Klassiker-Antworten absehen, die vor 15 oder 20 Jahren noch originell waren. Heute sind sie es nicht mehr. In diese Kategorie gehören Antworten wie:

  • Ich bin zu perfektionistisch.
  • Ich bin ungeduldig.
  • Ich arbeite zu viel.
  • Ich habe keine nennenswerten Schwächen.

Die letzte Antwort outet Sie augenblicklich als Großkotz. Das kommt bei niemandem gut an. Und es führt höchstwahrscheinlich dazu, dass Sie aus dem Rennen sind – denn keiner möchte einen arroganten Fatzke in sein Team holen.




Vorstellungsgespräch Schwächen: Ungeduldig und perfektionistisch?

Grundsätzlich ist die Taktik, eine Stärke zu einer vermeintlichen Schwäche umzuettiketieren, nicht mehr zeitgemäß. Personaler sind nicht dumm – sie durchschauen diese Vorgehensweise sofort.

Und wenn man ganz ehrlich ist, dann sind Ungeduld und Perfektionismus in Wahrheit auch keineswegs Stärken. Es sind negative Eigenschaften – nicht mehr und nicht weniger.

Geduld etwa ist eine Kardinalstugend – wer sie hat, geht nachweislich erfolgreicher durchs Leben. Sogar in der Schule haben Kinder große Vorteile, wenn sie einigermaßen geduldig sind. Darauf haben Studien bereits hingewiesen. Böse Zungen könnten sogar behaupten: Ungeduld ist eine Eigenschaft infantiler Menschen.

Sie korreliert darüber hinaus mit übersteigertem Ehrgeiz. Typ Lottogewinner: Das schnelle Geld – jetzt sofort! Aber bitte ohne den entsprechenden Einsatz. Erfolg aber ist ein Marathon, kein 100-Meter-Lauf. Wer das nicht kapiert, hat in einer Führungsposition nichts verloren. Erfahrung gewinnt man im Laufe seines Lebens – und sie bringt einen weiter. Ohne Geduld wiederum keine Erfahrung.

Perfektionismus könnte man als mangelnden Pragmatismus auslegen. Eine pragmatische Herangehensweise aber braucht, wer ein Startup großmachen oder eine Unternehmenskrise überwinden will. Perfektionisten offenbaren zudem, dass sie nicht einmal zu eigenen Schwächen stehen und konstruktiv mit ihnen umgehen können.

All das soll sagen: Nein, Ungeduld und Perfektionismus sind keine Stärken. Versuchen Sie erst gar nicht, sie zu welchen zu machen.

Vorstellungsgespräch Schwächen: Warum Sie zu ihnen stehen sollten

Darum kann der Rat nur lauten: Stehen Sie zu Ihren Schwächen und Defiziten! Jeder kennt den Spruch: Nobody is perfect. Auch Ihr Gegenüber kennt den – und er erwartet keinen Arbeits-Roboter ohne jede menschliche Macke.

Schwächen machen Sie menschlich. Außerdem können Sie an Schwächen arbeiten – sie sind gewissermaßen Entwicklungspotenziale. Und genau das ist der Casus Knaxus: Wer im Vorstellungsgespräch Schwächen zu einer Herausforderung erklärt, signalisiert Einsatz, Willen und unerschlossene Potenziale. Und zeigt überdies, dass er eine gefestigte Persönlichkeit, emotional reif und reflektiert ist. Damit können Arbeitgeber etwas anfangen!

Ein Unternehmen, dass Sie nur mit Ihren Stärken, aber nicht mit Ihren Schwächen will, hat Sie ohnehin nicht verdient. Das ist so ähnlich wie in einer Ehe. Den einen Prince Charming oder die perfekte Cinderella – sorry, wenn ich Sie enttäuschen muss – die gibt’s leider nicht.

Diverse Studien haben gezeigt, dass…

  • Business-School-Absolventen in Bewerbungsgesprächen besser abschneiden, wenn sie auf Killerfragen und die Frage nach den Schwächen wahrheitsgemäß und nicht nur positiv antworten.
  • Bewerber ihre Chancen um das Fünffache steigern, wenn sie im Vorstellungsgespräch selbstkritisch und authentisch sind.
  • Personaler sich für die Kandidaten entscheiden würden, die eine echte Schwäche zugegeben und nicht eine Stärke zu einer Schwäche gemacht hatten.

Vorstellungsgespräch Schwächen: Warum diese Frage?

Was bezweckt der Personaler eigentlich mit der Frage nach den Schwächen?

Nun, er will nicht wissen, ob sie für die Stelle qualifiziert sind oder nicht. Das hat er längst aus Ihrem Lebenslauf, aus Arbeitszeugnissen und Referenzen herausgelesen. Ein Entwickler, der keinen Code schreiben kann oder ein Verkäufer, dem der Umgang mit Menschen nicht behagt oder ein Handwerker mit zwei linken Händen – mit dieser Art Schwäche hätten Sie sich ja erst gar nicht beworben.

Was das Unternehmen wirklich über Sie wissen will, ist, ob Sie selbstkritisch genug und ehrlich zu sich selbst sind. Wesentliche Eigenschaften, um sich im Job verbessern und weiterentwickeln zu können.

Die beste Taktik für Sie als Bewerber lautet demzufolge: Geben Sie eine Schwäche guten Gewissens zu, aber verknüpfen Sie sie mit einem guten Vorsatz! Einige Beispiele folgen…

Vorstellungsgespräch Schwächen: Die sind gut!

Vorstellungsgespräch Schwächen: Diese Antworten sind auch empfehlenswert – aber nicht für jeden…

  • Networking

    Ich bin kein wirklich guter Networker, obwohl ich einer werden will. Mir fällt es manchmal schwer, die richtigen Kontakte zu knüpfen und auf Dauer aufrecht zu erhalten. Aber ich arbeite daran und bin gerade dabei, mir eine Xing-Strategie zurechtzulegen.

    Diese Antwort ist KEIN Schweizer Taschenmesser, nicht jeder sollte von ihr Gebrauch machen. Beispiel: Vertriebsleiter oder Pressesprecher von Unternehmen. Für sie ist es elementar, ein Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. In anderen Positionen wäre diese Antwort dagegen gut, weil weniger relevant. Zudem handelt es sich um eine Schwäche, mit der sich so mancher identifizieren kann. Networking ist harte Arbeit, mühsam, manchmal auch lästig – und fällt vielen schwer.

  • Publikum

    Ich mag es nicht, vor größerem Publikum zu sprechen. Dann bin ich oft sehr nervös und fühle mich nicht wohl. Aber ich möchte das in den Griff kriegen und habe mich daher für einen Rhetorikkurs angemeldet.

    Jemand, der beruflich viel und öffentlich reden muss, sollte auf diese Antwort verzichten. Aber wenn Sie ohnehin kaum vor vielen Zuhörern referieren, wäre das eine legitime Antwort für Sie. Sie könnte sich zum Beispiel für Sachbearbeiter oder IT-Fachkräfte anbieten. Klar ist aber auch, dass es sich um eine Schwäche handelt und es besser wäre, an ihr zu arbeiten. Wenn Sie signalisieren, genau das tun zu wollen, können Sie sogar Punkte sammeln.

  • Ordnung

    Ich bin kein Messie, aber manchmal etwas unorganisiert. Dann fällt es mir schwer, den Überblick zu behalten und Aufgaben zu priorisieren. Darum versuche ich jetzt, vermehrt mit To-do-Listen und Zeitmanagement-Tools zu arbeiten.

    Ein Eventmanager sollte ein guter Organisator sein, die meisten Führungskräfte ebenfalls. Für sie ist diese Antwort weniger geeignet. Für Kreative aller Art aber könnte sie brauchbar sein. Ihnen wohnt ein kreatives Chaos inne, zu viel Ordnung und Ordentlichkeit würgt es möglicherweise ab. Grafikdesigner oder Art Direktoren können so antworten.

  • Ruhe

    Ich liebe es, mich mit meinen Kollegen auszutauschen. Aber um effizient zu arbeiten, muss ich mich fokussieren können und brauche meine Ruhe.

    Jeder Arbeitgeber verlangt Team- und Kommunikationsfähigkeit. Setzen Sie diese Antwort daher strategisch ein. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass die Firma Home-Office-Optionen anbietet oder viele Einzelbüros oder Rückzugsmöglichkeiten hat. Wenn sie über all das nicht verfügt, deutet dies vielleicht darauf hin, dass permanente Lärmpegel und Teamarbeit an der Tagesordnung sind – und dass Sie das aushalten müssen.

  • Fremdsprachen

    Meine Fremdsprachenkenntnisse sind eingerostet und daher ausbaufähig. Ich muss sie einfach häufiger sprechen. Genau das werde ich jetzt wieder tun. Ich habe mich für einen Tandemkurs im Internet angemeldet.

    Wenn Sie die Unternehmenspräsenz in Frankreich ausbauen sollen, dann sollten Sie Ihre Fremdsprachenkenntninisse lieber nicht in Frage stellen. In einem Job, in dem Sie ausschließlich auf deutsch kommunizieren, können Sie das schon eher. Natürlich ist Englisch die moderne Lingua franca und wird immer wichtiger. Wer sie nicht spricht, gerät ins Hintertreffen. Nennen Sie also lieber nicht Englisch, sondern eine andere Sprache.

  • Stärken

    Ich habe sicherlich viele Schwächen wie xx, yy oder zz. Aber ehrlich gesagt konzentriere ich mich auf meine Stärken und versuche, mich noch weiter zu verbessern.

    Keine Antwort für Generalisten, sondern für Spezialisten. Wenn Sie wahrhaft ein Meister Ihres Fachs sind, dann ist Ihre Top-Eigenschaft Ihr Kapital. Was bringt es Ihnen, noch etwas völlig anderes zu lernen? Dennoch ist die Antwort gewiss sehr gewagt, weil sie extrem selbstbewusst – manchem vielleicht schon arrogant – erscheint.

Vorstellungsgespräch Schwächen: Die sind auch gut!

Wenn Sie noch weitere Alternativen fürs Vorstellungsgespräch brauchen – wie wäre es mit diesen?

  • Meine praktische Erfahrung hält sich noch in Grenzen. (für Berufsanfänger)
  • Manchmal fällt es mir schwer, Nein zu sagen.
  • Es kommt vor, dass ich zu viel rede, um meine Meinung klar zum Ausdruck zu bringen.

Auch für diese Antworten gilt: Versuchen Sie, die Schwäche mit einem guten Vorsatz zu verknüpfen. Im ersten Beispiel ist das offensichtlich: Schließlich haben sie sich beworben, um genau diese Berufserfahrung jetzt zu sammeln.

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Stärken im Vorstellungsgespräch: Welche nennen?

Die Frage nach den Stärken – sie ist das Gegenstück zu der nach den Schwächen. Was nicht heißen muss, dass sie weniger unangenehm wäre.

Zwar gibt es Bewerber, die jetzt zur Hochform auflaufen und sich selbst wie einen jungen Gott bewerben. Andere rattern genau die Punkte herunter, von denen sie glauben, dass sie von ihnen erwartet werden.

Der Grat ist erstaunlich schmal: Bewerber sollen sich einerseits nicht übermäßig hochjubeln, andererseits aber auch nicht zu bescheiden auftreten. Beides hat ein Geschmäckle.

Halten Sie sich daher an diese beiden Vorgaben:

  1. Übertreiben Sie es nicht!

    Ja, Sie sind ein 1-A-Bewerber. Ja, Sie sind sehr kompetent. Ja, Sie sind der oder die richtige für den Job. Aber nein, Sie sind weder Superman noch Wonder Woman. Loben Sie sich selbst also nicht in den Himmel, sondern bleiben Sie realistisch. Stellen Sie Ihre Stärken sachlich heraus.

  2. Bringen Sie Beispiele!

    Teamfähig sind wir doch alle, nicht wahr? Aber wie äußert sich Ihre Teamfähigkeit denn im Arbeitsalltag? Das sollten Sie mit praktischen Beispielen belegen. Ebenso Ihre harten Skills wie EDV-Kenntnisse. Legen Sie dar, wann und wo Sie erfolgreich mit Business-Intelligence-Tools gearbeitet haben und warum Ihnen dies leicht fällt und sogar Spaß macht. Das klappt natürlich umso besser, je mehr Berufserfahrung Sie schon gesammelt haben. Junge Bewerber können auch Beispiele aus der Schule, Uni oder aus Nebenjobs in ihre Argumentation einflechten.

Stärken im Vorstellungsgespräch: Das sind gute!

Hier sind einige Beispiele:

  • Stressresistenz

    Ich bin belastbar und kann auch unter Stress gute Leistungen abrufen. So war es auch in meinem früheren Job eigentlich immer, wenn eine Deadline vor der Tür stand. Druck hat mich immer angespornt und noch ein paar Prozent aus mir herausgekitzelt.

  • Zielstrebigkeit

    Ich weiß genau, was ich will und bin sehr zielstrebig. Das ist nicht einfach so dahergesagt. Ich wollte damals nach der Schule unbedingt eine Ausbildung zum Mediengestalter machen, habe aber am Anfang nur Absagen erhalten. Trotzdem habe ich immer weitergemacht, an meinen Bewerbungsunterlagen und an meinem Auftreten im Interview gearbeitet und schlussendlich auch einen guten Ausbildungsplatz bekommen.

  • Kreativität

    Ich bin sehr kreativ. Aber ich weiß auch, dass Kreativität harte Arbeit bedeutet. Man muss sich schon bemühen, kreative Ergebnisse zu erzielen. Darum habe ich zuhause eine Routine entwickelt, bei der ich mir eine knifflige Aufgabe überlege und eine halbe Stunde lang intensiv nach Lösungen suche. Das mache ich einmal pro Woche, manchmal sogar am Wochenende.

Sie sehen: Es geht keineswegs darum, „richtige“ Antworten zu geben. Sondern darum, offen und selbskritisch mit sich ins Gericht zu gehen. Zu zeigen, dass man reflektiert ist und ach nach Lösungen und Verbesserungsmöglichkeiten sucht.

Sie sollen vor allem zeigen, dass Sie jemand sind, mit dem man gerne zusammenarbeitet. Dann verzeiht Ihnen der Arbeitgeber (nahezu) jede Schwäche…

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]

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